City West

Geheimnisvoll: Der Ammonitenbrunnen am Zoo-Aquarium

Überall in der City West gibt es kleine Schätze, hinter denen manchmal eine durchaus große Geschichte steckt.

Von Queen Elizabeth II. persönlich eingeweiht: der Ammonitenbrunnen

Von Queen Elizabeth II. persönlich eingeweiht: der Ammonitenbrunnen

Foto: Sofia Mareschow

Tiergarten. Fröhliches, lautstarkes Kinderlachen, dazwischen gelegentlich mahnende Rufe besorgter Eltern. Ausgelassen, fast übermütig flitzen die Kleinen über die scheinbar chaotisch aufgetürmten Steinplatten, die eine winzige Felsenlandschaft bilden: wild, zerklüftet, ein wenig geheimnisvoll. An manchen Tagen ist so richtig was los auf dem Olof-Palme-Platz. Dabei ist der Ammonitenbrunnen vor dem Zoo-Aquarium, zweckentfremdetes Kletterparadies und herrliches Versteck, kein Abenteuerspielplatz. Und auf Erwachsene wirkt die eigenwillige, 2,50 Meter hohe, einen halben Meter unter dem Straßenniveau versenkte Kunst-Installation aus Schiefer, Bronze und Granit eher überraschend, gar ein wenig provokant, ja irritierend.

Gegenläufige Spiralbewegung

Scheinbar wahllos dahingeworfen, hat das graphitfarbene Gebilde dennoch eine Struktur nach ausgeklügeltem Konzept: eine symbolische Landschaft als kompaktes Abbild gewaltiger urzeitlich-geologischer Vorgänge der Erdgeschichte. Die in gegenläufiger Spiralbewegung aufgetürmten Blöcke, zwischen denen Wasser rinnt, sollen in ihrem Aufbau an versteinerte, vor über 60 Millionen Jahren ausgestorbene Kopffüßer, so genannte Ammoniten, erinnern. Felsspalten bieten Unterschlupf für 13 amphibische, bizarr geformte Bronzeskulpturen, die aussehen wie Fossilien urzeitlicher Geschöpfe.

Zweifellos birgt das 1987 anlässlich der 750-Jahrfeier Berlins von Queen Elizabeth II. höchstpersönlich eingeweihte Werk des Bildhauers Volker Bartsch viel Freiraum für Phantasie und ganz besonderes Inspirations-Potential. Wohl auch für jene Diebe, die 2013 gleich drei der insgesamt 165, je 20 Kilogramm schweren, aus den Tiefen eines Stollens im Sauerland gehobenen Steinplatten entwendeten.

Dank einer Bürgerinitiative und eines Sponsors im Jahr darauf restauriert und gesäubert, ist das Rondell, von Bänken umsäumt und von der Straße abgeschirmt, wieder beliebter Ort zum Verweilen, zum Abstand gewinnen vom Hier und Jetzt. Eine kleine Parallelwelt, ein kleines Stück Ewigkeit inmitten geordneter Stadtarchitektur, Hektik und dem allgegenwärtigen Straßenlärm.

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