Karl-Marx-Allee

Neue Posse: Radweg gefährdete Busfahrgäste und Fahrradfahrer

An der Karl-Marx-Allee lässt der Senat geschützte Radstreifen anlegen. Das brachte Busfahrgäste und Radfahrer in Gefahr. Baken entfernt.

Ein neuer deutlich breiterer Radweg am U-Bahnhof Schillingstraße. Doch die Haltestelle für den Nachtbus wurde gleich mit abgesperrt.

Ein neuer deutlich breiterer Radweg am U-Bahnhof Schillingstraße. Doch die Haltestelle für den Nachtbus wurde gleich mit abgesperrt.

Foto: Thomas Fülling

Berlin. Zickzackwege oder Radspuren, die urplötzlich im Nichts enden. Mit der Anlage von Radwegen haben der Senat und die Bezirke derzeit nicht immer eine glückliche Hand. Nun sorgt erneut ein Projekt für Ärger, dieses Mal allerdings aus Sicht der Nahverkehrskunden.

So hat der Berliner Fahrgastverband Igeb jetzt die Anlage eines Radstreifens an der Karl-Marx-Allee in Mitte kritisiert, der mit dicht hintereinander gestellten Warnbaken gegenüber dem daneben zweispurig rollenden Autoverkehr abgesichert ist. Die aufgestellten Warnbaken blockierten jedoch in Höhe des U-Bahnhofs Schillingstraße die Zufahrt der Nachtbusse der Linie N5 an die Haltestellen am Straßenrand. Dadurch waren die Busse gezwungen, in zweiter Reihe zu halten, die Fahrgäste mussten beim Ein- und Aussteigen sehen, wie sie heil über den Radweg kommen.

Igeb-Sprecher nennt Poller einen „Schildbürgerstreich“

„Protected Bikelane. Aber wie kommt der Bus an die Haltestelle?“, fragte nun Igeb-Sprecher Jens Wieseke über den Kurznachrichtendienst Twitter. Und fordert, im Haltestellenbereich die Poller umgehend abzubauen. „Denn sonst ist es ein Schildbürgerstreich“, so Fahrgast-Lobbyist Wieseke.

Auf Nachfrage bestätigte die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) die Unzulässigkeit der Radweg-Gestaltung an der Karl-Marx-Allee. „Natürlich muss der Bus auch weiter an die Haltestelle fahren können“, sagte Sprecher Jannes Schwentu. Die BVG habe sich mit der Senatsverkehrsverwaltung dazu sofort in Verbindung gesetzt.

„Die Situation ist dort seit heute Nachmittag gelöst, weil die von der Baufirma vor der Haltestelle falsch aufgestellten Baken inzwischen auf Veranlassung der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz entfernt wurden“, sagte am Donnerstagabend Jan Thomsen, Sprecher der Verwaltung, der Berliner Morgenpost. Die Baustellen-Situation an der Karl-Marx-Allee sei kein Beispiel dafür, wie „Protected Bike Lanes“ optimalerweise gestaltet werden.

Karl-Marx-Allee wird umgestaltet

Im Rahmen eines Modellprojekts lässt die Senatsverkehrsverwaltung die Karl-Marx-Allee auf rund 800 Metern Länge umgestalten. Vorgesehen ist der Neubau von zwei Richtungsfahrbahnen mit je 15 Metern Breite und zwei Fahrstreifen, Parkstreifen sowie daneben vier Meter breite geschützten Radfahrstreifen.

Die Anlage von sogenannten „protected bike lane“ (kurz: PBL) ist ein aus Nordamerika importiertes Konzept, mit dem Kommunen schnell und kostengünstig Platz für komfortablen Radverkehr schaffen können. Dabei wird in der Regel dem Autoverkehr eine Spur weggenommen – und darauf ein mindestens zwei Meter breiter geschützter Radfahrstreifen angelegt. Durch bauliche Barrieren (zum Beispiel durch Poller) wird die Radspur vor dem Überfahren und Zuparken durch Autos geschützt.

BVG nicht in Planung einbezogen

In Berlin wurden solche Radwege bereits an der Holzmarkstraße in Mitte und in der Hasenheide angelegt. Bisher, so Sprecher Schwentu, werde die BVG bei der Planung nicht direkt mit einbezogen. Das habe bereits an der Holzmarktstraße für Probleme gesorgt. Dort wurden zwar an den Bus-Haltestellen die Poller weggelassen, doch der Einfahrtsbereich war zu knapp bemessen. „So ein 18 Meter langer Gelenkbus braucht recht viel Platz, um sauber in die Haltestelle ein- und ausfahren zu können“, so der BVG-Sprecher. Damals wurde noch während der Bauarbeiten eingegriffen.

Konflikte zwischen Fahrgästen und Radfahrern

Angesichts zahlreicher weiterer PBL-Projekte sieht Igeb-Sprecher Wieseke ein Problem auf die Stadt zukommen. Aus seiner Sicht gibt es in Haltestellenbereichen zunehmend Konflikte zwischen Radfahrern und Fahrgästen, die am Straßenrand warten. Radfahrer würden ungebremst weiter fahren, auch wenn die Fahrgäste in Busse oder Bahnen einsteigen wollen und dabei den Radstreifen queren müssen. „Es gibt in Berlin bisher keine vernünftige Lösung, die solche Konflikte verhindert.“

Update: Laut der Senatsverkehrsverwaltung wurden die falsch aufgestellten Warnbaken im Bereich der Haltestelle am Donnerstagnachmittag entfernt.