Verkehr

Grüne Farbe und Poller: Berlin hat ersten geschützten Radweg

In Mitte auf der Holzmarktstraße werden Radfahrer nun mit Pollern geschützt. Der 3,50 Meter breite Streifen ist zudem grün gestrichen.

Ein Mann fährt mit einem Rad auf den ersten geschützten Radwegs an der Holzmarktstraße. 

Ein Mann fährt mit einem Rad auf den ersten geschützten Radwegs an der Holzmarktstraße. 

Foto: dpa

Berlin. Eine knappe Minute dauert die Fahrt. So lange brauchen Radfahrer für Berlins bestgesichertste Fahrradspur. Seit Donnerstag steht sie allen auf der Holzmarktstraße zur Verfügung. Der 450 Meter lange Streifen zwischen Lichtenberger Straße und Alexanderstraße ist Richtung Zentrum mit einem Meter hohen Pollern zu den Autospuren abgegrenzt. Zudem verfügt der 3,50 Meter breite Weg über einen grünen Belag. Damit ist er der erste in Berlin und ganz Deutschland nach diesem neuen Modell.

Das gefiel auch Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos/für Grüne), die den Radweg selbst testweise befuhr. „Wir freuen uns sehr, den ersten geschützten Fahrradstreifen einzuweihen.“ Ohne Poller würden sich viele Autofahrer auf dem Radweg halten. Der neue Streifen sei eine Premiere für die Entwicklung deutscher Städte in der Zukunft, sagte sie. „Damit sind wir Vorreiter in Deutschland.“

Planungen für Radwege sollen ab nun schneller laufen

Bis zur Einweihung des ersten geschützten Radwegs in Berlin hat es eine ganze Weile gedauert. In Zukunft solle dies jedoch schneller gehen, so Günther. "Wir haben in den vergangenen zwei Jahren das Fundament gelegt." Für neue Radwege sei in dieser Zeit Personal eingestellt und Geld beschafft worden. Ab jetzt werde es daher schneller gehen.

Die ebenfalls anwesende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Abgeordnetenhaus, Antje Kapek, bezeichnete die Einweihung als "einen Tag zum Feiern". Bis dahin sei es eine "verdammt schwere Geburt gewesen", sagte sie. "Aber wie bei jeder Geburt kommen am Ende schöne Babys raus."

Weitere acht sichere Radstreifen in Berlin geplant

Aktuell sind berlinweit acht weitere durch Poller geschützte Radspuren geplant. Einer der neuen Fahrradstreifen soll noch im November an der Hasenheide gebaut werden.

Daneben entstehen derzeit auf der Karl-Marx-Allee zwischen Alexanderplatz und Strausberger Platz beidseitig geschützte Radstreifen. Für 2019 ist zudem der Bau folgender geschützter Radverkehrsstreifen geplant: Karl-Marx-Straße (Neukölln), Frankfurter Allee (Friedrichshain), Altfriedrichsfelde (Lichtenberg; Südseite, vor Gensinger Straße), Amrumer Straße (Wedding), Dahlemer Weg (Zehlendorf) und Märkische Allee (Marzahn-Hellersdorf; südlich der Brücke über die Ostbahn).

Kreuzung an der Alexanderstraße bleibt für Radfahrer gefährlich

Über den sicheren Radweg in Mitte freute sich auch Nikolas Linck vom ADFC Berlin. "Das ist ein absolutes Novum." Das Glück des sicheren Streifens währe allerdings nur wenige Hundert Meter, kritisierte er. Auch seien eigentlich Kreuzungen die größte Gefahr für Radfahrer. Davor höre die Radspur allerdings schon wieder auf. Dahinter kommt es vor der Kreuzung an der Alexanderstraße zu einer sogenannten Fahrradweiche. Autofahrer müssen zum Rechtsabbiegen, die dort nicht mehr mit Pollern geschützte Radspur kreuzen. "Radfahrer und Autofahrer werden dadurch aktiv aufeinander geschickt", sagte Linck.

Zudem würden bereits mehr als drei Rechtsabbieger ausreichen, um den Radstreifen zu blockieren. Eine Alternative wäre laut Linck ein bis zuletzt am rechten Straßenrand verlaufender Radweg gewesen samt einer unterschiedlichen Ampelschaltung für den geradeaus fahrenden und den rechtsabbiegenden Verkehr.

Bushaltestelle unterbricht neuen Radstreifen

Zu kritisieren sei zudem eine Bushaltestelle, die den Radstreifen kurz hinter der Lichtenberger Straße unterbreche, sagte Jenst Steckel vom Verein Changing Cities und des darin mittätigen Netzwerks fahrradfreundliches Tempelhof-Schöneberg. Radfahrer müssten an dieser Stelle Fahrspur der Autos ausweichen, um die Busse zu umkurven.

Verkehrssenatorin Günther erklärte, dass sowohl ein Umbau der Bushaltestelle wie der Kreuzung zu "signifikanten Baumaßnahmen" geführt hätte. Die gesicherte Radspur hätte dadurch erst viel später eingeweiht werden können.

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