Kommentar

Berlins Spätis müssen offen bleiben dürfen

Mittes Bürgermeister von Dassel will die Späti-Öffnung am Wochenende einschränken. Damit opfert er ein Stück Berliner Einzigartigkeit.

Die Spätis müssen bleiben!, findet Christian Latz.

Die Spätis müssen bleiben!, findet Christian Latz.

Foto: Maurizio Gambarni (montage)

Mit den warmen Temperaturen geht es wieder los. Allabendlich bevölkern jeweils Dutzende meist junge Menschen die Bereiche vor Berlins Spätverkaufsstellen, unterhalten sich lautstark und erleichtern sich mangels Toiletten in Büschen oder Hauseingängen. Solche Szenen will Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel nicht mehr in Mitte haben – und damit hat er recht. Doch mit seiner Forderung schießt er über das Ziel hinaus.

Neben einigen „Problem-Spätis“ gibt es unzählige Betriebe, auf die von Dassels Kritik nicht zutrifft. Auch dort wird neben anderen Dingen Alkohol verkauft. Jedoch nicht in einem bargleichen Betrieb mit unzähligen Sitzplätzen vor der Tür, die zum Problem für die Anwohner werden.

Berlins Spätikultur darf nicht leichtfertig aufgegeben werden

Dort werden dafür alle fündig, die auch nachts auf dem Weg zur Party oder am Sonntag noch schnell Kaugummis, Tabak oder eine Flasche Bier kaufen wollen. So schnell, wie die Kunden rein kommen, sind sie auch schon wieder weg – ohne die Nachbarn zu stören. Es ist auch dieses Angebot, das das Leben in Berlin so einzigartig und beliebt macht. Es darf nicht leichtfertig aufgegeben werden, auch wenn das nicht dem Gesetz entspricht.

Ein Problem bleiben die schwarzen Schafe unter den Spätis. Die dortigen Exzesse haben eine ganze Branche in Verruf gebracht. Der Spätkauf um die Ecke wird so ungerechtfertigt in Geiselhaft genommen. Dem Ordnungsamt ist bei seinen Kontrollen Augenmaß zu wünschen.

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