Strafgefängnis

Neue Dauerausstellung zu Gräueltaten in Plötzensee

In der Strafanstalt wurden im Nationalsozialismus mehr als 2800 Menschen ermordet. Tafeln und Dokumente erinnern an ihr Schicksal.

Zur Ausstellungseröffnung an der Gedenkstätte Plötzensee erschienen Hunderte Gäste.

Zur Ausstellungseröffnung an der Gedenkstätte Plötzensee erschienen Hunderte Gäste.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Berlin. Zu den furchtbaren Ironien der Berliner Geschichte gehört, dass das Strafgefängnis Plötzensee bei seiner Eröffnung 1879 für einen modernen, menschenwürdigen Justizvollzug im Kaiserreich stand. Doch nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 wurde die „Plötze“, wie sie der Volksmund nannte, schnell zum Schauplatz menschenunwürdiger Haftbedingungen und als Hinrichtungsstätte auch von Morden durch das Regime. In der NS-Zeit zwischen 1933 und 1945 wurden hier mehr als 2.800 Gefangene aus 20 Nationen enthauptet oder erhängt. Darunter waren neben zahlreichen politischen Häftlingen in den Kriegsjahren immer mehr Zivilisten, die wegen kleiner Vergehen der NS-Unrechtsjustiz zum Opfer fielen.

In der 1952 eingeweihten Gedenkstätte Plötzensee gibt es nun eine neue Dauerausstellung, für die der Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Johannes Tuchel, mit seinen Mitarbeitern auch die neuesten Forschungsergebnisse berücksichtigt hat. Die Gedenkstätte Plötzensee wird von der Stiftung Gedenkstätte Deutscher Widerstand getragen und je zur Hälfte vom Bund und dem Land Berlin gefördert. Mit 500.000 Euro wurden auch die Flächen rund um die Gedenkstätte erneuert. Bei der Eröffnung am Donnerstag erklärte Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU), die Gedenkstätte sei „ein wichtiger Erinnerungsort, der aufrüttelt und bewegt“: „Es bleibt unsere immerwährende Verantwortung, die Erinnerung an die Gräueltaten der NS-Terrorherrschaft und den Widerstand wach zu halten, das Vermächtnis der Geschichte als Mahnung und Aufgabe zu begreifen.“

Kleinste Vergehen führten zur Todesstrafe

Die Schautafeln der Ausstellung nehmen die persönlichen Schicksale von Widerstandskämpfern in den Blick – und machen deutlich, wie gnadenlos die Nationalsozialisten selbst gegen simple Zweifel am Regime vorgingen. Der Handwerker Walter Teske etwa kritisierte gegenüber anderen Bewohnern seines Heimatdorfes in den Jahren 1941-1943 mehrfach die deutsche Kriegsführung, wurde denunziert und Ende August 1943 festgenommen. Die Richter des 1. Strafsenats des Berliner Kammergerichts erkannten darin „Wehrkraftzersetzung“ und verurteilten Teske am 22. September 1944 „zum Tode und zum Verlust der Ehrenrechte“, wie es im der Begründung der Kammer hieß. Die Ausstellung dokumentiert mit Urteilen verschiedener Gerichte das Versagen einer Justiz, die sich im Nationalsozialismus vollständig und willfährig in den Dienst der Politik gestellt hatte.

Der heutige Präsident des Kammergerichts, Bernd Pickel, betonte während der Gedenkveranstaltung in der Gedenkkirche Maria Regina Martyrum am Heckerdamm die Verantwortung, die der heutigen Rechtsprechung aus der historischen Erfahrung erwachse. Axel Smend, Sohn des 1944 in Plötzensee ermordeten militärischen Widerstandskämpfers Günther Smend, hielt eine ergreifende Rede über den Schmerz eines Angehörigen und die Bedeutung von Erinnerungsorten wie diesem.