Kommentar

Wirklich Hauptstadt ist Berlin eigentlich nur in Mitte

Nur in Mitte, im nahen Umfeld der Machtzentrale, ist Berlin wirklich Hauptstadt. Darum ist der Bezirk so wichtig.

Christian Latz.

Christian Latz.

Foto: jörg Krauthöfer

Wo die Macht sitzt, da wollen alle in unmittelbarer Nähe vertreten sein. Liegen Parlament und Regierung, Abgeordnetenbüros und Ministerien so eng beisammen wie im Berliner Regierungsviertel, sind all jene nicht weit, die ihren Einfluss auf die Politik geltend machen wollen, mit welchen Mitteln auch immer. Das liegt in der Natur der Sache. Es ist daher kaum verwunderlich, dass Berlins Zentrum rund um das Regierungsviertel heute so aussieht. In Straßen wie der Reinhardtstraße reiht sich Büro an Büro, oft auch kaschiert hinter historischen Fassaden. Zu einem großen Teil sind es Verbände oder Repräsentanzen großer Konzerne, die diese Adressen bevorzugen. Nur hier, im nahen Umfeld der Machtzentrale, ist Berlin wirklich Hauptstadt.

Im Zentrum der Macht hat das Leben kaum Platz.

Einerseits ist das ein Glück für die Stadt. Mit jedem Verband, der sich hier neu gründet oder aus Bonn oder einer Landeshauptstadt nach Berlin zieht, entstehen wichtige Arbeitsplätze. Umso wichtiger, da Berlin nicht gerade die Hauptstadt der Großkonzerne oder Industrieunternehmen ist. Doch es prägt die Gegend auch. Wo Büros überwiegen, wohnen keine Menschen. Noch deutlicher wird dieser Effekt in den kleinen Nebenstraßen der Reinhardtstraße. Hier – in den historischen Wohnhäusern der Friedrich-Wilhelm-Stadt – haben überwiegend Verbände und Institute ihren Sitz. Vital ist es vor allem am Tag. Abends hingegen wirken die Straßen wie leergefegt. Im Zentrum der Macht hat das Leben kaum Platz.