Klassische Musik

Flashmob: 1300 Musiker spielen Verdi in der Mall of Berlin

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1300 Laienmusiker spielen beim Mitmach-Konzert des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin unter Leitung von Robin Ticciati in der Mall of Berlin

1300 Laienmusiker spielen beim Mitmach-Konzert des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin unter Leitung von Robin Ticciati in der Mall of Berlin

Foto: Paul Zinken / dpa

Zum vierten „Symphonic Flashmob“ kamen mehr Laien und Profimusiker als je zuvor zum Potsdamer Platz.

Wie begeistert man Menschen für klassische Musik? Eigentlich ist es ganz einfach: Indem man sie selbst spielt. Im besten Falle gemeinsam. Mitspielen, mitsingen oder wenigstens leise mitsummen – in Berlin ist das immer öfter auch bei klassischen Orchestern ausdrücklich erwünscht. Es gibt Mitsing-Chöre, Pop-Up-Proben – und seit vier Jahren als größte Veranstaltung den „Symphonic Flashmob“ des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin (DSO).

Auf der „Piazza“, dem überdachten Hof der Mall of Berlin an der Leipziger Straße, kamen am Sonntag rund 1300 Laien- und Profimusiker zusammen, um gemeinsam zu proben und ein Konzert zu geben. Weder Regen und Kälte hielten die Musikfans ab, im Gegenteil: Die Veranstalter meldeten eine Rekord-Teilnahme. Und listeten die vertretenen Instrumente auf: Neben 180 (!) Violinen, 80 Celli und sieben Kontrabässen war auch ein ganze Akkordeongruppe vertreten.

Dazu sechs Perkussionisten, ein Amboss, der hier mit einem Haushalts-Hammer geschlagen wurde, eine erstaunliche Anzahl Blockflöten und viele mehr. Die jüngste Musikerin war sechs, der älteste 84 Jahre alt. „Die Idee des Flashmobs ist, Laienmusikern die Gelegenheit zu geben, mit Profis zu aufzutreten“, sagt Benjamin Dries, Sprecher des DSO. Das erste Mal gab es einen solchen „Flashmob“ 2014 zum Tag der offenen Tür im Auswärtigen Amt. Seitdem hat sich die Teilnehmerzahl fast vervierfacht. Seit 2015 ist die Mall of Berlin Veranstaltungsort. Eine schöne Kulisse – akustisch aber eine Herausforderung. Diesmal sang erstmals auch der Rundfunkchor Berlin mit, samt lautstarker Bariton-Gruppe – Verstärkung im Wortsinn.

„Hier kann man einmal in der Masse so richtig loslegen“

Wie übt man mit 1300 Menschen anspruchsvolle Passagen aus „Peer Gynt“ (Edvard Grieg) oder das „Patria oppressa“, den Chor der Flüchtlinge aus Verdis „Macbeth“? Im Vorfeld gab es bei der Anmeldung Noten zum Herunterladen. Den Feinschliff vermittelte Dirigent Robin Tacciati vom Podium per Lautsprecher, mit viel Gestik und Spaß. Der 35-jährige Brite mit italienischen Wurzeln ist Chefdirigent und Künstlerischer Leiter des DSO. Inzwischen lernt er Deutsch und bedient sich seiner Sprachen so lustvoll wie seine Musiker ihrer Instrumente. „Blech, bitte, crrrrescendo! Vorn bitte viel mehr electric! Ja, fantastic!“ Der Spaß übertrug sich nicht nur auf die Musiker, sondern auch ins Publikum, das sich beim Konzert auf den Balkonen drängelte – andächtig lauschend.

Unter den Mitwirkenden waren Schüler von der Johann-Georg-Elser-Schule, die Triangeln und andere Percussion-Instrumente mitbrachten. Es kamen Chorsänger, die sonst in anderen Chören singen, „aber hier kann man einmal in der Masse so richtig loslegen“, wie eine Chorsängerin sagte. Und mancher ist durch den Flashmob überhaupt wieder zur Musik gekommen. „Ich habe als Kind Geige gespielt, dann 30 Jahre nicht mehr“, so Arnd Henze, im Hauptberuf Fernsehjournalist. 2014 holte er für den ersten Flashmob die Geige wieder hervor. „Jetzt spiele ich wieder regelmäßig und sogar auch schon mit meiner sechsjährigen Tochter.“

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