Prostitution

Vorschlag aus Mitte: Sex-Boxen am Tempelhofer Feld

| Lesedauer: 3 Minuten
Stephan von Dassel, Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte, im Rahmen einer Pressekonferenz.

Stephan von Dassel, Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte, im Rahmen einer Pressekonferenz.

Foto: dpa

Mittes Bürgermeister spricht sich für Verrichtungsboxen inklusive einem Sperrbezirk aus. Für die Standorte hat er einige Ideen.

Berlin. In der Diskussion um die Straßenprostitution im Kurfürstenkiez hat sich Mittes Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) erneut für sogenannte Verrichtungsboxen ausgesprochen. Ergänzt werden solle das Konzept um vom Bezirksbürgermeister schon lange favorisierten Sperrbezirk.

Von Dassel: Frauen werden an der Kurfürstenstraße zur Prostitution gezwungen

Bei der Frage, wo genau die Boxen stehen könnten, nannte von Dassel mehrere Alternativen. Neben dem zuletzt diskutierten Standort unter der Hochbahn am Bülowbogen brachte der Bezirksbürgermeister erneut Park- und Abstellflächen Flughafen Tempelhof entlang des Tempelhofer Damms ins Spiel. Als weiteren Ort erwähnte er den zentralen Festplatz in Wedding, stellte jedoch die Praxistauglichkeit in Frage, da die Freifläche schlecht angebunden sei.

Für die Verrichtungsboxen schwebt von Dassel eine Lösung wie in Köln vor. Dort können Freier mit dem Auto in carport-ähnliche Anlagen fahren. Die Boxen sind so konzipiert, dass die Freier nicht aus dem Auto aussteigen können, die Frauen jedoch schon. Zudem ist ein Notrufknopf im Bereich neben der Beifahrertür angebracht. Die Stadt Köln hätte mit dem Konzept großen Erfolg gehabt, sagte von Dassel. Dort hätten die Gewaltvorfälle gegen Frauen „rapide abgenommen“.

Keine Sex-Boxen für Radfahrer und Fußgänger

Kleine Boxen, die nur für Radfahrer und Fußgänger geeignet seien, lehnt Mittes Bürgermeister ab. „Viele fahren da mit dem Auto hin, deshalb brauchen wir Verrichtungsboxen, in die man mit dem Auto fahren kann.“ Wieder einmal eine kleine Lösung zu wählen sei falsch. „Wenn schon, dann richtig“, so von Dassel.

Der Bezirksbürgermeister verband seinen neuerlichen Vorstoß mit der Veröffentlichung eines mehrseitigen Papiers zur Situation im Kurfürstenkiez. Er habe versucht, die Punkte aufzuschreiben, bei denen in der Debatte keiner widerspreche, damit „mal beide Seiten aus ihren ideologischen Schützengräben kommen“.

Offensichtlich sei demnach, dass Frauen an der Kurfürstenstraße massiv in die Prostitution gezwungen würden. „Niemand bestreitet, dass die Frauen ein massives Suchtproblem haben und dass sie gesünder waren, als sie zu uns kamen“, so von Dassel. „Wenn wir sagen, bei diesen Punkten, da widerspricht niemand, dann sind vielleicht Verrichtungsboxen ein guter Kompromiss.“ Man müsse dann aber auch so konsequent sein zu sagen, den Sex auf der Straße zu verbieten.

Versucht mit Sex-Boxen ohne Sperrbezirk an Kurfürstenstraße geplant

Für ein Allheilmittel hält der Bezirksbürgermeister die Vorschläge nicht. Sie seien jedoch ein Schritt zu einer selbstbestimmteren Sexarbeit für die Frauen. „Alles was das Ausnutzen der Frauen vermindert ist ein Schritt in die richtige Richtung. Nur den Ist-Zustand fortführen und vielleicht noch eine halbe Stelle mehr Sozialarbeit schaffen, ist nicht die Lösung.“

Der aus den Senatsverwaltung für Gesundheit und den Bezirken Mitte und Tempelhof-Schöneberg bestehende „Runde Tisch Sexarbeit“ hatte neulich Verrichtungsboxen für den Kurfürstenstrich ins Spiel gebracht. Geplant ist ein Pilotversuch mit Verrichtungsboxen an der Bülowstraße. Jedoch ohne Sperrbezirk, den sowohl die Fraktionen der rot-rot-grüne Koalition als auch der Bezirk Tempelhof-Schöneberg anders als Mitte derzeit ausschließen.

Viele würden über das Thema reden, ohne sich die Situation vor Ort angeguckt zu haben, kritisierte von Dassel. Mit der zuständigen Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) habe er deshalb einen nächtlichen Spaziergang im Kurfürstenkiez in nächster Zeit vereinbart. Dann wollen sich die beiden gemeinsam ein Bild von der Situation machen.

Mehr Nachrichten aus dem Bezirk Mitte lesen Sie hier.

Nie mehr etwas aus Mitte verpassen und mit anderen über das Geschehen im Bezirk diskutieren? Treten Sie unserer Facebook-Gruppe „Unser Mitte“ bei.