Tunnel-Großprojekt

Über Jahre: Straße des 17. Juni wird zur Großbaustelle

Ein Kabeltunnel wird 30 Meter unter der Erde von Charlottenburg nach Mitte gebohrt. Dafür muss auch am 17. Juni gebuddelt werden.

Autos auf der Straße des 17. Juni

Autos auf der Straße des 17. Juni

Foto: Arne Immanuel Bänsch / dpa

Berlin. Entlang der Straße des 17. Juni wird es in den kommenden Jahren eine mehrjährige Großbaustelle geben – mit möglicherweise weitreichenden Folgen für den Verkehr an Berlins Ost-West-Tangente. Nötig macht die Arbeiten ein riesiges Tunnelbohrprojekt.

Ein modernes Höchststromkabel soll in 20 bis 30 Metern Tiefe einmal quer unter der westlichen Berliner Innenstadt hindurchgeführt werden – mit einem Zwischenschacht nahe dem S-Bahnhof Tiergarten. Als Folge der Energiewende wird Strom in Deutschland künftig viel stärker als bisher quer durchs Land verteilt. Dafür ist Berlins Elektrizitätssystem derzeit nicht ausgelegt. Wegen der jahrzehntelangen Teilung gibt es bis heute nur eine alte Diagonalverbindung von West nach Ost. Berlins wesentliche Schlagader für die Stromversorgung muss verstärkt werden.

Sieben Kilometer langer Tunnel von Charlottenburg nach Mitte

Netzbetreiber 50Hertz will daher mit der neuen Verbindung die Kapazitäten erhöhen. Dafür plant das Unternehmen seit Jahren einen Tunnel für ein neues 380 Kilovolt (kV) Höchststromkabel. Die 380-kV-Diagonale, wie 50Hertz die Leitung nennt, soll von der Rudolf-Wissell-Brücke über das Umspannwerk Charlottenburg bis in die Bissingzeile zum Umspannwerk Mitte führen. Dort wird die neue Höchststromleitung an den bereits im Jahr 2000 in Betrieb genommenen Kabeltunnel zum Umspannwerk Marzahn angeschlossen.

Sieben Kilometer lang wird der neue Tunnelbau, deshalb sind Zwischenschächte für den Erdaushub nötig. Einer davon, so viel war den Planern schnell klar, sollte im Umfeld des S-Bahnhofs Tiergarten entstehen. Nur wo genau, darüber wurde lange Zeit gestritten. 50Hertz favorisierte einen Standort an der Klopstockstraße, unweit des Restaurants „Giraffe“.

Anwohner protestierten gegen Standortvorschlag

Doch dagegen formierte sich heftiger Protest der Anwohner im Hansaviertel. Sie fürchteten Lärm und Dreck einer jahrelangen Baustelle in unmittelbarer Nähe. Der Bürgerverein Hansaviertel sah die Chancen schwinden, für das städtebauliche Ensemble den Titel als UNESCO-Welterbe zu erhalten. Auch hätten für das Bohrloch mehrere Bäume im Tiergarten gefällt werden müssen. Der Bezirk Mitte stellte sich auf die Seite der Anwohner, die Fronten waren verhärtet.

Doch hat 50Hertz nachgegeben. Der Netzbetreiber gab am Freitag bekannt, den vom Bezirk und der zuständigen Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz vorgeschlagenen Alternativstandort zu akzeptieren. Gebaut wird nun an der Nordseite der Straße des 17. Juni. Über die Entscheidung freute sich die für Straßen- und Grünflächen zuständige Bezirksstadträtin Sabine Weißler (Grüne). „Das ist die anwohnerfreundlichere Lösung.“ Es seien harte Verhandlungen gewesen, doch ihre Aufgabe sei, den Tiergarten zu schützen, „der für uns kein Bauland ist.“

Am 17. Juni fallen durch Baustelle viele Parkplätze weg

Dafür kommt nun die Baustelle am 17. Juni – und die dürfte groß ausfallen. Von 50Hertz heißt es, die Ausmaße seien „enorm“ und mit „erheblichen verkehrlichen Einschränkungen“ verbunden. Möglicherweise fallen Fahrspuren weg, in jedem Fall werden wohl die Parkstreifen am nördlichen Rand und in der Mitte weichen müssen. Gebohrt wird zwischen der Einmündung der Klopstockstraße und Großem Stern im Bereich des Geh- und Radwegbereichs sowie des Parkstreifens.

„Das wird ein ziemliches Ding“, glaubt auch Stadträtin Weißler. Welche Auswirkungen der Tunnelbau genau haben wird, ist indes noch offen, teilte die Senatsverkehrsverwaltung mit. Baubeginn des Schachts soll ohnehin erst im Herbst 2021 sein, so 50Hertz. Fertig soll der Tunnel 2025 sein. Die Eröffnung des Mammutprojekts ist 2028 vorgesehen.

Mehr Nachrichten aus dem Bezirk Mitte lesen Sie hier.

Nie mehr etwas aus Mitte verpassen und mit anderen über das Geschehen im Bezirk diskutieren? Treten Sie unserer Facebook-Gruppe „Unser Mitte“ bei.