Berlins historische Mitte

Vereine wollen Rathausforum wieder bebauen lassen

In der Debatte um die Zukunft der historischen Mitte Berlins fordern mehrere Vereine einen Wiederaufbau wie vor dem Krieg.

Ansicht Marienkirche und Fernsehturm heute, aus Buch: Berlin Luftaufnahmen gestern und heute, Elsengold Verlag

Ansicht Marienkirche und Fernsehturm heute, aus Buch: Berlin Luftaufnahmen gestern und heute, Elsengold Verlag

Foto: Dirk Laubner

Seit Jahren wird darüber erbittert gestritten: Was soll aus dem Rathausforum und dem gesamten historischen Kern Berlins werden? Während der Senat dazu erst in den kommenden Jahren eine Antwort finden will, haben Vereine und Initiativen unterschiedliche Konzepte erarbeitet und Forderungen gestellt, wie es mit der alten Mitte der Stadt weitergehen soll.
In der Debatte hat sich nun die Arbeitsgemeinschaft der historischen Bürgervereine Berlins zu Wort gemeldet.

Die Initiative fordert, die Fläche vor dem Roten Rathaus nach historischem Vorbild wieder aufbauen zu lassen. „Berlin täte gut daran, sich an anderen Städten zu orientieren“, schreibt der Zusammenschluss aus den Vereinen Bürgerforum Berlin, Bürgerverein Luisenstadt, Gesellschaft Historisches Berlin, Berliner Historische Mitte und Forum Stadtbild. Städte wie Dresden, Frankfurt am Main und Potsdam bauten seit Jahren sehr erfolgreich wichtige Straßen und Plätze des Ortsbildes ihrer Vorkriegszeit wieder auf.

Arbeitsgemeinschaft: Auf dem Rathausforum könnten wichtige Wohnungen entstehen

Anlass der Forderung ist eine im März vorgestellte Klimastudie des Senats. Diese kommt unter anderem zu dem Schluss, dass der Bereich über viele Bäume und Grünflächen verfügt. Sie würden dafür sorgen, die Gegend nachts abzukühlen. Die Studie solle „den Befürwortern einer Re-Urbanisierung den Wind aus den Segeln nehmen“, vermutet jedoch die Arbeitsgemeinschaft.

Zudem habe der Architekt Lutz Mauersberger vom Berlin Mitte Archiv nachgewiesen, dass die Begrünung des Rathausforums aktuell nur 21 Prozent der Flächen ausmache. Würde die Fläche wieder bebaut, könnte demnach dieser Anteil durch grüne Höfe und Dächer höher ausfallen. „Außerdem spricht natürlich die akute Wohnungsnot, aber auch die 800-jährige Stadttradition an diesem Ort für die Rückkehr des urbanen Lebens“, argumentieren die Befürworter des Wiederaufbaus.

Vereine wollen Verkehrsschneisen zurückbauen lassen

Die Vereine fordern zudem, Marienviertel, Heiliggeistviertel, Nikolaiviertel und Klosterviertel untereinander sowie mit den umliegend gelagerten Vorstädten, der Königsvorstadt, Stralauer Vorstadt, Luisenvorstadt und Spandauer Vorstadt zu verbinden. „Die Straßenzüge, die über 700 Jahre die genannten Viertel verbunden haben, müssen menschengerecht wiederhergestellt werden.“ Nötig sei dafür der Rückbau der breiten Verkehrsschneisen in Berlins Zentrum wie Gruner-, Spandauer und Karl-Liebknecht-Straße.
Bis nach Ende des zweiten Weltkriegs war die Gegend zwischen Alexanderplatz, Rotem Rathaus und Marienkirche eng bebaut. Infolge des Stadtumbaus zu DDR-Zeiten wurden die Reste des kleinteiligen Viertels jedoch abgerissen. Es entstanden das Rathausforum, der Fernsehturm und das Marx-Engels-Forum.

Senat will 2020 Wettbewerb für Neugestaltung ausloben

Doch mit dem gegenwärtigen Zustand ist kaum jemand zufrieden. Außer Touristen hält sich kaum jemand in dem Bereich auf. Welche Funktion die Gegend erfüllen soll, ist unklar. Im Rahmen einer Bürgerbeteiligung entstanden 2015 jedoch zehn Leitlinien für die künftige Gestaltung. Dazu zählt auch, dass die Fläche vor dem Roten Rathaus als Versammlungsort in Form eines Platzes der Demokratie erhalten werden soll.
Ab 2020 soll ein Wettbewerb für die Neugestaltung des Bereichs ausgelobt werden, teilte die zuständige Senatsverwaltung für Stadtentwicklung mit. Die seit August 2018 stattfindende Stadtwerkstatt in angemieteten Räumen in der Karl-Liebknecht-Straße solle dazu dienen, gemeinsam mit den Bürgern Empfehlungen dafür auszuarbeiten.

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