Neuer Platzmanager

Alexanderplatz bekommt WLAN und ein neues Lichtkonzept

Am Alexanderplatz soll seit 100 Tagen ein Koordinator die Situation verbessern. Die erste Bilanz zeigt, wie kompliziert die Arbeit ist.

Bürgermeister Stephan von Dassel (links) mit Alexanderplatz-Koordinator Andreas Richter vor der Weltzeituhr auf dem Alexanderplatz.

Bürgermeister Stephan von Dassel (links) mit Alexanderplatz-Koordinator Andreas Richter vor der Weltzeituhr auf dem Alexanderplatz.

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

Tief hingen die Regenwolken am Donnerstag über dem Alexanderplatz. Das Wetter verstärkte die herrschende Tristesse an dem zentralen Platz in der City-Ost noch. Mittes Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) ist die Situation bewusst, Anfang des Jahres schuf er deshalb die Stelle des Alex-Managers, einer Person, bei der die Fäden zusammenlaufen, damit rund um den Fernsehturm endlich alles besser wird. 100 Tage später haben von Dassel und Alex-Manager Andreas Richter nun ein erstes Zwischenfazit gezogen – was hat sich bereits getan, an welchen Problemen sind sie dran.
Der Bezirksbürgermeister sagte eines gleich vorweg: Richter soll nicht mehr Alex-Manager genannt werden. „Man denkt, er kann alles alleine entscheiden, aber das ist nicht so, die Handhabe haben wir als Bezirk nicht.“ Der Manager soll nun Koordinator heißen. Von Dassel reduziert die Erwartungen ganz bewusst. Denn viele konkrete Ergebnisse sind bisher noch nicht vorzuweisen.

Freies WLAN bald auf dem ganzen Platz

Manches ist in diesem Frühjahr jedoch schon in Bewegung geraten am Alexanderplatz: Ab nun gibt es öffentliches WLAN auf dem Platz. Die drei ersten Zugänge lägen um die Weltzeituhr und die Polizeiwache sowie im Bereich des Hauses der Statistik am südöstlichen Ende des Gebiets, sagt Richter. 17 weitere Punkte sollen bis zum Herbst folgen.

„Wir wollen, dass es flächendeckend wird.“ Dafür habe es einiger Gespräche mit den Anrainern bedurft. Mit der BVG und der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) habe man sich jedoch geeinigt, an Haltestellen beziehungsweise der Häuserblöcke an Rathaus- und Karl-Liebknecht-Straße WLAN-Zugänge zu errichten.

Neues Lichtkonzept soll die Beleuchtung verbessern

In Arbeit ist auch ein neues Lichtkonzept. Anwohner hatten sich immer wieder über die schlechte Beleuchtung südwestlich des Bahnhofs und in den Grünanlagen beschwert. Zunächst gab es nun eine gemeinsame Bestandsaufnahme von Bezirk, Polizei, den zuständigen Senatsverwaltungen für Verkehr und Stadtentwicklung sowie Lichtdesignern.

Das Ergebnis war deutlich: Mindestens zehn Prozent der Lampen seien kaputt gewesen, sagte von Dassel. „Wir waren entsetzt.“ Die kaputten Leuchten sollen nun schnell erneuert, die schlechtleuchtenden Lampentypen verändert werden.

Bahnbrücken sollen zu kunstvollen Licht-Portalen werden

Auch die Bahnbrücken rund um den Alexanderplatz möchte Platzkoordinator Richter in ein neues Licht rücken. „Ich stelle mir den Alex als eine mittelalterliche Burg vor, die man durch Portale betritt, die andeuten: Da muss etwas Besonderes sein.“ Einen Alt-Stadtkern errichten will Richter darum nicht. Vielmehr seien die Bahnbrücken im übertragenen Sinne die Zugänge zum Platz. Sie sollen deshalb besonders ausgeleuchtet werden. An einem Konzept dafür arbeiteten derzeit Licht-Design-Studenten der Universität Wismar. Vorbild ist die Beleuchtung der Bahnbrücken in der City West.

Lampen von der Yorckstraße könnten zum Einsatz kommen


Zum Einsatz könnten dabei Lampen kommen, die derzeit noch an Brücken der Yorckstraße genutzt werden, erklärte von Dassel. Der Bezirk Tempelhof-Schöneberg hatte dort vor Jahren eine künstlerische Beleuchtung finanziert, nun jedoch kein Interesse an der Fortführung. Derzeit liefen Gespräche, die Technik nach Mitte zu holen.

Zur Finanzierung baut der Bezirksbürgermeister auch auf die Anrainer. „Wenn jeder 10.000 Euro gibt, schaffen wir hier ein besseres Lichtkonzept“, sagte von Dassel. Von der Notwendigkeit ist er überzeugt. „Wenn es irgendwo ein vernünftiges Lichtkonzept braucht, dann doch bitte an Berlins wichtigstem Platz.“

Von Dassel wünscht sich mehr Cafés am Alexanderplatz

Wenig getan hat sich bisher auf dem Alexanderplatz selbst. Dafür sei die Zeit viel zu kurz gewesen, sagt der Bezirksbürgermeister, immer säßen zu viele Akteure von Senat bis BVG mit im Boot, hinzu kämen noch rund ein Dutzend private Eigentümer am Platz. „Nichts kann man hier alleine machen, weil alles miteinander verzahnt ist.“ Deshalb sehe der Alex auch noch aus wie vor 100 Tagen.
Mit diesem Zustand ist von Dassel weiterhin unzufrieden. Es fehle etwa an den richtigen gastronomischen Angeboten. „Da ist eine Riesenlücke“, sagt der Bürgermeister. „Wir wollen hier ein Konzept mit zwei bis drei Cafés wie auf jedem anderen Platz.“ Doch machen könne man bei den privaten Vermietern wenig.

Von Dassel: „Die Ramschbuden sind uns ein Dorn im Auge“

Fest steht zumindest ein weiterer Punkt: Zum 50. Jubiläum der Errichtung der Weltzeituhr wird Anfang September ein großes Fest auf dem Alexanderplatz gefeiert. Geplant ist zudem eine dazugehörige Ausstellung in den Räumen der Sparkasse. Der Bezirk will in den kommenden Monaten des weiteren eine Informationssäule über die Weltzeituhr und die Geschichte des Alexanderplatzes anstelle eines grauen Stromkastens der BVG mitten auf dem Platz aufstellen.


Ob das Weltzeituhr-Jubiläum gefeiert werden kann, war lange unklar. Zur gleichen Zeit findet bereits ein Herbst-Fest auf dem Alexanderplatz statt, einer der üblichen Rummel – und zugleich eines der größten Probleme am Alex. „Die Ramschbuden sind uns ein Dorn im Auge“, sagte von Dassel.

Immerhin kann der Bezirk wie bereits angekündigt die Zahl der Veranstaltungstage im kommenden Jahr deutlich senken, da in den erlaubten 120 Tagen künftig auch der Auf- und Abbau vollzogen werden muss. Dies mit eingerechnet war der Alexanderplatz bisher jährlich rund 180 Tage in Beschlag.

Kommentar: Der Senat muss den Bezirk am Alexanderplatz unterstützen

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Die Ramschbuden sind uns ein Dorn im Auge.
Stephan von Dassel,