Am Staatsratsgebäude

Streit um Wohnheim auf Museumsinsel gefährdet Flussbad Mitte

Die private Hochschule ESMT plant ein Wohnheim für 150 Studenten. Doch der Senat blockt ab. Der Streit gefährdet auch das Flussbad.

ESMT-Präsident Jörg Rocholl (rechts) und Finanzchef Georg Garlichs, ärgern sich über die Blockadehaltung des Senats.

ESMT-Präsident Jörg Rocholl (rechts) und Finanzchef Georg Garlichs, ärgern sich über die Blockadehaltung des Senats.

Foto: Anikka Bauer

Berlin. Eine Wohnung in Berlin zu finden, ist für viele Studenten eine fast unlösbare Aufgabe geworden. Umso schwieriger wird es, wenn die Studierenden aus dem Ausland kommen. „Die tun sich noch schwerer“, sagt Georg Garlichs, Finanzchef der European School of Management and Technology (ESMT). Garlichs und ESMT-Präsident Jörg Rocholl wollen deshalb am Standort der Hochschule in Mitte ein Studentenwohnheim mit bis zu 150 Plätzen bauen. Doch die Pläne werden vom Senat verhindert, beklagt Garlichs. Inzwischen sind die Fronten so verhärtet, dass wegen des Zwistes auch das benachbarte Projekt Flussbad Berlin Probleme bekommt.

Die ESMT ist eine von der deutschen Wirtschaft ins Leben gerufene private Management-Hochschule. Zu ihren Gründern zählen Konzerne wie Daimler, BMW oder die Allianz. Seit 2006 hat sie ihren Sitz im ehemaligen Staatsratsgebäude der DDR auf der Spreeinsel in Mitte. „Wir sind sehr glücklich, dass wir an diesem Standort sind“, sagt Rocholl. „Er bietet die Chance, mitten in der Stadt einen großen Universitätscampus zu bauen.“ Am Rand der dahinter liegenden Parkanlage wollen sie zusätzlichen Platz für die Verwaltung und ein Wohnheim für Studenten schaffen – wenn da nicht der Senat wäre. Seit 2014 habe die ESMT das Gespräch mit dem Senat gesucht und versucht, das Gelände zu entwickeln, sagt der Präsident.

Fast fünf Jahre ist das her. Dennoch muss Rocholl heute konstatieren: „Bisher sind wir noch nicht richtig weit gekommen.“ Die Pläne sehen vor, den Verwaltungstrakt der ESMT entlang der Breiten Straße abzureißen. Ersetzt werden soll er durch einen L-förmigen Neubau entlang der Breiten Straße und der kreuzenden Neumannsgasse, wo aktuell Parkplätze und Baracken stehen. Einige Meter entfernt davon Richtung Spree möchte die Hochschule in der Sperlingsgasse das strittige Wohnheim bauen. Hier jedoch blockt der Senat ab.

Gelände für Neubau wird unterschiedlich bewertet

Studentenwohnungen könnten innerhalb des geplanten Gebäudeteils an der Neumannsgasse entstehen, teilt die zuständige Senatsverwaltung für Stadtentwicklung auf Anfrage mit. Weitere Gebäude schließe der aktuelle Entwurf des Bebauungsplans aus. Um nicht stärker in den denkmalgeschützten Staatsratsgarten einzugreifen, sei ein Baufeld an der Sperlingsgasse nach Untersuchung durch das Landesdenkmalamt nicht weiter verfolgt worden.

„Das ist eine komplett versiegelte Parkfläche“, hält Garlichs dagegen. Es gehe nicht darum, den Garten einzuengen. Wie dringend Wohnungen für Studenten gebraucht werden, ist der Senatsverwaltung eigentlich bewusst. „Es ist uns bekannt, dass durch die angespannte Wohnungsmarktsituation auch für Studierende nicht ausreichender und bezahlbarer Wohnraum zur Verfügung steht“, sagte eine Sprecherin. Die Koalition habe sich deshalb zum Ziel gesetzt, „kurzfristig erheblich mehr Wohnraum für Studierende zu schaffen“.

