Stadtschloss-Areal

Wie das Humboldt Forum an den Palast der Republik erinnert

Die Geschichte eines Ortes: Das Humboldt Forum im Stadtschloss will an den Palast der Republik erinnern.

Da geht es lang: Klaus Wittkugels Wegeleitsystem aus den 70er-Jahren. Foto: SHF, digitale Reproduktion: Jester Blank GbR

Da geht es lang: Klaus Wittkugels Wegeleitsystem aus den 70er-Jahren. Foto: SHF, digitale Reproduktion: Jester Blank GbR

Der Palast der Republik, der mehr als 30 Jahre lang auf dem heutigen Areal des Stadtschlosses in Mitte stand, war ein merkwürdiges Hybridwesen. Außer dem prächtigen Foyer, das dem Palast mit seinen 1001 an der Decke angebrachten Kugelleuchten schnell den Spitznamen „Erichs Lampenladen“ einbrachte, waren in ihm auch der Plenarsaal der Volkskammer und ein Großer Saal für Kulturveranstaltungen untergebracht, wo unter anderem die Unterhaltungsshow „Ein Kessel Buntes“ aufgezeichnet wurde. Milch-, Espresso- und Mokkabars, viele Restaurants, eine Bowlingbahn und ein auch am Sonntag geöffnetes Postamt sorgten dafür, dass die Besucher im Palast nicht ausblieben.

Nach der Wende wurde er wegen Asbestverseuchung geschlossen, dann von der krebserregenden Substanz befreit, bis er schließlich auf Beschluss des Deutschen Bundestages zwischen 2006 und 2008 abgerissen wurde. „Was weg ist, ist weg“, fasste Hartmut Dorgerloh, Generalintendant des Humboldt Forums, gestern die Lage zusammen - und doch ist viel von dem Gebäude geblieben. Zum einen eine Debatte über den Umgang mit der Geschichte des Ortes und seine zukünftige Nutzung, zum anderen – ganz materiell – eine ganze Menge an Objekten, die seit Beginn der Asbestsanierung in einem Depot der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) in Spandau lagerten: Polster- und Armlehnstühle, Tische, die Überwachungsanlage, das Leitsystem, die Stabwerkleuchtenanlage und vieles andere mehr.

Überall im Haus tauchen Spuren auf

Die Satzung der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss enthält den Auftrag, auch die Geschichte des Ortes aufzuarbeiten. Dafür ist allerdings kein zentraler, abgetrennter Bereich vorgesehen, wie das bei den Ausstellungen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, des Berliner Stadtmuseums und der Humboldt-Universität der Fall sein wird. Überall im Gebäude wird an die 800 Jahre währende Geschichte des Ortes erinnert - mit einem Videopanorama im Erdgeschoss, dem Schlosskeller mit Blick auf historische Fundamente, dem Skulpturensaal sowie schließlich mit 36 „Spuren“ genannten Objekten, die überall im Schloss verteilt zu besichtigen sind. 12 von ihnen – für seine recht kurze Lebensdauer eine stattliche Quote – werden an den Palast der Republik erinnern: Zum Teil die von der Bima übergebenen Bestände, zum Teil Leihgaben aus anderen Quellen.

Sozialistische Staatskunst überdenken

Sie machen deutlich, dass der Palast nicht nur als Heimstatt eines Alibiparlaments und als kultureller Treffpunkt, sondern auch als Ausstellungsfläche für zeitgenössische Gestaltungskunst in Erinnerung bleiben sollte. Dorgerloh bezeichnete ihn als das „am stärksten durchdesignte Gebäude der DDR“ - und nicht nur die Lampen und das gepolsterte Gestühl, sondern zum Beispiel auch das von Klaus Wittkugel entworfene, hinterleuchtete Leitsystem des Palastes lassen die 70er-Jahre ästhetisch glaubhaft wiederauferstehen. Hinzu kommen Beispiele von großformatigen Auftragskunstwerken, die an den Wänden des Palastes hingen. Dazu zählen ein Ausschnitt aus Jo Jastrams Bronzerelief „Lob des Kommunismus“, aber auch Wolfgang Mattheuers Gemälde „Guten Tag“, das im 2. Obergeschoss des Humboldt Forums zu sehen sein wird und dazu einlädt, die gängigen Klischees über sozialistische Staatskunst erneut zu überdenken. Denn das 1975 entstandene Bild zeigt nicht nur, wie der erste Blick nahelegt, eine freundlich grüßende Arbeiterfamilie, sondern im Hintergrund auch eine die Landschaft zerstörende Industrieansiedlung sowie einen nicht erreichbaren Garten, der durch einen Zaun abgetrennt ist. Den heutigen Betrachter mag es verblüffen, dass so leicht als subversiv entzifferbare Kunst einmal an der Wand eines zentralen Repräsentationsgebäudes der DDR hängen konnte.

Die „Gläserne Blume“ muss im Depot bleiben

Generalintendant Dorgerloh und Ausstellungsleiter Alfred Hagemann kamen auch auf die „Gläserne Blume“ zu sprechen, die mehr als fünf Meter hohe und annähernd fünf Tonnen schwere Skulptur aus Edelstahl und Glas, die einst das Foyer des Palastes zierte und vielen Besuchern als Treffpunkt diente. Die Ausstellung einer verkleinerten Replik im Ephraim-Palais war zuletzt durch Intervention eines der beiden beteiligten Künstler verhindert worden - und auch das Humboldt Forum wird aus demselben Grund eine glasblumenfreie Zone bleiben. Die spannende Frage im kommenden Jahr wird lauten, ob die nun langsam sichtbar werdende Mixtur der Exponate im Schloss sinnstiftende Effekte erzielt – oder ob sie in die Beliebigkeit abgleitet.