Verstöße gegen Tierschutz

Bezirk Mitte verbietet Pferdekutscher den Betrieb

Tierschützern sind Pferdekutschen am Brandenburger Tor seit langem ein Dorn im Auge. Nun wurde einem Unternehmer der Betrieb untersagt

Pferdekutschen am Pariser Platz.

Pferdekutschen am Pariser Platz.

Foto: imago stock / imago/Bernd Friedel

Berlin.  Mit den frühlingshaften Temperaturen stehen auch sie wieder vermehrt am Brandenburger Tor: Pferdekutschen, auf denen sich Touristen durch Berlins Zentrum chauffieren lassen.
Tierschützer sehen das Wohl der Pferde schon lange gefährdet, auch dem Bezirk Mitte gefällt der Umgang mit den Tieren am Pariser Platz nicht. Nun hat die Veterinäraufsicht des Bezirks einem Unternehmer verboten, Touren mit den Reittieren in Mitte durchzuführen. Wie das Bezirksamt mitteilte, würden „Verstöße gegen den Tierschutz“ die persönliche Eignung des Antragsstellers in Frage stellen. teilte das Bezirksamt mit. Der Kutschfuhrunternehmer soll demnach unter anderem wiederholt gegen die vorgeschriebenen Pausenzeiten für Kutschpferde verstoßen haben.

Von Dassel: Kutsch-Leitlinie noch vor Sommer überarbeiten

„Die Versagung ist ein deutliches Zeichen, dass auch in diesem Jahr die Veterinäraufsicht ihren Kontrollauftrag von Pferdekutschen weiter intensiv nachkommen wird und das Wohl der Tiere an vorderster Stelle steht“, teilte Mittes Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel mit.
Von Dassel nahm jedoch auch die Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz in die Plicht. Die vom Grünen Dirk Behrendt geführte Senatsverwaltung müsse die Leitlinien für Kutschbetriebe „im Sinne des Tierwohls gründlich und hoffentlich noch vor der Sommerpause“ überarbeiten. Das Bezirksamt fordert, den Einsatz der Pferde soweit nicht schon verboten zwischen April und September bis spätestens 21 Uhr zu beschränken. Von Oktober bis März sollen die Tiere nur noch bis 19 Uhr im Einsatz sein dürfen.

Unternehmer halten sich nicht an Leitlinien

Tatsächlich verbringen die Pferde auf dem Pariser Platz häufig ihre vorgeschriebenen Pausen. Dabei entspricht der Platz nicht den Anforderungen der Leitlinie für Pferdefuhrwerksbetriebe. Sie gebietet, dass die Tiere sich in den Pausen „unter einem überdachten Stand- oder Schattenplatz mit naturbelassenem Boden und Anbindemöglichkeiten“ aufhalten.

Die Tiere benötigen einen Schattenplatz mit Naturboden Lange auf dem Steinboden vor dem Brandenburger Tor zu stehen, kann für die Pferde eine Qual sein, sagt die Tierschutzbeauftragte des Landes Berlin Diana Plange. „Die Tiere mögen es nicht, auf hartem Untergrund zu urinieren, wo ihnen der Urin an die Beine spritzt.“ Die Pferde würden das Bedürfnis daher zurückhalten. Dies könne zu schmerzhaften Koliken führen.

Kutschbetriebs-Leitlinie für Unternehmer nicht bindend

Die Leitlinie ist für die Kutscher rechtlich jedoch nicht bindend. Nur die Veterinärämter können die Inhalte der Leitlinie zur Auflage für eine Genehmigung machen – doch denen fehlt für Kontrollen meist das Personal.
Eine Kleine Anfrage des Grünen Tierschutz-Experten Stefan Taschner ergab im vergangenen Jahr, dass Mitarbeiter des Veterinäramts die Situation der Pferde zwischen Juni und September 2018 trotz Hitzewelle nur fünfmal überprüften.

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