Berlin im Wandel

Straßenumbau am Roten Rathaus startet eher

Zur Vorbereitung für das neue Stadtquartier in Mitte soll die Grunerstraße schon ab Frühjahr 2019 verlegt werden.

Berlin. Der Senat macht Tempo für eines der wichtigsten Stadtreparaturprojekte in Berlins Mitte. Schon im nächsten Frühjahr und damit ein Jahr eher als geplant sollen die Straßenbauarbeiten an der Grunerstraße beginnen. In deren Folge wird zwischen Rotem Rathaus und Stadthaus die unwirtliche Asphaltfläche mit Parkplätzen und überbreiten Straßenzügen einem gemischten Stadtquartier weichen.

Der historische Molkenmarkt, der älteste Marktplatz Berlins, wird wieder erstehen, wo heute unterhalb des Turms des Stadthauses Autos parken und bisweilen eine wenig beachtete Brunnenanlage neben verbrannten Grasflächen plätschert. An diesem Ort wurden schon vor der ersten Erwähnung Berlins (1244) und Cöllns (1237) Waren gehandelt. Der Name stammt wohl von einer dort ansässigen Meierei, die an der Stelle Milchprodukte verkaufte.

Abgeordnetenhaus soll Geld vorzeitig freigeben

Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) braucht für den vorgezogenen Baustart nun auch früher Geld vom Landesparlament. Darum soll das Abgeordnetenhaus 7,5 Millionen Euro vorzeitig freigeben, die bisher noch für die Jahre 2020 bis 2022 vorgesehen sind. Außerdem werden aus dem Budget für 2019 2,4 Millionen Euro benötigt. Damit die Vergabe der ersten Bauleistungen noch im Oktober starten kann, sei eine „Finanzierungszusage im September 2018 dringend erforderlich“, schreibt Günther an den für Finanzen zuständigen Hauptausschuss.

Insgesamt sind für den Straßenumbau 18 Millionen Euro vorgesehen. Zuletzt war man von 14 Millionen ausgegangen, die aber wegen der erwarteten steigenden Baukosten über die Jahre nicht ausreichen werden. Die Bauzeit soll etwas mehr als fünf Jahre betragen. Laut Günthers Sprecherin bestehe ein „hohes stadtpolitisches Interesse“, das Projekt Molkenmarkt schnell zu realisieren. Die Pläne für einen Rückbau der überdimensionierten Verkehrsflächen reichen zurück bis ins Jahr 1999. Seit 2016 gilt ein entsprechender Bebauungsplan.

Im Planungsverlauf seien nun „Synergieeffekte“ erzielt worden, sodass sich der Planungsverlauf gegenüber der ursprünglichen Annahme schneller entwickelte als erwartet, heißt es aus dem Hause Günther. Denn mit den Straßen müssen auch die darunter verlaufenden Leitungen verlegt werden, weswegen die Berliner Wasserbetriebe an dem Projekt mitarbeiten und einen Teil der Kosten tragen.

Um das gewünschte Mischgebiet mit Wohnungen, Büros und einer Schule realisieren zu können, muss erst die Bundesstraße B1, also die Grunerstraße, in den Verlauf der Gustav-Böß-Straße an die südliche Front des Roten Rathauses heranrücken und dann in die Spandauer Straße einmünden. Erst nach der Verlegung kann die bisherige Straßenfläche entwidmet werden und der Bau von Häusern beginnen.

Autofahrer, die in Richtung Mühlendammbrücke und Leipziger Straße fahren oder von dort nach Osten wollen, müssen also einen Kurve steuern und einmal abbiegen, anstatt wie heute gerade durchfahren zu können. Dass dabei nur noch sechs statt bisher acht Fahrspuren übrig bleiben, hatte zu Protesten des Automobilclubs ADAC geführt. Ungeachtet dessen hatte noch der frühere Senat aus SPD und CDU die Umbaupläne beschlossen.

Land will Baugrundstücke nicht mehr verkaufen

Unter Günthers Vorgänger Andreas Geisel (SPD) galt jedoch die Maxime, dass am Molkenmarkt erst gebuddelt wird, wenn die U-Bahn-Baustellen auf der auch in Ost-West-Richtung verlaufenden Straße Unter den Linden sowie am Roten Rathaus fertig sind. Davon ist Günther inzwischen abgerückt.

Die Verkehrssituation in der Umgebung habe sich bereits deutlich verbessert, die U-Bahnbaustelle am Roten Rathaus sei schon deutlich reduziert. Zudem werde der Verkehr zwischen Mühlendamm und Grunerstraße auch während der Bauzeit auf zwei Spuren je Richtung weitergeführt.

Eine weitere wesentliche Neuerung im Vergleich zu den früheren Plänen ist der Verzicht darauf, die neu geschaffenen Baugrundstücke zu verkaufen. Statt privater Investoren sollen „überwiegend“ städtische Gesellschaften die neuen Gebäude errichten, wie die Sprecherin von Senatorin Günther mitteilte. Insgesamt sollen 27.000 Quadratmeter Fläche neu bebaut werden.

Entlang der dann schmaleren Grunerstraße werden Bäume gepflanzt, Radstreifen und Gehwege angelegt. Die Klosterstraße und die Jüdenstraße werden bis zur Grunerstraße verlängert. An den Kreuzungen soll es Ampeln geben, die das gefahrlose Queren der Hauptverkehrsachse ermöglichen.

Bisher ist es nur unter Schwierigkeiten möglich, über die breite Schneise zu kommen, zumal oft Autos mit hoher Geschwindigkeit aus dem Tunnel Alexanderplatz kommen. Dieser Bereich stehe als „Unfallschwerpunkt“ im Fokus der Unfallkommission, schreibt Senatorin Günther den Abgeordneten. Auch daher sei ein möglichst zeitnaher Baubeginn geboten.

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