Pläne

So soll der Checkpoint Charlie umgestaltet werden

Der Senat plant am ehemaligen Grenzübergang nun ohne den Investor Trockland. Ab 1. Juli sind die Pläne einsehbar.

Der Checkpoint Charlie in Berlin (Archivbild).

Der Checkpoint Charlie in Berlin (Archivbild).

Foto: Reto Klar

Hochhäuser wird es am Checkpoint Charlie nicht geben. Der Senat hat die Rahmenbedingungen für die unbebauten Flächen am einstigen Grenzübergang zwischen Ost- und West-Berlin festgelegt. Demnach sollen die Gebäude nur eine Höhe von 28 Metern erreichen und maximal acht Geschosse haben. 30 Prozent der Wohnungen sollen Sozialwohnungen sein. Der Entwurf des Bebauungsplans (B-Plans) für das Gelände war am Sonnabend erstmals auf dem Vorplatz der Blackbox Kalter Krieg zu sehen.

Mitarbeiter der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung erläuterten den Entwurf, der ab 1. Juli in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung an der Württembergischen Straße in Wilmersdorf zu sehen sein wird. Auch im Internet kann man ihn aufrufen. Vorgesehen ist, dass auf dem Grundstück östlich der Friedrichstraße, auf dem derzeit die Blackbox Kalter Krieg steht, Bildungs- und Erinnerungsort entsteht. 1150 Quadratmeter groß ist das Areal. Es soll eine Freifläche mit einem Museum werden. Das Museumsgebäude soll höchstens 800 Quadratmeter auf dem Grundstück beanspruchen und kann auch unterirdische Räume haben.

Nördlich davon können auf einer Fläche von 2000 Quadratmetern Wohnhäuser errichtet werden. Für deren Erdgeschosse sind Cafés und Läden vorgesehen. Auf der gegenüberliegenden Seite der Friedrichstraße, derzeit Standort des Panoramas von Yadegar Asisi, ist ein Stadtplatz von 1100 Quadratmetern geplant. Westlich davon können Wohnhäuser und Bauten für Gewerbe errichtet werden. Großflächiger Einzelhandel sei jedoch ausgeschlossen, sagte Werner Schlömer von der Senatsverwaltung.

Das Abgeordnetenhaus soll im Februar entscheiden

Für den Stadtplatz möchte die Behörde eine Realisierungswettbewerb ausschreiben. Der Plan, den die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung vorlegt, ist ein sogenannter Angebots-Bebauungsplan. Investoren, die die Grundstücke kaufen, müssen sich an die Vorgaben halten.

Bis zum 2. August kann sich die Öffentlichkeit zum Plan-Entwurf äußern, Hinweise und Ergänzungen einreichen. Ende des Jahres wird sich das Abgeordnetenhaus damit beschäftigen. Im Februar 2020 soll der Plan dann beschlossen werden.

Ursprünglich war eine dichtere Bebauung am Checkpoint Charlie vorgesehen. Das Unternehmen Trockland wollte ein Hard-Rock-Hotel errichten und hatte dazu bereits Gespräche mit dem Senat geführt. Doch dann entschied sich Berlin dafür, mehr Freiflächen auf dem Areal zu erhalten. Die öffentlichen Diskussionen im vergangenen Jahr hätten gezeigt, dass dies vielen Menschen wichtig sei, sagte Manfred Kühne, Abteilungsleiter in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, am Sonnabend auf dem Vorplatz der Blackbox am Checkpoint Charlie.

Auch in Zukunft solle es auf den Freiflächen Informationen zur Geschichte des Grenzübergangs geben. Die Brandwände seien eine Art Erkennungszeichen für den Ort und sollen sichtbar bleiben. Sie waren 2018 unter Denkmalschutz gestellt worden.

Für Trockland „eine verpasste Chance für Berlin“

Die Firma Trockland äußerte sich am Sonnabend kritisch zum Bebauungsplan-Entwurf. Er sei „eine verpasste Chance für Berlin“, so Geschäftsführer Heskel Nathaniel. Der Checkpoint Charlie verdiene Fantasie und eine spektakuläre Architektur. Man sei „weiterhin entschlossen, eine vernünftige und gute Lösung an diesem Standort zu realisieren.“

Vorfreude herrscht dagegen bei der Stiftung Berliner Mauer, die das Museum am Checkpoint Charlie betreiben will. „Wir möchten die Geschichte vermitteln“, sagte Cornelia Thiele, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Stiftung, am Sonnabend. „Dabei soll nicht nur die Berliner Mauer, sondern auch die internationale Dimension dieses Grenzkonflikts im Blick sein.“

Es solle im Museum auch um andere Orte des Kalten Krieges gehen. „Wir wollen eine kleine Außenausstellung, in der man sich kostenfrei informieren kann.“ Im Gebäude solle es Räume für Bildungsarbeit geben. „Und eine Ausstellung mit Exponaten zum Kalten Krieg“, so die Historikerin Cornelia Thiele. Die Stiftung habe bereits ein Exponat gesichert. „Ein Zufahrtstor zu einem Abstellplatz im Grenzgebiet Checkpoint Charlie .“ Es stehe jetzt im Lapidarium an der Bernauer Straße. „Das könnten wir hier zeigen.“

Alte Werbung an den Brandmauern wird freigelegt

Die Stiftung wolle nach weiteren Spuren aus der Zeit des Kalten Kriegs suchen. Die Betonfundamente von Fahrzeugsperren und das Fundament des Wachturms könnten noch vorhanden sein. Doch auf diesen Flächen stehen derzeit die Blackbox und das Panorama, so dass die Suche noch nicht beginnen kann. Auf der alten Brandwand ist derzeit eine Dämmschicht aufgetragen. Darunter, so die Vermutung, könnte noch eine alte Werbe-Aufschrift für die „Neue Zeit“ existieren. Auch sie soll freigelegt werden. Die großformatigen Fotografien mit Aufnahmen vom Grenzübergang, die derzeit zu sehen sind, sollen auch künftig ausgestellt sein. „Die Besucher nehmen sie sehr gut an“, sagte Thiele.

Die unbebauten Grundstücke am Checkpoint Charlie befinden sich derzeit in einem Insolvenzverfahren. Auf den Flächen lastet eine Grundschuld, die Trockland erworben hat. Diskutiert wird, ob das Land Berlin Teile der Flächen erwirbt. „Ob wir sie kaufen oder pachten, kann man erst entscheiden, wenn wir wissen, wer der zukünftige Eigentümer ist“, so Abteilungsleiter Kühne von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.