Internetkonzern

Google eröffnet neues Büro an Berliner Museumsinsel

An der Museumsinsel bezieht der Konzern erstmals ein eigenständiges Gebäude in Berlin. Die Mitarbeiterzahl soll sich verdoppeln.

Die Gebäude der neuen Hauptstadtrepräsentanz der Google Germany GmbH spiegeln sich im Wasser der Spree. Die neuen Räume bieten Platz für rund 300 Arbeitsplätze und ein Schulungszentrum der "Google Zukunftswerkstatt".

Die Gebäude der neuen Hauptstadtrepräsentanz der Google Germany GmbH spiegeln sich im Wasser der Spree. Die neuen Räume bieten Platz für rund 300 Arbeitsplätze und ein Schulungszentrum der "Google Zukunftswerkstatt".

Foto: dpa

Berlin. Vom Prachtboulevard zum Prachtblick: So könnte man den Weg beschreiben, den Google in Berlin in den vergangenen Wochen gegangen ist. Der Internetkonzern hat sein Hauptstadtbüro Unter den Linden aufgegeben und ist in seine neuen Räume im Forum an der Museumsinsel gezogen – samt hervorragendem Blick auf das Bode-Museum.

Der Umzug an die Tucholskystraße in das von Walter Gropius erbaute und von Stararchitekt David Chipperfield umgebaute Ensemble ist jedoch mehr als nur ein Ortswechsel. Er ist ein Bekenntnis von Google zu Berlin. Dementsprechend verbunden mit der Stadt zeigte sich das Unternehmen bei der Eröffnungsparty am Dienstagabend mit Videos, die ein Tourismusportal nicht schöner hätte filmen können, dem Hashtag „TachBerlin“ und Musik der Band 2Raumwohnung.

Dabei hatte das Verhältnis von Google zu Berlin zuletzt gelitten. Nach jahrelangen Anfeindungen von Anwohnern gab der Internetkonzern im vergangenen Oktober seine Pläne auf, einen Google-Campus im ehemaligen Umspannwerk an der Ohlauer Straße in Kreuzberg zu errichten. Dort wollte Google in einem Coworking-Space Start-ups fördern. „Wir haben damals überraschend viel Kritik erfahren“, sagte Philipp Justus, Googles Vize-Präsident für Zentraleuropa am Dienstag. Der Campus hätte ein „positives Signal“ setzen sollen. „Wir waren überzeugt, dass das neue Arbeitsplätze schafft“, so Justus.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) - neben Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, und der CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer prominenter Gast am Abend - war, wohl gerade deshalb, voll des Lobes. In seiner Rede sprach er von „großer Begeisterung“, „hervorragenden Akzenten“ und einer „starken Partnerschaft“ und betonte, dass er sich über die Proteste geärgert habe. Sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ließ durch die Staatsministerin für Digitalisierung, Dorothee Bär (CSU), herzliche Grüße ausrichten. Sie wäre gerne gekommen, es kam jedoch ein Treffen mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron dazwischen.

An Googles Interesse an Berlin hat die Episode aber nichts geändert. Zwar liegt die Hauptstadt auch nach dem Ausbau auf 300 Mitarbeiter noch hinter den Standorten München und Hamburg, wo 700 beziehungsweise 500 Beschäftigte für Google arbeiten. Dafür investiert das Unternehmen in Berlin in ein absolutes Zukunftsthema: künstliche Intelligenz (KI). Schon heute sind KI-Forscher für Google in der Hauptstadt tätig. Besonders in diesem Bereich will der Konzern seine Aktivitäten in Berlin wohl ausbauen. Am frühen Dienstagabend traf sich Google-CEO Pichai zu einem Gespräch über KI mit Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne), der Siemens-Vorständin Janina Kugel, Dorothee Bär und weiteren Spitzenpolitikern. Die Wirtschaftssenatorin will die Forschung in diesem Bereich weiter fördern.

Doch auch abseits von KI bietet das neue Büro Google Chancen, zu wachsen. So zieht Mitte 2019 der bisher in Tempelhof ansässige Berliner Youtube-Space der zum Konzern gehörenden Video-Plattform in die Räume an der Spree. Die für die Produktion eigener Youtube-Formate verwendete Fläche werde sich dadurch verdreifachen, die Zentrale in Berlin die modernsten Youtube-Studios in Europa. Daneben beschäftigt der Konzern auf den rund 8500 Quadratmetern Mitarbeiter aus den Bereichen, Vertrieb, Marketing, Recht und Cloud. Andere Teams beraten Start-ups und App-Entwickler.

IT-Konzern bietet mit Verdi und IHK Fortbildungen an

IT-Konzern bietet mit Verdi und IHK Fortbildungen an Zeitgleich mit der Büroeröffnung kündigte das Suchmaschinen-Unternehmen eine neue Bildungsinitiative an – mit ungewöhnlichen Partnern. Künftig will Google gemeinsam mit der Dienstleistungsgesellschaft Verdi und den Industrie- und Handelskammern für Düsseldorf sowie München und Oberbayern Arbeitnehmer fit für die Digitalisierung machen. Dafür soll es speziell von Google entwickelte Fortbildungen geben, die ganze Firmen, aber auch Privatpersonen kostenlos buchen können.

Die Digitalisierung werde an Dynamik noch deutlich zulegen, sagte Verdi-Vorstand Lothar Schröder. Er begrüße daher das Gemeinschaftsprojekt. Es sei eine gutes Angebot für Mitarbeiter, sich zukunftsfähig aufzustellen. Zunächst soll es Kurse für die Bereiche Handel, Logistik, Krankenkassen und Versicherungen geben. Geplant ist eine Zertifizierung durch die IHK. Die Kurse finden online statt, zum Teil aber auch in Googles „Zukunftswerkstatt“, die Teil der neuen Niederlassung sind.

Proteste bei Eröffnung

Die Eröffnung des neuen Berliner Büros von Google ist von Protesten begleitet worden. Vor dem Gebäude versammelten sich Demonstranten, sie protestierten mit Plakaten und lautstarker Techno-Musik sowie Trommelschlägen gegen den US-Internetkonzern. Ein Augenzeuge und Besucher der Veranstaltung sprach von etwa 70 Menschen. Nach Angaben der Polizei kam es zu keinen Zwischenfällen. An der Eröffnung nahmen neben Konzernchef Sundar Pichai unter anderem die Staatsministerin für Digitalisierung, Dorothee Bär (CSU), und Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) teil.

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