Verkehr in Berlin

Autofahrer bleiben in Mitte im Mega-Stau stecken

Autofahrer haben am Mühlendamm in Mitte für ein Jahr mit massiven Staus zu kämpfen. Grund sind archäologische Ausgrabungen.

In Mitte staute sich der Verkehr.

In Mitte staute sich der Verkehr.

Foto: Christian Latz

Berlin. Für etliche Berliner Autofahrer verlängerte sich der morgendliche Weg zur Arbeit am Dienstag deutlich. Wegen der Verringerung der Fahrspuren am Molkenmarkt kam es im Berufsverkehr zu den befürchteten Staus. Wer aus Nordosten kommend Richtung Zen­trum fuhr und den Bereich südlich des Roten Rathauses mit seinem Wagen passieren wollte, musste deutlich mehr Zeit einplanen. Vom Molkenmarkt staute sich der Verkehr stadteinwärts über die Grunerstraße und die Otto-Braun-Straße bis weit auf die Greifswalder Straße. Durch die überfüllten Strecken setzte sich der Rückstau auch in den davon abgehenden großen Straßen im Zentrum fort. Schon am Montagabend war es an gleicher Stelle bereits im Feierabendverkehr in Gegenrichtung zu einem Stau gekommen. Zeitweise reichte dieser bis zum Potsdamer Platz. Autofahrer mussten rund eine halbe Stunde mehr Zeit einrechnen.

Grund für die Staus: Für Autos ist rund um den Molkenmarkt in nächster Zeit weniger Platz. In der Nacht zu Montag wurde zunächst die Fahrbahn Richtung Alexanderplatz auf zwei Spuren reduziert. Seit Dienstag früh gilt dasselbe auch in Richtung Potsdamer Platz. Die Eingriffe in den Straßenverkehr sind die ersten Vorboten der groß angelegten Umgestaltung des Molkenmarktes. Wo heute die Grunerstraße eine Verkehrsschneise in die Stadt schlägt, entsteht in den kommenden Jahren an Berlins historischem Kern das neue Klosterviertel. Dafür wird auch die Straßenführung massiv verändert. Wo heute eine nahezu gerade Piste vom Alexanderplatz zur Mühlendammbrücke führt, werden Autofahrer künftig eine Rechts- und Linkskurve um das neue Quartier nehmen müssen.

Bevor die eigentlichen Arbeiten beginnen, dürfen zunächst mehrere Monate lang Archäologen den Boden unter dem Mühlendamm auf Überreste des historischen Berlins untersuchen. Anschließend beginnen ab dem zweiten Quartal die umfangreichen Straßenumbauarbeiten. Die Grunerstraße mit neuem kurvigen Verlauf soll dann bis Mitte 2022 fertiggestellt werden. So lange müssen sich Autofahrer auf deutliche Einschränkungen auf einer der wichtigsten Ost-West-Achsen – jeden Tag passieren rund 70.000 Wagen die Strecke – gefasst machen.

Zu einem andauernden Verkehrschaos werde das laut Berliner Verkehrsinformationszentrale (VIZ) jedoch nicht führen. Der erste Tag sei „etwas chaotisch“ gewesen, teilte die VIZ mit. Doch das lege sich in der Regel relativ schnell. Konkrete Empfehlungen, wie man die heikle Stelle am besten umfahren könne, wollte die VIZ jedoch nicht geben. „Die Berliner sind da erfinderisch.“ Auch die BVG stellt die Staustelle aktuell nicht vor Probleme. „Das wirkt sich ganz geringfügig aus“, sagte ein Sprecher. Die auf der Strecke verkehrenden Buslinien M48 und 248 hätten am Dienstagmorgen in der Spitze drei Minuten Verspätung gehabt. Die BVG muss nun auf der Strecke dauerhaft ohne Busspur auskommen. Denn auf der geplanten neuen dreispurigen Straße wird es ab 2022 keine zusätzliche vierte Spur mehr für Busse geben. Zwar werden bereits Vorhalteflächen für die künftige Straßenbahn vom Potsdamer Platz zum Alexanderplatz miteingebaut. Diese Linie soll die Busse einmal ersetzen. Eine Tram verkehrt auf der Strecke aber wohl erst mehrere Jahre später. So lange müssen sich die Busse in den restlichen Verkehr einreihen.

Verkehrsverwaltung erklärt: Es wird eng werden

„Autofahrer bekommen hier einen Vorgeschmack auf das, was sie künftig im Zuge des geplanten Straßenumbaus erwarten wird“, urteilte der ADAC zu den Staus am Wochenanfang. Der Straßenzug sei derzeit die einzige leistungsfähige Ost-West-Achse der Stadt. Mit der Änderung der Straßenführung müssten Autofahrer künftig eine Ampel mehr passieren und mehr Kurven fahren. Dies werde „bei gleichbleibender Verkehrsstärke Auswirkungen auf den Verkehrsfluss und die Leistungsfähigkeit haben“, kritisiert der Verkehrsclub. Seit Jahren fordern ADAC und IHK, am Molkenmarkt erst zu bauen, wenn die Arbeiten an der U5 Unter den Linden abgeschlossen sind. Der frühere Baubeginn bereite daher „Bauchschmerzen“. „Es wird in den nächsten Jahren eng werden“, gestand ein Sprecher der Senatsverwaltung für Umwelt und Verkehr. Mit dem Umbau des Molkenmarktes könne man aber nicht länger warten. Die Schneise über den Platz solle so schnellstmöglich geheilt werden.

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