Tote Radfahrerin

Nach Unfalltod am Alex: Autofahrer missachten Abbiege-Verbot

Nach dem Tod einer Radfahrerin wurde das Rechtsabbiegen an der Karl-Marx-Allee verboten. Doch viele Autofahrer halten sich nicht daran.

An der Kreuzung Otto-Braun-Straße Ecke Karl-Marx-Allee missachten viele Autofahrer das Rechtsabbiege-Verbot.

An der Kreuzung Otto-Braun-Straße Ecke Karl-Marx-Allee missachten viele Autofahrer das Rechtsabbiege-Verbot.

Foto: Christian Latz / BM

Sie war die erste tödlich verunglückte Radfahrerin in diesem Jahr: Im Februar bog ein Lastwagen von der Otto-Braun-Straße kommend in die Karl-Marx-Allee und erfasste dabei eine Frau. Der Lkw-Fahrer hatte sie übersehen. Die 37-Jährige starb noch am Unfallort.

Schnell wurden nach dem tödlichen Unfall Stimmen laut, die Kreuzung sei durch eine Baustelle zu gefährlich. Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) ließ als Reaktion umgehend das Rechtsabbiegen verbieten. Fünf Monate später zeigt sich: Das Verbot hilft nur bedingt. Fast im Minutentakt wird es von Autofahrern missachtet. Verkehrsverwaltung und Polizei sehen sich dagegen machtlos.

ADFC: Autofahrer halten sich nicht an Abbiege-Verbot

Dass es nicht erneut zu schweren Unfällen gekommen ist, scheint pures Glück zu sein. „Ich fahre selbst oft an der Kreuzung vorbei und es vergeht kaum eine Ampelphase, in der keine Autos illegal nach rechts abbiegen“, sagte Nikolas Linck, Sprecher des Fahrradclubs ADFC. Das zeige auf erschreckende Weise, wie wenig viele Autofahrer sich um Regeln kümmerten.

Seit Ende Februar verbietet ein Richtungsgebotsschild Kraftfahrern, die aus Südwesten über die Otto-Braun-Straße kommen das Rechtsabbiegen in die Karl-Marx-Allee. Baken verstellen zudem die Rechtsabbiegespur, eine breite Straßensperre blockiert die rechte Fahrspur der Karl-Marx-Allee. Das Rechtsabbiege-Verbot wurde „explizit aus Verkehrssicherheitsgründen aufgestellt“, teilte ein Sprecher der Senatsverkehrsverwaltung mit. Die Regelung solle Verkehrsunfälle verhindern und einen besseren Verkehrsfluss ermöglichen.

Bußgeld für Verstoß beträgt nur 10 Euro

Doch vor Ort fällt das Ergebnis ernüchternd aus: Etliche Autofahrer „übersehen“ die Verbotshinweise, innerhalb weniger Minuten biegen immer noch mehrere nach rechts ab. Zur aktuellen Situation könne man keine Aussage treffen, heißt es von der Verkehrsverwaltung. „Für die Überwachung ist die Polizei zuständig.“ Dort sieht man „vereinzelt“ Kraftfahrer, die sich ordnungswidrig verhielten. An der gesamten Kreuzung stellten die Beamten bei 37 Kontrollen und 11 Präventionseinsätzen zwischen Januar und Mai 282 Ordnungswidrigkeiten fest. Wie viele davon Verstöße an der Unfallstelle waren, ist nicht bekannt.

Die Polizei führe an dieser Stelle aktuell jedoch gar keine gesonderten Kontrollen durch, sagte ein Beamter der Berliner Morgenpost auf Nachfrage, während er auf der anderen Straßenseite im Einsatz war. Durch die Baustelle gebe es keinen Platz, um Autos herauszuwinken. Ohne persönliche Ansprache jedoch verpuffe der Effekt einer Ordnungswidrigkeit, so der Verkehrspolizist. Denn das Bußgeld betrage nur 10 Euro.

Changing Cities fordert intuitivere Verkehrsführung

„Die Situation zeigt die Machtlosigkeit der Polizei“, sagte ADFC-Sprecher Linck. Es zeige auf erschreckende Weise, wie wenig viele Autofahrerinnen und Autofahrer sich um Regeln kümmerten. Einen nachhaltigen Effekt der Polizeikontrollen gebe es nicht. Das Abbiegeverbot werde „vorsätzlich missachtet“, bewertet auch Ragnhild Sørensen von der Verkehrwende-Initiative Changing Cities die Situation. Kurzfristig würden nur mehr Kontrollen helfen. Langfristig sei eine intuitivere Straßenführung nötig, so Sørensen, die „den Verkehrsteilnehmenden dazu verleitet, das ‘Richtige’ zu tun“.

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