Friedrichstraße

Friedrichstraße: Pflanzen oder Podeste statt Parkplätze?

Mittes Bürgermeister Stephan von Dassel kündigt die autofreie Friedrichstraße an - und bietet Anrainern Konzepte für die Parkplätze.

Blick auf die Friedrichstraße am Abend.

Blick auf die Friedrichstraße am Abend.

Foto: dpa

Berlin. Mit Planungen ist es manchmal so eine Sache: Vor wenigen Tagen erst hatte das Bezirksamt Mitte die Sperrung der Friedrichstraße vom September in den Oktober verschoben, weil das Verwaltungsgericht am Ursprungswochenende keinen verkaufsoffenen Sonntag zulassen wollte, da kippt das Oberverwaltungsgericht das Verbot. Erneut umplanen werde man deshalb jedoch nicht, sagte Mittes Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) am Freitag. Die Friedrichstraße wird also vom 4. bis 6. Oktober zwischen Französischer Straße und Mohrenstraße autofrei sein. Sollten die Anrainer für den Feiertag 3. Oktober, den Tag der Deutschen Einheit, ein besonderes Konzept vorlegen, könnten Autos auch an diesem Tag außen vor bleiben.

Den frei gewordenen Platz soll eine Modenschau kleiner Berliner Labels füllen, geplant ist ein Laufsteg mitten auf der Straße. Zudem würden große Kübelpflanzen als Hingucker aufgestellt. Die Kosten von 30.000 bis 40.000 Euro würden aus den noch vorhandenen Einnahmen der City Tax finanziert, sagte von Dassel.

Sicherheitsabsperrungen in der Friedrichstraße sollen kommen, aber nicht "wie Beirut 1976"

Einige konkrete Fragen sind hingegen noch offen. Etwa inwiefern Fahrradfahrer den abgesperrten Bereich nutzen können. Grundsätzlich solle das möglich sein, sagte der Bezirksbürgermeister. „Aber wenn da eine Modenschau steht, können sie nicht rechts und links eine Safeline für Fahrräder machen.“ Im Zweifel müssten die Radfahrer absteigen. Wenn es abends hingegen leer sei, könnten sie auch durchfahren, so der Bürgermeister.

Ein weiteres Problem sei die Sicherheitsfrage. Die Friedrichstraße sei gerade angelegt, sagte von Dassel, da könnte man mit Tempo reinrasen. Es müsse entsprechend sichere Absperrungen geben – die dürften jedoch nicht aussehen „wie Beirut 1976“, so der Bürgermeister.

Viele Interessenten, die sich die hohen Ladenmieten in der Friedrichstraße nicht leisten können

An der Richtigkeit der Maßnahme ändere das jedoch nichts. „Wir müssen mal ein Signal setzen. Jedem der durch die Friedrichstraße läuft, macht der Zustand Sorgen.“ In Kürze schließt H&M seine Filiale an der Friedrichstraße. Unsicher sei, so von Dassel, wie lange die Galeries Lafayette noch dort sei und ob das Russische Haus auf Dauer den großen Bau bespielen könne. Es gebe viel Leerstand, auf der anderen Seite jedoch auch viele Interessenten, die sich die derzeit noch hohen Ladenmieten nicht leisten könnten. Auch dort müsse ein Umdenken stattfinden, so von Dassel.

Dieses hat unter anderem bei den großen Anrainern Galeries Lafayette und dem Russischen Haus eingesetzt. Sie und drei weitere Anrainer haben sich mit der Initiative Changing Cities zur Projektgruppe „Friedrichstraße der Zukunft“ zusammengeschlossen“ und wollen die Umwandlung der Straße aktiv mitgestalten. „Wir sind offen gegenüber neuen Projekten und unterstützen die Idee, die Friedrichstraße als Fußgängerzone für den Autoverkehr zeitweise zu schließen, sehr“, sagte Philippe Hugot, Direktor der Galeries Lafayette. Langfristig sei das erklärte Ziel, die Friedrichstraße zwischen der Französischen Straße und dem Checkpoint Charlie für den motorisierten Individualverkehr zu sperren.

Friedrichstraße auch am 2. Advent autofrei - eventuell für eine Woche

Eine weitere temporäre Sperrung der Friedrichstraße steht in der Adventszeit an. Bisher sei dort das Wochenende des zweiten Advents geplant. Es könnte jedoch auch eine Woche werden, sollten die Anrainer das wollen, so von Dassel. „Wir werden uns nicht verweigern, aber das können wir nicht alleine bespielen.“ Dann sei die Initiative der Gewerbetreibenden gefragt.

Im Frühjahr 2020 startet dann die Senatsverkehrsverwaltung einen mehrwöchigen Verkehrsversuch, um zu analysieren, was sich bei einer Sperrung ändert. Bis es soweit ist, bietet der Bezirksbürgermeister jedem Anrainer an, die Parkplätze vor seinem Laden zu entfernen, wenn er diesen etwa für Gastronomie nutzen wolle. Der Bezirk würde dann Holzpodeste, ähnlich wie in der Bergmannstraße aufstellen. Alternativ könne man auch Kübel für Grünpflanzen aufstellen. Die Initiative dafür müsse von den Anrainern kommen. Jedoch: „Bisher hat kein Anrainer gesagt, ich will da meinen Eisstand machen“, so von Dassel. „Wir legen den Ball auf den Elfmeterpunkt. Schießen und verwandeln müssen andere“, sagte von Dassel.

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