Kunstprojekt DAU

Berliner Mauer-Projekt: Macher verraten erstmals Details

Für das Kunstprojekt Dau soll in Mitte die "Berliner Mauer" aufgebaut werden. Erstmals verraten die Organisatoren Näheres.

Die Mauer am Kronprinzenpalais in der Simulation

Die Mauer am Kronprinzenpalais in der Simulation

Foto: Maurizio Gambarini, Montage BM

Berlin. Bislang gehörte das Geheime zum Konzept. Die Macher des umstrittenen Kunstprojektes DAU, bei dem in Mitte eine Replik der Berliner Mauer aufgebaut werden soll, ließen sich bis zuletzt kaum in die Karten gucken, wenn es darum ging, was genau sie vorhaben. Nur häppchenweise sickerten Informationen durch. Zuletzt hieß es Berichten zufolge etwa, dass statt der maximal 15.000 Besucher täglich nur rund 4000 das abgesperrte Areal am Boulevard Unter den Linden betreten dürften.

Nach der Kritik und den Vorbehalten seitens der zuständigen Bezirksbehörden aber gehen die Organisatoren von den Berliner Festspielen nun in die Offensive und erklären auf ihrer Webseite, welche Auswirkungen die Installation für die Anwohner hat – und welche Gebäude das betroffene Gebiet nun umfasst. „Wir hoffen, mit unserem Entgegenkommen zur Lösung offener Fragen beizutragen“, sagte Festspiele-Intendant Thomas Oberender. Die Berliner Morgenpost fasst die wichtigsten offiziellen Informationen zusammen:

Die Idee: Rund um das Kronprinzenpalais am Boulevard Unter den Linden soll für vier Wochen wieder eine Mauer errichtet werden. „Sie ist eine baugleiche Rekonstruktion der originalen Berliner Mauer“, heißt es auf der Webseite. Insgesamt soll die Mauer aus rund 430 Segmenten zusammengesetzt werden, wie der „Tagesspiegel“ berichtet. Vom 14. Oktober bis zum 9. November soll auf diese Weise eine vom Rest Berlins abgetrennte „Stadt in der Stadt“ für das Kunst- und Sozialprojekt DAU entstehen. Unter anderem sollen die Gäste in dem Areal spüren, wie sich Freiheitsverlust und das Leben in totalitären Systemen anfühlen. Am letzten Tag des Events soll die Mauer eingerissen werden. Kern der Kunstinstallation ist die Vorführung des DAU-Films von Regisseur Ilya Khrzhanovsky von 2009. Die Installation steht unter dem Motto „Freiheit“ und ist der erste Teil einer Trilogie: Unter dem Titel „Brüderlichkeit“ soll sie am 23. November in Paris und Anfang 2019 unter dem Titel „Gleichheit“ in London fortgesetzt werden.

Das Gelände: Das Areal umfasst den Berliner Festspielen zufolge das Gebiet von der Kommandantur bis zur Staatsoper. Die Mauer verlaufe entlang der Straße Unter den Linden bis zur Französischen/Werderschen Straße und vom Spreekanal bis zum Bebelplatz. Die Hedwigskathedrale, ursprünglich Teil des Areals, gehört nicht mehr dazu. Zugang zu dem Gelände ist die Tiefgarage unter dem Bebelplatz. „Hauptspielstätte“ von DAU ist demnach das Kronprinzenpalais, wo auch der DAU-Film gezeigt wird. Jedoch spielten auch die von der Mauer umschlossenen Nachbargebäude eine Rolle: Unter anderem werde auch der Schinkel-Pavillon und die Bauakademie bespielt. Zwischen den Gebäuden werde eine Fußgängerzone eingerichtet, lediglich Anwohner und Mitarbeiter der eingeschlossenen Institutionen dürfen mit dem Auto hinein.

Einlass: Wer das Areal betreten will, muss im Internet ein kostenpflichtiges Visum beantragen. Die „Visums-Ausgabestelle“ befinde sich auf dem Parkdeck 1 der Tiefgarage unter dem Bebelplatz, die für die Nutzung durch Autos während der gesamten Eventzeit gesperrt ist. Am Eingang müssen die Besucher auch ihre Handys abgeben. Dafür erhalten sie ein spezielles Smartphone ohne Netzempfang, das sogenannte DAU-Device.

Aufenthalt: Jeder Besucher soll in dem Gelände etwas anderes erleben. Möglich macht das das DAU-Device. „Durch dieses Gerät geht jeder Gast auf eine für ihn persönlich kuratierte Reise“, heißt es. Unter anderem führe das Telefon die Besucher zu Konferenzen und Lesungen in den Vorführräumen sowie zu geplanten Auftritten von Künstlern. „Alle Orte sind nur über Einladung durch das Device zugänglich“, schreiben die Berliner Festspiele.

Kunstinstallationen: „Es gibt keinen Veranstaltungskalender, aus dem die Besucher die Aktivitäten im Areal entnehmen können“, schreiben die Berliner Festspiele in ihrem Konzept. Auskunft gibt – individuell für jeden Besucher – lediglich das DAU-Telefon. Geplant sind neben der Filmvorführung etwa Theateraufführungen, Gespräche mit Seelsorgern und „wissenschaftliche Konferenzen“.

Aufenthaltsdauer: Das Visum regelt, wer wie lange in dem Gelände verweilen darf. „Ein Besuchervisum gewährt zweistündigen Zutritt zum Areal“, heißt es. „Ein Tagesvisum gewährt 24 Stunden Zutritt zum Areal sowie den Besuch der DAU-Veranstaltungen.“ Anwohner erhielten eine „kostenlose Ehrenstaatsbürgerschaft“.

Auswirkungen auf Anwohner: Wer innerhalb des Areals lebt, soll möglichst wenig von dem Kunstprojekt belastet werden. Für die Anwohner und deren Besucher gebe es Parkbereiche und spezielle DAU-Paten, die rund um die Uhr ansprechbar seien. Auch eine Hotline für Fragen werde eingerichtet. „Selbstverständlich ist, dass der Besucher- und Mitarbeiterverkehr der anliegenden Institutionen und Häuser ungehindert weiter funktioniert“, heißt es. Gleiches gelte für Notdienste.

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