Umstrittenes Kunstprojekt

Offener Brief: Scharfe Kritik am Berliner Mauer-Projekt DAU

Die Publizistin Lea Rosh wendet sich gegen die Errichtung der Mauer. Am heutigen Donnerstag will sie den offenen Brief veröffentlichen.

Die Mauer am Kronprinzenpalais in der Simulation

Die Mauer am Kronprinzenpalais in der Simulation

Foto: Maurizio Gambarini, Montage BM

Berlin. Die Kritik am umstrittenen Kunstprojekt DAU, für das in Mitte ein Replikat der Berliner Mauer aufgebaut werden soll, wächst. Inzwischen haben mehr als 60 prominente Kunstschaffende und Historiker einen offenen Brief der Publizistin Lea Rosh unterschrieben, den sie am heutigen Donnerstag veröffentlichen will. Darin richten sich Rosh und ihre Mitstreiter insbesondere gegen die Mauer, die entlang des Boulevards Unter den Linden entstehen soll. „Der Zuspruch für unser Anliegen ist groß und hat in den letzten Tagen viel Zulauf bekommen“, sagte Rosh der Berliner Morgenpost. „Wir brauchen keine Mauer. Wir brauchen nicht die Erfahrung von Knast – das war lange bitterer Ernst in Berlin, die Mauer ist kein Event-Spielzeug!“

Neben ihr haben zahlreiche bekannte Persönlichkeiten den Brief unterschrieben, darunter der Kunstsammler Heiner Pietzsch, die frühere Bildungssenatorin Sybille Volkholz, der Literaturhistoriker Conrad Wiedemann, der Verleger Klaus G. Saur, Kunstmäzen Gernot Moegelin, Hubertus Knabe, Leiter der Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen, der US-Historiker Michael Cullen, die Schauspielerin Barbara Schnitzler sowie die frühere Stasi-Unterlagen-Beauftragte Marianne Birthler (Grüne) und die Direktorin der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Anna Kaminsky. „Wir richten uns mit dem Brief an den Senat und den Bezirk Mitte“, so Rosh weiter. „Sie sollen die Mauer stoppen.“

FDP ist ebenfalls gegen den Mauerbau mitten in der Stadt

Auch abseits der Unterzeichner beklagen immer mehr Leute die Geschmacklosigkeit der Mauer. Der kulturpolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Florian Kluckert, wird besonders deutlich. „Zunächst einmal ist der Ort des Events völlig falsch gewählt“, sagt er. Er habe kein Problem damit, wenn die Organisatoren die Mauer „irgendwo in Brandenburg“ errichteten. Alternativ könnten die Organisatoren auch eine alte Fabrikhalle oder ein Gelände anmieten, wo Anwohner nicht belästigt würden. „An diesem historischen Standort aber weckt sie viele schlechte Erinnerungen. Für die Opfer der echten Mauer und der SED-Diktatur ist das ein Schlag ins Gesicht. Eine Mauer mitten in der Stadt will ich nicht.“ Wenn überhaupt sollte man einen Zaun bauen, der optisch nicht der Berliner Mauer ähnelt.

Christian Sachse von der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) ist ebenfalls gegen das Projekt. „Ich befürchte, dass eine pädagogische Aufarbeitung der SED-Diktatur der DDR beim DAU-Projekt zu kurz kommt“, sagt er. Und auch den Bezirkspolitikern in Mitte scheint DAU nicht mehr ganz geheuer zu sein. Die SPD hat einen Antrag fürs Bezirksparlament geschrieben, in dem sie das Bezirksamt auffordert, das Projekt zu verhindern. Die Grünen erwägen ebenfalls, sich gegen das Projekt zu stellen.

Die zuständige Bezirksstadträtin Sabine Weißler (Grüne) betonte am Mittwochabend im Verkehrsausschuss des Bezirks Mitte, das Bezirksamt habe noch nicht entschieden, ob das Projekt genehmigt oder versagt wird. Mängel wiesen die Pläne etwa noch im Bereich der Flucht- und Rettungswege auf. Diese seien „noch nicht auf dem Stand einer Großveranstaltung“. Das Bezirksamt erreichten zudem viele Beschwerden von Anwohnern zum Projekt. Kritische Äußerungen der Organisatoren gegenüber den Behörden nannte sie „nicht respektvoll“.

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