Historische Mitte

Bündnis will Spandauer Straße in Mitte zu Grünfläche umbauen

Ein Bündnis aus Verkehrs- und Umweltverbänden will die Straße am Roten Rathaus autofrei machen. Eine Probesperrung folgt diese Woche.

Die Initiative Offene Mitte Berlin stellt sich auf der für Autos gesperrten Spandauer Straße einen Grünzug vor (Simulation).

Die Initiative Offene Mitte Berlin stellt sich auf der für Autos gesperrten Spandauer Straße einen Grünzug vor (Simulation).

Foto: Jan Evertz / Initiative Offene Mitte Berlin

Vier Fahrstreifen plus Parkplätze trennen die Freiflächen um den Fernsehturm vom Marx-Engels-Forum. Ähnlich ist die Situation an der nahen Karl-Liebknechtstraße. „Das Gebiet wird regelrecht zerschnitten durch die Straßen“, sagt Matthias Grünzig von der Initiative Offene Mitte Berlin. Grünzig und seine Mitstreiter fordern daher, die Spandauer Straße umzugestalten und für den Autoverkehr zu sperren.

BUND, Greenpeace, ADFC und VCD unterstützen Sperrung der Spandauer Straße

Unterstützt werden sie von einem breiten Bündnis aus Verkehrs- und Umweltverbänden, darunter der BUND, der ADFC, Greenpeace, der Verkehrsclub Deutschland (VCD) und die Verkehrswendeinitiative Changing Cities.

Auf der Spandauer Straße fuhren laut Senat 2014 täglich 18.300 Fahrzeuge. Um zu zeigen, wie die Straße ohne motorisierten Verkehr wirken kann, lädt das Bündnis für kommenden Sonnabend, den 31. August, zu einem autofreien Protestpicknick. Zwischen Rotem Rathaus und Karl-Liebknecht-Straße soll die Straße im Rahmen einer Demonstration für zwei Stunden gesperrt werden. Eine Verkehrsberuhigung auf dem Abschnitt hätte laut Grünzig einen großen Effekt. „Dadurch entsteht eine autofreie Flaniermeile vom Alex bis zum Humboldt Forum.“

Spandauer Straße soll von Rathaus- bis Karl-Liebknecht-Straße verkehrsberuhigt werden

Grünzig verweist auf andere europäische Städte wie Paris, wo die Gegend um den Eiffelturm bis 2024 autofrei werden solle. „Es gibt einen Trend in vielen Städten, den Autoverkehr aus dem Zentrum heraus zu drängen“, sagt er. In Berlin passiere in dieser Hinsicht jedoch zu wenig.

Eine Verkehrsberuhigung der Spandauer Straße und Karl-Liebknecht-Straße sehen auch die 2016 vom Senat und Abgeordnetenhaus beschlossenen Bürgerleitlinien vor, die das Ergebnis des stadtweiten Dialogverfahrens „Alte Mitte – Neue Liebe“ waren. Bisher gehen die Planungen des Senats neben einer Tramstrecke auf dem Abschnitt jedoch weiterhin von zwei Fahrstreifen je Richtung aus. „Es gibt Beschlüsse, aber die Verwaltung macht dann wieder was anderes. Das ist unmöglich“, klagt Stefan Lehmkühler von Changing Cities.

Die Bürgerleitlinien seien „selbstverständlich auch weiterhin eine Orientierung für das Senatshandeln“, teilte der Sprecher der Senatsverkehrsverwaltung, Jan Thomsen, auf Anfrage mit. Die Senatsverkehrsverwaltung betrachte die Straße demnach sowohl im Zusammenhang mit der Umgestaltung des Molkenmarkts als auch bezüglich der Straßenbahnplanungen zwischen Alexanderplatz und Potsdamer Platz sehr genau. „Grundsätzlich sind autofreie Räume in Berlin an zahlreichen Orten denkbar.“

Grünzig hofft jedoch auf ein Umdenken: „Unser Ziel ist, dass es möglichst noch dieses Jahr einen Grundsatzbeschluss von Senat und Abgeordnetenhaus gibt.“ Der 2020 stattfindende freiraumplanerische Wettbewerb für das gesamte Gebiet zwischen Alexanderplatz und Humboldt Forum könne sich dann in der Planung noch darauf einstellen.

Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel unterstützt Forderung

Dass ihre Vorstellung zur Nutzung der Fläche noch recht unkonkret ist, sei kein Problem, ergänzt Theresa Keilhacker, ebenfalls Mitglied der Initiative. „Wir haben nun eine einmalige Chance, weil der Wettbewerb im kommenden Jahr stattfindet“, sagte sie. „Dann erwarten wir von den Landschaftsarchitekten, dass sie gute Ideen entwickeln.“

Mittes Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) unterstützt die Forderungen. „Mir ist die Idee sehr sympathisch“, sagte er. „Angesichts der Klimakrise müssen wir dringend anfangen, nicht nur in kleinen Maßnahmen zu denken, sondern große Veränderungen vorzubereiten.“ Gleichzeitig müssten schnell umsetzbare Ideen entwickelt werden, wie der weiterhin notwendige Wirtschaftsverkehr so gestaltet werden könne, dass er sich in die ökologische Stadt von morgen einfügt.

Mehr Nachrichten aus dem Bezirk Mitte lesen Sie hier.

Sie wollen nichts mehr aus Mitte verpassen? Dann treten Sie unserer Mitte-Gruppe auf Facebook bei.