Kundgebung in Berlin

„Fridays for Future“-Aktivisten streiken auch in den Ferien

Bei der Kundgebung an diesem Freitag am Invalidenpark in Mitte stand Konsumkritik im Mittelpunkt.

Die Fridays for Future-Kundgebung am Invalidenpark

Die Fridays for Future-Kundgebung am Invalidenpark

Foto: Reto Klar

Eigentlich sind die freitäglichen Klimastreiks „Fridays for Future“ als Schulstreik angelegt. Aber was passiert, wenn es gar nichts zu bestreiken gibt, weil Ferien sind? Auch am Freitag luden die Organisatoren in den Invalidenpark. Das Thema: „Tausch dich glücklich“. Mit einer Kleider-Tauschbörse und Redebeiträgen, so hieß es in einer Ankündigung der Organisatoren, wolle man ein „Zeichen gegen den Konsumwahn setzen“.

Seit Januar 2019 protestieren in Berlin, wie in vielen weiteren deutschen Städten, jeden Freitag Schülerinnen und Schüler für eine konsequentere Klimapolitik. Studenten und Eltern haben sich den Protesten angeschlossen. Sie folgen dem Vorbild der Schwedin Greta Thunberg, die im August 2018 in den Schulstreik getreten ist, um die schwedische Regierung dazu zu bewegen, den Grundsätzen des Pariser Klimaabkommens zu folgen. Bei einem Besuch von Thunberg Ende März in Berlin schlossen sich mehr als 20.000 Teilnehmer der Demonstration an.

Seither fallen die Protestzüge weitaus kleiner aus. Auch um die Klimastreikenden bei der Stange zu halten, denken sich die Organisatoren jede Woche neue Themenschwerpunkte aus. Diesen Freitag also die Modeindustrie. Und immerhin: Die Polizei zählte 400 bis 500 Demonstranten.

Bei schönstem Sonnenschein versammelten sich ab 12 Uhr Schüler, Studenten und Eltern auf dem Platz in Mitte, sie hatten Transparente und Schilder dabei. Die kleineren Teilnehmer planschten im Mauerbrunnen.

Auch Hans Hack ist mit seinen Freunden und seiner Mutter aus Reinickendorf gekommen. Hans geht in die sechste Klasse der Salvator-Grundschule. „Ich will die Politiker anregen, etwas für die Umwelt zu tun“, sagte der Zwölfjährige. Und machte einen konkreten Vorschlag: „Es sollte Grenzen geben, wie viel man Auto fahren darf“, findet Hans. Auch in seiner Familie sei Umweltschutz ein Thema: „Mein Papa fährt noch mit dem Auto, ich fahre aber viel mehr Fahrrad und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln.“

„Nachhaltigkeit darf kein Luxus sein“

In den Redebeiträgen auf der Bühne ging es am Freitag vor allem um die Frage, wie die Modeindustrie zum Klimawandel beiträgt. So wurde unter anderem über die sogenannte „fast fashion“ diskutiert, also die Praxis der Modehersteller, laufend immer mehr Kollektionen pro Jahr auf den Markt zu bringen, sodass Kleidung schneller wieder „out“ ist. Anstatt sich immer das Neuste im Laden zu kaufen, sollte man lieber auf Secondhandware setzen oder Kleidung mit seinen Freunden tauschen. Neben Ideen für jeden Einzelnen forderten die Redner auf der kleinen Bühne aber vor allem die Politik zum Handeln auf: „Nachhaltigkeit darf kein Luxus sein, jeder muss sich fair produzierte Kleidung leisten können“, so eine Rednerin. Auch Firmen in Deutschland müssten transparent und fair produzieren.

Einige Teilnehmer äußerten sich enttäuscht über die Reaktionen der Politik auf die Klimademonstrationen: „Die Politiker behandeln doch unsere Forderungen gar nicht“, sagte ein 14 Jahre alter Teilnehmer, „die reden nur über die Schulpflicht. Dabei sollten die Politiker jetzt Lösungsansätze finden, um die Klimakrise zu verhindern.“

„Politiker sollen aufhören, Sonntagsreden zu schwingen“

Dieser Meinung ist auch die 14-jährige Meret Troll, die eigentlich mit ihren Eltern nach Berlin gekommen ist, um ihrer französischen Austauschschülerin die Hauptstadt zu zeigen. „Die Politiker sollen aufhören, Sonntagsreden zu schwingen, die machen doch nichts für den Klimaschutz und Minister Andreas Scheuer arbeitet lieber für die Autoindustrie als für den Umweltschutz. Wir müssen aufhören, Geld in die Kohle- und Ölindustrie zu stecken. Deswegen demonstrieren wir, so geht das doch in einer Demokratie“, erklärte Meret. Sie beschäftige sich schon seit ein paar Jahren mit dem Thema Umweltschutz und sei auch in ihrer Heimatstadt Karlsruhe immer bei „Fridays for Future“. Auf das Thema sei sie in einer Schul-AG gestoßen.

Besonders gefreut habe sie sich über die Reaktionen ihres Schulleiters auf die Klimaschutzbewegung: „Wir haben einen tollen Direktor, er unterstützt unser politisches Engagement. Als der Schulstreik anfing, lud er uns ein, unsere Forderungen mit ihm zu diskutierten.“

Organisatoren sind zufrieden mit der Teilnehmerzahl

„Fridays of Future“ fordert die Einhaltung der Ziele des Pariser Klimaabkommens und des 1,5-Grad-Ziels. In Deutschland will die Bewegung unter anderem den Kohleausstieg bis 2030 und den kompletten Umstieg auf erneuerbare Energie bis 2035. Schon in diesem Jahr sollen ein Viertel der Kohlekraftwerke ausgeschaltet werden.

„Es ist wichtig, dass wir hier sind, weil es langsam Zeit wird, dass sich etwas ändert. Immer noch werden weltweit neue Kohlekraftwerke gebaut, das kann nicht sein, da muss die Politik Druck machen. Auch der deutsche Kohleausstieg 2038 ist viel zu spät“, sagte der 18-jährige Oskar Fleischander am Rande der Demonstration.

Dass trotz der Ferien Hunderte gekommen sind, freute die Organisatoren. „Sie sagen, es geht uns nur ums Schuleschwänzen, aber hier sind wir und wir sind viele – und es sind Ferien!“, so eine Rednerin auf der Bühne.