Von den bereits 2015 beschlossenen 5000 neuen Wohnheimplätzen bis 2020 ist der Senat jedoch noch entfernt. „Da liegt eine Parkfläche leer, auf der man studentisches Wohnen schaffen könnte“, sagt ESMT-Präsident Rocholl. „Das würde dem ganzen Quartier guttun. Hier käme endlich Leben hin.“

Es ist nicht das einzige Thema, das die Hochschulleitung aufregt. Auch bezüglich des Bereiches vor dem Haupteingang des Staatsratsgebäudes liegen Senatsverwaltung und ESMT über Kreuz. Dort würde die Hochschule gern entlang der Straße eine Haltebucht einrichten, um zu verhindern, dass anfahrende Autos auf der Straße oder dem Radweg einen kurzen Zwischenstopp einlegen. „Es gibt derzeit keine Ausstiegsmöglichkeiten. Das ist total gefährlich“, sagt Garlichs.

Hochschule beklagt fehlenden Dialog mit Senat

Es müsse eine Möglichkeit geben, ein Taxi oder einen Pkw hier halten zu lassen, fordert er. Daraus wird vorerst allerdings nichts. Die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz habe dies 2016 abgelehnt, teilte die Stadtentwicklungsverwaltung mit. Eine Anpassung zu einem späteren Zeitpunkt sei gegebenenfalls möglich.

Die Hochschulleiter können nicht nachvollziehen, warum sie beim Senat nicht durchdringen. Es herrsche eine „Pseudokommunikation“, sagt Garlichs. Seit Jahren trügen sie ihnen wichtige Anliegen vor, würden aber einfach nicht gehört. Selbst von Baumaßnahmen vor ihrer Tür würden sie erst von Nachbarn erfahren.

Zu öffentlichen Werkstattgesprächen, die sich um ihr Grundstück drehen, erhielten sie keine Einladung. „Es ist kafkaesk“, sagt ESMT-Präsident Rocholl. Man habe nicht den Eindruck, in einem vernünftigen Dialog Dinge klären zu können.

Die ESMT hat deshalb unlängst ihren Ton verschärft. In einem Brief aus dem Herbst informierte die Hochschule die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, eine bisher mit dem Senat geplante Öffnung des Gartens hinter dem Staatsratsgebäude auf Eis zu legen. Auch das Flussbad an der Museumsinsel bekommt wegen des Zwistes Probleme. Bei dem vom Senat geförderten Projekt verweigert die ESMT bis auf Weiteres die Zusammenarbeit.

Damit einer der Spreezugänge entstehen kann, müsste die Management-Hochschule einen Teil ihres Grundstückes zur Verfügung stellen. Bisher war sie dazu bereit, ließ den Flussbad-Garten der Initiative auf ESMT-Flächen am Spreeufer entstehen. Das Projekt Flussbad finden die ESMT-Verantwortlichen auch weiterhin gut. Ihre Entscheidung dagegen kam eher aus der Not, sagt Garlichs: „Wir haben keine andere Möglichkeit gesehen.“

Auch die Initiatoren des Flussbades betonen das gute Verhältnis zur ESMT. „Wir haben große Sympathien füreinander“, sagt Jan Edler, Vorstand des Vereins und Mitbegründer. Die Unstimmigkeiten zwischen Senat und Hochschule bedauert er. „Ich hoffe, dass sich die Querelen schnell legen.“ Auch sein Verein hätte einen Brief an den Senat geschrieben. „Ich erwarte vom Senat, dass sie die Irritationen auflösen und für eine bessere Kommunikation sorgen“, sagt Edler. Immerhin steckten im Flussbad bereits vier Millionen Euro Fördergeld von Bund und Land, die so zu verpuffen drohten.

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