City West

So soll sich die Ecke Kurfürstenstraße und Urania verändern

Die Ecke Kurfürstenstraße/Urania soll ein neues Gesicht bekommen. Unter anderem sind zwei 60 Meter hohe Häuser geplant.

Berlin.  Viel Straße und viel Grünstreifen, das prägt die Kreuzung von Kurfürstenstraße und der Straße An der Urania heute. Geht es nach den Plänen von Senat, Bezirken und Investoren, soll damit Schluss sein. Sie wollen der Kreuzung ein ganz neues Gesicht geben und alle vier Kreuzungsseiten neu bebauen. Entstehen sollen so Wohnungen, Büros, Platz für Kultur und ein Hotel.

Ihren Anfang haben die derzeitigen Pläne vor rund eineinhalb Jahren genommen. Damals beauftragte die Jahr Holding, Teileigner des Verlages Gruner + Jahr und Besitzer des Constanze-Hauses im nordwestlichen Teil der Kreuzung, die Firma Team Hamburg, die Neubebauung des Grundstücks zu entwickeln.

Als sich das Unternehmen damit an die betroffenen Bezirke Mitte und Tempelhof-Schöneberg wandte, wurde schnell klar: Alle Grundeigentümer an der Kreuzung wollen bauen. Im nordöstlichen Teil ist das der schwedische Besitzer des Hotels „Berlin, Berlin“, die beiden südlichen Grundstücke gehören der Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM), also dem Land Berlin. Hier einigte man sich, die Bauvorhaben in einem Projekt zu bündeln.

Räumlicher Akzent durch zwei 60-Meter-Hochhäuser

Über ein Werkstattverfahren verständigten sich Bezirke, Senat, BIM und Investoren auf ein Baukonzept. Dieses sieht vor, anstelle des Constanze-Hauses an der Kreuzungsecke einen 60 Meter hohen Bau für Büros zu errichten. In den Seitengebäuden sind auf dem Grundstück Wohnungen geplant. Ein zweites 60-Meter-Haus möchte die BIM auf dem südwestlichen Grundstück bauen, wo bis 2017 der Landesrechnungshof untergebracht war. Die dortigen Büros könnten später von einer Senats- oder Bezirksverwaltung genutzt werden.

Auch an diesen Bau sollen Wohnungen anschließen. „Wir haben darauf geachtet, dass viel Wohnraum auf unserem Grundstück gebaut wird“, sagte Christian Krüger, Leiter des Portfoliomanagements bei der BIM, der Berliner Morgenpost. Geplant seien etwa 10.000 Quadratmeter Wohnfläche. Dies entspräche beispielsweise hundert 100-Quadratmeter-Wohnungen. Bauen soll diese eine der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften.

Mit den beiden 60-Meter-Häusern soll „ein räumlicher Akzent“ gesetzt werden, sagte Diplom-Ingenieur Tom Huber vom Büro Astoc im Stadtentwicklungsausschuss Mitte. Die höheren Bauwerke bildeten damit einen städtebaulichen Abschluss der City West mit ihren Hochhäusern, ehe ostwärts die klassische Berliner Traufhöhe dominiere. So wie bei den Neubauten auf den beiden weiteren Eckgrundstücken. Nordöstlich der Kreuzung erweitert das Hotel „Berlin, Berlin“ seine Fläche. Zudem entstehen auch auf diesem Grundstück neue Büros und Wohnungen. Südlich davon füllt ein kleineres Gebäude mit dreieckiger Grundfläche eine Lücke, die einst für den Ausbau der Stadtautobahn vorgesehen war. Der Senat plant, hier auf dem sogenannten Baufeld 4 Kultureinrichtungen unterzubringen.

Die Pläne wurden nicht nur im Stadtentwicklungsausschuss in Mitte vorgestellt, sondern auch in Tempelhof-Schöneberg. Dort wurden allerdings Bedenken gegen die vorgesehene Bebauung im Bereich Kurfürstenstraße 123–126/An der Urania 1 laut,wo laut dem bisherigen Konzept die Kultur eine Heimat finden soll. Der stadtentwicklungspolitische Sprecher der SPD in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Tempelhof-Schöneberg, Christoph Götz, kritisierte: „Das vorgelegte Konzept für die Bauten an der Urania auf dem Baufeld 4 sieht vor, dass die Straße dort unverändert überdimensioniert bestehen bleibt.“

Götz, der auch im Ausschuss für Straßen, Verkehr, Grünflächen und Umwelt der BVV sitzt, verwies auf frühere, nie verwirklichte Pläne, die Straße dort zu verschmälern. „Der Platz, der damit gewonnen würde, könnte für weiteren, dringend benötigten Wohnungsbau genutzt werden“, so der Alternativvorschlag. Die SPD in Tempelhof-Schöneberg fordert, das Bezirksamt solle die Planung für diesen Bereich derzeit nicht weiter verfolgen. Götz kündigte an, für die SPD einen Antrag für ein Planungsmoratorium bei der Bezirksverordnetenversammlung am 17. Oktober einzubringen. Die anderen drei Baufelder im Konzept bleiben von dieser Forderung unberührt.

Als Begründung für den Planungsstopp auf dem bisher mit Kulturraum beplanten Grundstück führte Götz an: „Das vorliegende Konzept schafft im Falle einer Realisierung Fakten, die den Schneisencharakter der Straße An der Urania dauerhaft verfestigen.“ Damit werde die Anbindung des Bereiches Kleiststraße/Nollendorfplatz an die City West auch langfristig behindert.

Vor einer Entscheidung kann die Öffentlichkeit mitreden

Eine Verengung des Straßenprofils samt Blockrandbebauung hatte sich ursprünglich auch Mittes Stadtentwicklungsstadtrat Ephraim Gothe (SPD) gewünscht. Der Senat habe bei dieser Idee jedoch abgewinkt, sagte Gothe im Stadtentwicklungsausschuss der BVV in Mitte. Das dafür nötige Planfeststellungsverfahren hätte die Neugestaltung des Bereichs um mehrere Jahre verzögert. Das nun entwickelte Konzept begrüße er daher sehr, sagte Go­the. Es sei „eine gute Antwort auf den geweiteten Straßenraum“.

Jörn Oltmann, Stadtentwicklungsstadtrat in Schöneberg-Tempelhof (Grüne), lobte den geplanten Nutzungsmix in dem Siegerentwurf des Werkstattverfahrens. Allerdings sieht auch er das Baufeld 4, kritisch, auf dem ein fünfgeschossiges Gebäude einem bestehenden Haus vorgesetzt würde. Auf Anfrage sagte Oltmann: „Ich würde mir an der Stelle eine andere städtebauliche Lösung wünschen.“ Er betonte, noch handele es sich nicht um den Entwurf einer konkreten Bebauung. Entscheidungen fielen erst, nachdem das Konzept in der Öffentlichkeit diskutiert worden sei.

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