Gratis-Essen in Schulen

Schulkinder haben zu wenig Platz fürs Mittagessen

Das Gratis-Essen stellt Schulen wie die Moabiter Grundschule vor riesige Probleme. Doch Pläne für eine neue Mensa wehrt der Bezirk ab.

Für Kinder der Klassen eins bis sechs ist ab August das Schulessen kostenlos.

Für Kinder der Klassen eins bis sechs ist ab August das Schulessen kostenlos.

Foto: monkeybusinessimages / iStockphoto

Berlin.  Eng geht es zu in der Mensa der Moabiter Grundschule. Überall wuseln Kinder umher. Auf dem Flur stapelt sich sauberes und dreckiges Geschirr. Die Räume der Essensausgabe der Grundschule an der Paulstraße, sie waren eigentlich nie als solche geplant. Es sind zwei alte Klassenzimmer und eine Toilette, die zu Speise- und Spülräumen umgebaut wurden. Die Schulkinder bekommen hier gestaffelt zwischen 11.30 und 14 Uhr ihr Mittagessen, manche müssen es auch mit in den Klassenraum nehmen, sagt Schulleiterin Undine Zeibig. „Wir haben jetzt schon zu wenig Platz.“ Bald wird die Situation noch schlechter. Ab August ist das Schulessen bis Klasse sechs in Berlin gratis. Statt 260 werden dann über 400 Kinder in der Moabiter Grundschule ein Mittagsmahl bekommen, dazu noch die Lehrkräfte. Nur wo?
Die Moabiter Grundschule steht beispielhaft für die Probleme der Bezirke und Schulen, mit der Senatsentscheidung zurechtzukommen, ab dem kommenden Schuljahr kostenloses Essen auszugeben. Unter den Beteiligten ist zwar kaum jemand gegen das neue Gesetz. Doch unklar bleibt, wie und wo Schulen für Hunderte Kinder zusätzlich Essen anbieten sollen, wenn die Gebäude in den meisten Fällen darauf nicht ausgerichtet sind.

Bezirkspläne für Schulumbau könnten Jahre dauern

In den bisherigen Räumen der Moabiter Grundschule ist für die höhere Schülerzahl kein Platz. „Im kommenden Schuljahr droht der Schule ein Chaos“, sagt Marcus Franken, Vorstand der Gesamtelternvertreter der Grundschule. Ohnehin sind die Räume als Mensa kaum geeignet. Die 2006 umgebauten Klassenräume verfügen nicht über Bodenabflüsse, es gibt weder Zubereitungsflächen noch Kochmöglichkeiten. Nirgendwo können Dinge gelagert werden. Der Salat wird auf der Spüle zubereitet.

Eine Idee ist, die Essensausgabe ab dem Sommer in die Aula der Schule zu verlegen. Doch mit Sicherheit werde vom einen oder anderen Teller etwas auf dem Boden landen, glaubt Zeibig. Zudem würden sich die Gerüche im Raum verfangen. „Ich glaube nicht, dass wir den Raum noch weiter als Aula nutzen können.“

Eltern und Architekten haben Plan für neue Mensa vorgelegt

Schule und Eltern haben sich deshalb auf die Suche nach Alternativen gemacht. Auf dem Gelände der Grundschule liegt ein kaum genutzter Parkplatz. Gemeinsam mit befreundeten Architekten haben Eltern der Schule Pläne für eine neue Mensa auf dieser Fläche vorangetrieben. Mittlerweile liegt durch das Büro Steiner Weißenberger Architekten eine Vorplanung vor. „Ein Plan, Geld, der Platz auf dem Schulgelände und der Wille der Schulleitung – alles ist vorhanden“, sagt Franken. Die Mensa könne bestenfalls schon Ende 2020 den Betrieb aufnehmen.
Doch aus dem Bezirksamt kommt Gegenwind. Schulstadtrat Carsten Spallek (CDU) verweist unter anderem darauf, dass die Fläche an der Paulstraße als Feuerwehrzufahrt ausgewiesen ist. Das bedeute nicht, dass diese künftig nicht vielleicht verlegt werden könne. „Klar dürfte allerdings sein, dass die Festlegung in der Baugenehmigung nicht ignoriert werden kann“, so Spallek. Sie müsse daher bei den Planungen berücksichtigt werden. Vor einer Aussage zur Realisierbarkeit der Mensa müssten daher das Stadtplanungsamt und die Wohnungsaufsicht beteiligt werden.

Schulstadtrat Spallek: Brandschutz macht Planung komplizierter

Spallek verweist auf grundsätzliche Probleme, die mit dem Gratis-Mensa-Essen einhergingen. „Die künftige Essensversorgung der Klassenstufen eins bis sechs stellt auch den Bezirk Mitte vor organisatorische und bauliche Herausforderungen“. Am Beispiel des Antrages der Moabiter Grundschule und der Elternvertretung werde deutlich, „dass das Bezirksamt die Erwartungshaltungen kurzfristig nicht erfüllen kann“. Der Stadtrat nennt als weiteres Hindernis das Regelverfahren im Hochbau für die öffentliche Hand samt der notwendigen Verfahrensschritte. Bis zum Vorliegen einer Baugenehmigung würden demnach bis zu zwei Jahre vergehen. Anschließend sei mit einer Bauzeit von drei Jahren zu rechnen.
Die Eltern an der Moabiter Grundschule können diese Kalkulationen nicht nachvollziehen. „Die Vorplanung ist das Nadelöhr. Die haben wir dem Bezirk schon abgenommen“, sagt Jenny Thauer, Vorsitzende des Fördervereins der Grundschule. Unverständlich ist den Eltern auch, warum das Bezirksamt die Planung für den Umbau der Schule erst 2021 beginnen will. Mit einer Fertigstellung sei dann erst um das Jahr 2025 zu rechnen. „Kinder die jetzt in der Schule sind, werden das nicht mehr erleben“, sagt Gesamtelternvertreter Franken.

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