Ein Täter gefasst

Überfall auf Geldtransporter: Räuber kommen aus Clan-Milieu

Die Polizei hat den ersten von vier Tatverdächtigen nach dem Überfall auf den Geldtransporter in der Nähe des Alexanderplatzes gefasst.

Nach einem Überfall auf einen Geldtransporter in der Alexanderstraße Ecke Schillingstraße sichert die Polizei Spuren.

Nach einem Überfall auf einen Geldtransporter in der Alexanderstraße Ecke Schillingstraße sichert die Polizei Spuren.

Foto: Reto Klar

Berlin. Sechs Wochen nach dem Raubüberfall auf einen Geldtransporter nahe dem Alexanderplatz wurde nun ein Tatverdächtiger festgenommen. Und die Spuren führen in das Berliner Clan-Milieu. Wie die Staatsanwaltschaft am Montag mitteilte, haben Polizisten bereits am vergangenen Freitag einen 38-jährigen Mann festgenommen, der an dem Überfall beteiligt gewesen sein soll. Der Mann befindet sich bereits in Untersuchungshaft.

Nach Informationen der Berliner Morgenpost ist der 38-Jährige für die Ermittlungsbehörden kein Unbekannter. Der staatenlose Mann kurdisch-libanesischer Herkunft ist schon länger im Visier der Ermittler und soll enge Beziehungen zum Clan-Milieu der Hauptstadt pflegen und im engen Kontakt mit einer Familie stehen, die in Berlin schon sehr viele Straftaten begangen hat. Bislang konnte man dem 38-Jährigen aber noch keine größeren Delikte nachweisen, heißt es aus Ermittlerkreisen auf Nachfrage der Berliner Morgenpost.

Überfall auf Geldtransport: So lief die Tat ab

Maskierte haben einen Geldtransporter am Alexanderplatz überfallen. Der Raub fand Zeugen zufolge gegen 7.30 Uhr am 19. Oktober 2018 im Bereich Alexanderstraße/Schillingstraße statt. Auf der Flucht schossen die Täter.
Überfall auf Geldtransport: So lief die Tat ab
Louisa Lagé

Die Beamten durchsuchten vergangenen Freitag die Wohnung des Tatverdächtigen in Mariendorf. Dort konnten Beweismittel sichergestellt werden. Was man gefunden habe, sei sehr interessant und eindeutig, hieß es aus Ermittlerkreisen. Näheres wollte man unter Verweis auf die laufenden Untersuchungen nicht mitteilen. Vier Tatverdächtige sind noch immer auf der Flucht. Die Befürchtung der Ermittler: Geben sie jetzt zu viele Details bekannt, verschlechtern sich die Chancen, die Mittäter zu fassen.

Täter schossen bei ihrer Flucht auf die Polizisten

Auf ihrer Flucht schossen die Täter damals auch auf ein Polizeiauto. Laut Staatsanwaltschaft wird den Verdächtigen deshalb nicht nur schwerer Raub, sondern auch versuchter Mord vorgeworfen. Das Strafmaß wäre im Falle einer Verurteilung damit deutlich höher. Die Brutalität der Täter ließ schon früh den Verdacht aufkommen, dass es sich wahrscheinlich um ein Verbrechen im Umfeld der Berliner Clans handeln muss. Bei ähnlich spektakulären Taten wie dem Überfall auf das KaDeWe oder dem Diebstahl der Goldmünze aus dem Bode-Museum gingen die Täter ähnlich skrupellos vor. Allerdings machten die Räuber dieses Mal keine Beute.

Der spektakuläre Raub hatte sich Mitte Oktober an einem Freitagmorgen abgespielt. Der Geldtransporter fuhr gegen 7.30 Uhr die Schillingstraße in Richtung Alexanderstraße in Mitte, als sich zwei Autos vor und hinter den Wagen setzten und den Fahrer zum Anhalten zwangen. Aus beiden Autos – ein Mercedes und ein Audi – stiegen nach Zeugenaussagen jeweils zwei dunkel gekleidete und maskierte Personen aus. Sie bedrohten abwechselnd die beiden Sicherheitsleute des Geldtransporters mit Waffen und machten sich an der Hecktür des Fahrzeugs zu schaffen.

Ein Zeuge will damals zudem gesehen haben, dass zwei Räuber zielgerichtet zum Heck des Transporters gingen und die Doppeltür mit einem riesigen Brecheisen und einer Kettensäge aufbrachen. Aus dem Laderaum entwendeten die Räuber dann mehrere Geldkisten. Eine Kiste ließen sie, offenbar der Eile geschuldet, zurück. Ein Anwohner hat die Tat damals von seinem Balkon aus gefilmt.

Nach dem Verladen der Beute flüchteten die Täter mit ihren Pkw, einem Audi und einem Mercedes. Eine Streife des Polizeiabschnitts 32, die sich wegen eines anderen Einsatzes in der Nähe aufhielt, nahm sofort die Verfolgung auf. In der Neuen Grünstraße in Mitte begannen die Täter aus dem Mercedes heraus, die Beamten zu beschießen. Die Polizisten wurden damals nicht verletzt. Der Streifenwagen wurde allerdings getroffen. Die Beamten brachen die Verfolgung ab, die Täter flüchteten und rasten in Richtung Kreuzberg davon. Nach mehreren Verkehrsunfällen – andere Verkehrsteilnehmer wurden nicht verletzt – mussten die Insassen des schwarzen Mercedes in der Feilnerstraße ihre Flucht beenden. Sie ließen das Auto vom Modell R-Klasse zurück – es hatte vorne einen Platten – und stiegen in den Audi ein, um mit ihren Komplizen weiter zu flüchten. Dieser Wagen wurde später ebenfalls in Kreuzberg gefunden. Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft soll auch noch ein drittes Auto eine Rolle gespielt haben

Polizei bittet um Hinweise aus der Bevölkerung

Ausgehend von dem zurückgelassenen Mercedes setzte die Polizei bei den ersten Suchaktionen Spürhunde und Drohnen ein. In einem öffentlichen Aufruf forderten die Beamten Zeugen auf, sich zu melden. Die Polizei hat im Internet ein Hinweisportal eingerichtet: https://be.hinweisportal.de/alexanderstrasse.

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