Grundsicherungsbezieher

Immer mehr Senioren in Mitte von Altersarmut betroffen

Gerade arme Rentner trifft eine Mieterhöhung oft hart. Eine Befragung unter Tausenden Senioren in Mitte soll klären, wie ihre Lage ist.

Im Bezirk Mitte gibt es berlinweit den zweithöchsten Anteil an armen Senioren (Archiv).

Im Bezirk Mitte gibt es berlinweit den zweithöchsten Anteil an armen Senioren (Archiv).

Foto: Armin Weigel / dpa

Die Rente ist oft klein, viele Senioren beziehen auch nur Grundsicherung. Kommt dann eine Mieterhöhung, schützt meist auch das fortgeschrittene Alter die Mieter nicht. Wer nicht zahlen kann, muss gehen. Das betrifft auch viele Senioren im Bezirk Mitte, wo die Mieten in den vergangenen zehn Jahren flächendeckend in die Höhe geschnellt sind. „Die Senioren sind, wie viele andere Mieter auch, von Modernisierungen und Mieterhöhungen betroffen“, sagte Mittes Sozial- und Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD).

Zum Problem wird da, dass immer mehr Senioren in Berlins zentralstem Bezirk unter Altersarmut leiden. Der Anteil unter den über 65-Jährigen in Mitte, die auf Altersgrundsicherung angewiesen sind, hat sich seit 2005 fast verdoppelt auf 12,5 Prozent und liegt nun fast doppelt so hoch wie im Gesamt-Berliner Durchschnitt von 6,2 Prozent. Damit erreicht der Bezirk berlinweit den zweithöchsten Wert, nur übertroffen von Friedrichshain-Kreuzberg (13,2 Prozent). „In Mitte steigt der Prozentsatz der Sozialhilfeempfänger im Seniorenalter stetig an“, sagte Gothe.

Junge Rentner beziehen viel häufiger Grundsicherung

Der Grund: Gerade bei den Jüngeren unter den Alten sei die Bedürftigkeit besonders hoch. „Es kommen zunehmend Bevölkerungsgruppen ins Seniorenalter, die auf Hilfe angewiesen sind“, so der Sozialstadtrat. „Das ist eine Herausforderung, der man sich zukünftig stellen muss.“

Um die Situation der Rentner in Mitte noch besser kennenzulernen, startet der Bezirk nun eine großangelegte Befragung. Insgesamt 6700 der rund 66.000 Senioren im Bezirk erhalten in den nächsten Wochen Post vom Sozialamt, mit dabei ein 13-seitiger Fragebogen, mit Fragen zur finanziellen Lage, ob sich die Senioren wohl fühlen, oder was sie stört.

„Wir wollen kleinräumig für die zehn Bezirksregionen herausfinden, was den Menschen fehlt, welche Unterstützung sie brauchen“, sagte Jeffrey Butler, Berichterstatter für Gesundheit und Soziales beim Bezirk Mitte und Leiter der Studie, bei der Vorstellung des Vorhabens. „Ein großer Schwerpunkt liegt bei der Wohnsituation, das beschäftigt natürlich alle sehr“, ergänzte sein Chef Gothe.

18 Prozent der Rentner in Wedding sind auf Sozialhilfe angewiesen

Ziel ist auch die unterschiedlichen Nöte und Sorgen der Senioren in den verschiedenen Vierteln des Bezirks besser herauszuarbeiten. Denn die Situation der älteren Bezirksbewohner schwankt je nach Wohngegend teils beträchtlich. „Die Einkommenssituation der Senioren ist sehr unterschiedlich“, erklärt Gothe.

Die vielen Senioren rund um Alexanderplatz und Karl-Marx-Allee etwa schienen weitgehend nicht auf Sozialhilfe angewiesen zu sein. Nur 3,4 Prozent von ihnen müssen Grundsicherung beziehen. Ganz anders die Situation in Wedding. Dort liegt der Anteil der Sozialhilfeempfänger im Rentenalter bei 18,8 Prozent. Mehr will das Sozialamt bis Anfang 2020 wissen. Dann sollen die ersten Ergebnisse vorliegen.

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