Digitalisierung

Wo schon Kinder in Mitte Programmieren lernen

Das Leben spielt zunehmend digital. Um Kinder darauf vorzubereiten, bietet die "Digitalwerkstatt" Kurse und eine Lern-Box an.

Kinder lernen in der "Digitalwerkstatt" in der Linienstraße in Mitte Programmieren

Kinder lernen in der "Digitalwerkstatt" in der Linienstraße in Mitte Programmieren

Foto: Maurizio Gambarini

Berlin. Kinder auf die Digitalisierung vorzubereiten, soll seit Langem oben auf die Bildungsagenda. Schon Wirklichkeit ist dieser Plan in der "Digitalwerkstatt" in Berlin-Mitte. Dort bietet das Team rund um Leiterin Julia Eckhoff und Melanie Dries einen frühen Einstieg in den Umgang mit digitalen Medien und zeigt die ersten Schritte beim Programmieren. Um nicht nur bei Berliner Kindern, sondern bei Schülern deutschlandweit Verständnis für neue Technologien zu fördern, hat die "Digitalwerkstatt" nun eine Erweiterung des Projekts vorgestellt: die "Digitalwerkstatt"-Box.

Monatlich ist jeweils eine Box für die Altersgruppen von fünf bis sieben und von acht bis zehn Jahren geplant, die in Zusammenarbeit von Informatikern, Pädagogen, Programmieren und Lehrkräften erarbeitet wurde. Durch den Versand der Boxen hätten Kinder - unabhängig von ihrem Wohnort - die Möglichkeit, sich an Tüftel- und Programmierprojekten auszuprobieren, sagt Julia Eckhof.

Die "Digitalwerkstatt" will Kinder zum Programmieren ermutigen

Dabei bleibt auch immer der Bezug zur nicht-digitalen Welt erhalten. Denn die Tüftelprojekte sind ganz ohne technisches Gerät zu bewältigen. Dafür sind Handfertigkeit und Kreativität gefordert. Schließlich geht es dem Team der "Digitalwerkstatt" nicht darum, fernab von jeder Lebenswirklichkeit Kinder an das Programmieren heranzuführen, sagt Eckhof. Vielmehr wolle man die wachsende Relevanz von Digitalisierung ernst nehmen und Kinder darauf vorbereiten. Oder diejenigen fördern, die bereits Spaß daran hätten.

Zwischen Spaß, Teamarbeit und Lernen bewegt sich das Konzept des Berliner Teams: Wer einen Fehler macht, wird ermutigt, es einfach noch einmal zu probieren. Schließlich ist es das Ziel, das junge Publikum spielerisch für Digitalisierung zu sensibilisieren. Doch die "Digitalwerkstatt" soll nicht nur den Kindern Spaß bieten, sondern auch Lehrer und Eltern ansprechen. So gibt es Workshops für Schulklassen, aber auch für Großeltern und Enkel.

Crowdfunding-Kampagne für "Digitalwerkstatt"-Box

Neben zwischenmenschlicher Vernetzung und Teamgeist ist Julia Eckhoff ein sinnvoller Umgang mit neuen Technologien besonders wichtig. Gleichzeitig betont sie: „Digitalisierung ist ein Teil unseres Lebens, aber auch nur ein Teil“. Jedoch einer, der zu wichtig für die Zukunft sei, als dass man ihn ignorieren könnte. Aus diesem Grund sieht auch Gründerin Verena Pausder neben dem Spaßfaktor insbesondere einen Bildungsauftrag in dem Projekt. „Brücken bauen und alle teilhaben zu lassen“, so fasst sie die Aufgabe der "Digitalwerkstatt" zusammen. Denn letztendlich sei auch digitale Bildung eine Frage finanzieller Mittel. Und zu Zeiten eines deutlich spürbaren Umschwungs von analogen zu digitalen Medien wichtiger denn je.

Die Relevanz, Kinder an das Phänomen „Digitalisierung“ heranzuführen, erkannte die 39-Jährige bereits vor zwei Jahren, als sie die Digitalwerkstatt gründete. Ihre zwei Söhne besuchten zum damaligen Zeitpunkt die erste und dritte Klasse. Und als eine unter vielen Mütter fragte sich Verena Pausder: „Wie soll Schule aussehen, damit meine Kinder auf morgen vorbereitet sind?“. Auf die Feststellung, dass Kinder doch bereits im Alltag durchaus einen Bezug zur Digitalisierung hätten, kontert sie: „Aber wie bringen wir den Kindern bei, dass Sie Gestalter dieser Welt und nicht nur Konsumenten sind?“.

Im Rahmen der Digitalwerkstatt will man nicht nur mit sozialen Ungleichheiten aufräumen, sondern auch ein digitales Bewusstsein schaffen. Vor allem Mädchen sollen von früh auf im Umgang mit digitalen Themen gefördert werden. Denn in der IT-Branche mangelt es wie in kaum einem anderen Berufsfeld an weiblichen Fachkräften. Egal ob aus Wien, Prag oder Zürich, die Rückmeldungen zu dem Projekt fielen durchwegs positiv aus, sagt Pausder. Doch vorerst konzentriere man sich auf Deutschland. Sie hofft, mit der Digitalwerkstatt-Box noch mehr junge Leute für Digitalisierung begeistern zu können. Dabei helfen soll auch eine Crowdfunding-Kampagne, die noch bis November bei Startnext online läuft.

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