Kommentar

Das Brunnenviertel ist Problem und Chance

Schaut man auf die Zahlen, ist die soziale Lage im nördlichen Brunnenviertel dramatisch. Doch es gibt Lichtblicke, so Christian Latz.

Berliner Morgenpost Vor Ort - Mitte Christian Latz (Foto: Krauthoefer)

Berliner Morgenpost Vor Ort - Mitte Christian Latz (Foto: Krauthoefer)

Foto: jörg Krauthöfer

Berlin. Schaut man auf die nackten Zahlen, ist die soziale Lage im nördlichen Brunnenviertel dramatisch. Die Zahl der Hartz-4-Empfänger ist hoch, viele von ihnen haben schon lange keine Stelle mehr oder hatten nie einen Job. Entsprechend groß ist die Zahl der Kinder, die unter schwierigen Umständen aufwachsen – in Deutschland ein Hindernis für den Start ins Leben und die eigenen Zukunft. Die Situation wirkt umso extremer, wenn man sie mit dem direkten Nachbarkiez vergleicht, Alt-Mitte, neben Prenzlauer Berg Berlins Bullerbü der oberen Mittelschicht. Das nördliche Brunnenviertel wirkt dagegen zunächst nur wie ein einziger Problemkiez.

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Diese Probleme sind ohne Frage real. Auf hohe Arbeitslosenzahlen und damit einhergehende Perspektivlosigkeit müssen Senat und Bezirk eine Antwort finden. Die Betrachtung der reinen Zahlen verstellt jedoch einen Blick auf etwas anderes: Dass es in Berlins absolutem Zentrum auch nach rund einem Jahrzehnt schärfster Gentrifizierung eine Gegend wie das Brunnenviertel mit vielen einkommensschwachen Bewohnern gibt, ist ein Segen für Berlin. In anderen Städten, ja selbst in anderen Vierteln Berlins wären viele dieser Menschen längst verdrängt worden, raus an den Stadtrand, in die Peripherie. Das zeigt, wie wichtig landeseigener Wohnungsbesitz für ein sozial gerechtes Berlin ist. Nur darf die Folge kein Ghetto sein. Ziel muss die Aufwertung des Viertels bleiben – mit ihren jetzigen Bewohnern.