Einheitswippe

Neue Aufregung wegen Einheitsdenkmal vor dem Schloss

Berlins Landesdenkmalamt äußert Bedenken wegen der Entfernung von Mosaiken. Die Planer der begehbaren Waage widersprechen vehement.

Einheitsdenkmal - graphische Darstellung

Einheitsdenkmal - graphische Darstellung

Foto: dpa Picture-Alliance / Milla & Partner / picture alliance / dpa

Berlin. Um das auf der Schlossfreiheit in Mitte geplante Freiheits- und Einheitsdenkmal gibt es neue Aufregung. Wie die für den Denkmalschutz zuständige Senatskulturverwaltung der Berliner Morgenpost bestätigte, hat das Landesdenkmalamt in einer Stellungnahme Bedenken gegen das Denkmal geäußert. Die Stellungnahme wurde notwendig, weil die 2015 erteilte Baugenehmigung Anfang Oktober ausläuft. Für die Verlängerung ist die Stadtentwicklungsverwaltung zuständig.

Wie berichtet ist das Denkmal als große, begehbare Waage konzipiert. Das kinetische Objekt mit dem Titel „Bürger in Bewegung“ neigt sich, wenn sich eine Besuchergruppe auf der Fläche darauf verständigt, gemeinsam in eine Richtung zu gehen. Es enthält die Inschrift „Wir sind das Volk. Wir sind ein Volk“. Der Entwurf stammt vom Stuttgarter Gestalterbüro Milla & Partner und symbolisiert die Montagsdemos und die friedliche Revolution in der DDR. Die Waage soll auf dem denkmalgeschützten Sockel des früheren Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmals errichtet werden.

„Übergeordnetes öffentliches Interesse“

Die fachlichen Bedenken der obersten Berliner Denkmalschützer sind allerdings im Grundsatz nicht neu. Bereits 2015 hatten sie diese ins Feld geführt. Sie wurden aber wegen eines sogenannten übergeordneten öffentlichen Interesses zurückgestellt. Damit sind mehrere Beschlüsse des Bundestages zum Bau des Denkmals und des Standortes gemeint.

Dem Vernehmen nach richten sich die Bedenken gegen die Entfernung von Mosaiken des alten Kaiser-Wilhelm-Denkmals aus dem Sockel und die Gründung des neuen Bauwerks. Planer Johannes Milla widerspricht vehement dem Verdacht, die Gründung könnte unzureichend sein. Der schwierige Berliner Baugrund sei bekannt, alle Fragen dazu seien berücksichtigt. Das Denkmal werde von sieben jeweils 40 Meter langen Pfeilern getragen. Seit der ersten Genehmigung hätten sich weder die Planung noch der Baugrund verändert. Und zu den Mosaiken gebe es längst eine Vereinbarung zwischen Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) und dem Land Berlin. Die Mosaike seien ausgebaut und lägen in einem Zwischenlager, bis ein geeigneter Ort für sie gefunden ist.

Kulturverwaltung stellt sich nicht gegen den Bundestag

Die Senatskulturverwaltung respektiere trotz ihrer Kritik an dem Denkmalentwurf den Beschluss des Bundestages und stelle sich ihm nicht entgegen, betonte ein Verwaltungssprecher. Es sei abzuwägen, wie gravierend die Bedenken der Denkmalschützer seien. Die Stadtentwicklungsverwaltung erklärte, die Stellungnahme des Landesdenkmalamtes werde noch ausgewertet, einen Zwischenstand gebe es nicht.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) wünscht sich einen baldigen Baubeginn für das Freiheits- und Einheitsdenkmal. Ihr Sprecher Hagen Philipp Wolf sagte, „der Bund geht weiter davon aus, dass die bestehende Baugenehmigung verlängert wird“. Zudem soll Ende dieses Monats im Haushaltsausschuss des Bundestages das Geld für den Bau des Denkmals freigegeben werden. Im Bundesetat sind 17 Millionen Euro vorgesehen.

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