Turmstraße

Neues Großbauprojekt mit 120 Wohnungen im Herzen Moabits

An der Turm- Ecke Stromstraße plant ein Investor 120 Wohnungen und Gewerbe. Der Bau schließt eine der letzten Lücken in Moabit.

An Moabits verkehrsreichster Kreuzung zwischen Turmstraße und Stromstraße soll ein neues Projekt eine der letzten Baulücken füllen.

An Moabits verkehrsreichster Kreuzung zwischen Turmstraße und Stromstraße soll ein neues Projekt eine der letzten Baulücken füllen.

Foto: Steimle Architekten

Berlin. Verlassen steht der kleine, zweigeschossige Altbau an der Stromstraße in Moabit. Die Fenster sind dicht, rundherum erstreckt sich eine als Parkplatz genutzte Brachfläche sowie bis vor Kurzem noch ein Pflanzenhändler. Doch so soll es nicht bleiben. Hier im Zentrum Moabits soll in den kommenden Jahren eine der letzten großen Brachen des Viertels geschlossen werden. Entstehen soll an der Turmstraße Ecke Stromstraße ein Großbauprojekt mit Platz für den Einzelhandel, Büros und 120 Wohnungen.

Moabit: Das neunstöckige Gebäude soll bis zu 32 Meter hoch werden

Hinter den Plänen steht das Familienunternehmen von Leopold Stiefel, Mitgründer der Elektronik-Kette Mediamarkt und mit den Tochterunternehmen Digivest und MCBauinvest bundesweit im Bau und der Verwaltung von Immobilien tätig. Schon länger ist das „Family Office“ im Besitz des Grundstücks, auf dem auch das ehemalige Hertie-Kaufhaus steht. Nun soll auch die bisher noch freie Fläche des Grundstücks bebaut werden.

„Wir haben eine Mischung aus Handel, Büros und einem Großteil Wohnungen vor“, erklärt Ralf Schmitt, Geschäftsführer des „Family Office“ der Stiefels. Geplant ist, das Gebäude an der Kreuzung mit neun Stockwerken auf knapp 32 Meter anwachsen zu lassen. „Die Ecke ist schon prägnant“, sagt Schmitt. Der Bau solle mit dem gegenüber gelegenen Einkaufszentrum Schultheiß Quartier in Beziehung stehen. Die Blockrandbebauung entlang der Stromstraße soll dann entsprechend der Berliner Traufhöhe maximal sieben Geschosse umfassen.

Im Erdgeschoss sowie im Kreuzungsbereich auch im ersten Obergeschoss sind Flächen für den Einzelhandel vorgesehen. Darüber folgen zwei Stockwerke, die als Büros und Arztpraxen genutzt werden sollen. In den höher gelegenen Geschossen plant der Investor Wohnungen. Insgesamt kommt das Projekt so auf 5600 Quadratmeter Bruttogeschossfläche für den Einzelhandel und 2300 Quadratmeter für Büros. Den Löwenanteil machen jedoch rund 12.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche aus, auf denen 120 Wohnungen entstehen sollen. „Unser Ziel ist, so viele Wohnungen wie möglich auf dem Grundstück zu errichten“, sagt Schmitt. Dafür plant der Investor im Innenbereich des Grundstücks ein separates E-förmiges Gebäude, durch die Blockrandbebauung davor vom Lärm der verkehrsreichen Stromstraße abgeschirmt.

Bezirk Mitte fordert mehr Sozialwohnungen im Projekt

Da das Projekt in einem Sanierungsgebiet liegt, ist, anders als bei anderen aktuellen Bauvorhaben, keine kooperative Baulandentwicklung mit der Stadt nötig, die den Investor zu einem Sozialwohnungsanteil von 30 Prozent zwingen würde. Diese Quote erreicht das Projekt denn auch nicht, gesteht Schmitt. „Aber wir wollen freiwillig eine Quote mit einem förderfähigen Anteil setzen.“ Wie hoch diese am Ende liegen wird, ist noch unklar. Bei einer Anwohnerveranstaltung am Dienstagabend nannte ein Vertreter des Stadtplanungsamts einen derzeit diskutierten Wert von etwa 20 Prozent Sozialwohnungen.

Dem Bezirksamt reicht das jedoch nicht. Baustadtrat Ephraim Gothe soll nach eigener Auskunft erneut mit dem Bauträger verhandeln und einen Anteil von 30 Prozent erreichen. Auch wünscht sich der Bezirk mehr Wohnungen für Zwei und mehr Personen statt der vielen geplanten Singlewohnungen im Projekt. Grundsätzlich ist Gothe jedoch vom Bau überzeugt. Ich finde die Pläne toll, da der Bau eine gewisse Markanz entwickelt.“ Damit würde er gut zum benachbarten Schultheiß Quartier passen.

Eine Frage, die viele Moabiter beschäftigt: Was wird aus dem kleinen, heruntergekommenen Altbau an der Freifläche? Schmitt gibt Entwarnung: „Der bleibt zu 100 Prozent erhalten.“ Das Haus aus dem Jahr 1866 stehe unter Denkmalschutz und dürfe nicht verändert werden. Ein „Kleinod“ nennt der Geschäftsführer den Bau. Das Unternehmen habe sich entschieden, das Haus ebenfalls zu kaufen und in den neuen Block zu integrieren. Der Plan nun: Der Zweigeschosser soll rundherum zwischen Neubauten freigestellt werden. „Wir werden es denkmalgerecht sanieren, damit es zu neuem Glanz erweckt wird“, sagt Schmitt. Nach einer Sanierung könne er sich hier ein Restaurant oder Café vorstellen. Über einen neben dem Altbau geführten Weg soll man auch zu den Wohnungen im hinteren Grundstücksbereich gelangen.

Bis es so weit ist, werden indes noch einige Jahre vergehen. Der Geschäftsführer hofft, im Herbst 2020 das bestehende dreigeschossige Haus an der Kreuzung abreißen zu können. Baubeginn wäre dann im darauffolgenden Frühjahr. „Wir hoffen, dass wir im Herbst 2023 fertig sind“, sagt Schmitt.

Das Bauprojekt ist ein weiteres Zeichen des Wandels in Moabit. Trotz seiner zentralen Lage galt der Ortsteil lange als verschlafen. Längst ist das Viertel jedoch erwacht. Ob Studenten oder Beamte der nahen Ministerien, viele schätzen den Kiez als Wohngegend, in der zunehmend auch Bars und Restaurants eröffnen.

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