Afrikanisches Viertel

Gewerbe wehrt sich gegen neue Straßennamen

Der Protest gegen Straßenumbenennungen im Afrikanischen Viertel geht weiter. Über 200 Gewerbetreibende erheben gemeinsam Widerspruch.

Gegen die Umbenennung der Petersalle und anderer Straßen im Afrikanischen Viertel stellen sich einige Anwohner (Archiv).

Gegen die Umbenennung der Petersalle und anderer Straßen im Afrikanischen Viertel stellen sich einige Anwohner (Archiv).

Foto: David Heerde

Der Protest der Anlieger im Afrikanischen Viertel gegen die Umbenennung mehrerer Straßen zieht immer weitere Kreise. Insgesamt 214 Gewerbetreibende aus der Siedlung haben gemeinsam einen Sammelwiderspruch gegen die Entscheidung des Bezirksamts erhoben. Damit stellen sie sich gegen die vom Bezirk Mitte beschlossene und bereits im Amtsblatt veröffentlichte Umbenennung der Petersallee, in Maji-Maji-Allee und Anna-Mununga-Allee und der Lüderitzstraße in Cornelius-Fredericks-Straße.

„Für Gewerbetreibende und für die öffentliche Verwaltung stellt die Umbenennung einen großen, unnötigen finanziellen Aufwand dar“, heißt es im Widerspruch. „Wir haben rein zufällig von der Umbenennung erfahren“, sagt Magdalena Sokolowska, die in der Lüderitzstraße ein Büro für Versicherungen und Büroservice betreibt. Da sie, wie die meisten Gewerbetreibenden nicht zugleich Anwohnerin in den betroffenen Straßen ist, hat sich der Bezirk nie an sie gewandt und auf die geplante Umbenennung hingewiesen.

Initiatorin: Straßenumbenennung verursacht "unnötigen finanziellen Aufwand"

Mit ihrem Widerspruch möchten sie sich nun gemeinsam gegen die Ausgrenzung wehren. „Wir sind hier aktiv und kurbeln den Arbeitsmarkt an, dürfen aber nicht mitreden“, sagt sie. In ihren Augen eine klare Gesetzeslücke. Unter den über zweihundert Unterzeichnern finden sich vor Ort ansässige Supermärkte, Restaurants, Apotheken und Kioskbetreiber, die die bisherigen Namen behalten wollen.

Nach langen Diskussionen stimmte zunächst die Bezirksverordnetenversammlung und anschließend das Bezirksamt dafür, den Straßen neue Namen zu geben. Die aktuellen Namen würden deutsche Kolonialisten ehren aus der Zeit, als das heutige Namibia die Kolonie Deutsch-Südwestafrika war. „Für mich sind diese Namen nicht kulturfördernd“, sagte Sokolowska.

Auswahl der Namensgeber historisch umstritten

Neben dem grundsätzlichen Ärger über die Umbenennung sorgen auch manche der neuen Namen selbst für Aufregung. Mit ihnen soll an den postkolonialen Widerstand erinnert werden. So soll der nordöstliche Abschnitt der Petersallee künftig Anna-Mununga-Allee heißen.

Die Namensgeberin war 1932 nach Ende der Kolonialzeit in Namibia geboren und 1959 bei Unruhen erschossen worden. In Namibia gilt sie heute als Nationalheldin. „Darstellungen, die sie als antikoloniale Aktivistin oder gar Revolutionärin preisen, schießen freilich übers Ziel hinaus“, sagte der Historiker und Afrikaforscher Andreas Eckert. Ihr Schicksal stehe zwar für koloniale Willkür, Repression und Gewalt. „Ein Bezug zum deutschen Kolonialismus lässt sich auch in diesem Fall nur äußerst mühsam herstellen."

Für die Umbenennung der Petersallee ist die Widerspruchsfrist bereits abgelaufen. Im Fall der Lüderitzstraße endet sie am 11.1. Die Umbenennung des Nachtigalplatzes ist bisher noch nicht im Amtsblatt veröffentlicht worden.

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