120 Jahre Morgenpost

Leser der Berliner Morgenpost zu Besuch in Bellevue

24 Morgenpost-Leser haben als Gewinner einer Leseraktion exklusiv den Sitz des Bundespräsidenten besichtigt.

Morgenpost Leser zu Besuch im Schloss Bellevue

Morgenpost Leser zu Besuch im Schloss Bellevue

Foto: Amin Akhtar

Berlin. Im Zentrum Berlins, unweit der Siegessäule, des Reichstagsgebäudes und des Brandenburger Tors, am Nordrand vom Tiergarten und direkt an der Spree liegt das Schloss Bellevue. Seit 1994 dient es als erster Amtssitz des Bundespräsidenten. Und ist für die Öffentlichkeit nur an ausgewählten Terminen zu besichtigen. Umso größer war die Freude bei 24 Lesern der Berliner Morgenpost, die anlässlich des 120. Geburtstags der Zeitung exklusiv eine zweistündige Führung durch das Stadtschloss gewonnen hatten.

Erster Besuch im Schloss

„Ich habe noch nie etwas gewonnen“, erzählt Margrit Schittkow aus Spandau, die gemeinsam mit ihrem Ehemann Bernd zu den Gewinnern der Verlosung zählt und am Dienstagvormittag einen Blick in den Amtssitz des ersten Mannes in der Bundesrepublik werfen durfte. Natürlich kennt sie das Schloss – aber eben nur von außen. „Vorbeigefahren bin ich schon zigmal“, erzählt die gebürtige Berlinerin. „Und dann habe ich mich immer gefragt, wie es wohl von innen aussieht.“ Diese Neugier konnte nun gestillt werden. Und die Besichtigung hielt einige Überraschungen parat. So erfuhren die Leser beispielsweise, dass die Kunstwerke, die im Schloss stehen und hängen, nur Leihgaben sind. Trotzdem: „Wir durften uns auf jeden Stuhl setzen und jeden Teppich betreten. Ganz anders als in einem Museum.“

Vor dem Besuch war Margrit Schittkow ehrfürchtig, wie sie erzählt. „Wir haben Räume gesehen, die man sonst nur aus dem Fernsehen kennt“, berichtet sie hinterher und erinnert sich an den Rücktritt des ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff. „Wir waren dort, wo er vor ein paar Jahren erst gesagt hat, dass er nicht mehr weitermacht.“ Und auch in das Büro des heutigen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier durften sie einen Blick werfen. Fazit: „Das nutzt er wohl nur zu repräsentativen Aufgaben. Dort steht ja noch nicht mal mehr ein Computer.“

Wie dem Ehepaar Schittkow ging es den meisten der Gewinner der Leseraktion dieser Zeitung. Kaum einer war zuvor bereits einmal im Schloss Bellevue – obwohl sie allesamt Berliner sind oder seit Jahren in der Hauptstadt leben. „Aber wann hat man schon mal die Möglichkeit, das Schloss zu besichtigen?“, fragt Wolfgang Bender, der mit seiner Frau Eva zwei Tickets gewonnen hatte. Er freute sich besonders darauf, während der exklusiven Führung mehr über die Architektur und die Geschichte des Hauses zu erfahren. „Das ist schon ein Highlight zu sehen, wie der Bundespräsident lebt“, sagt er.

Tatsächlich hat der heutige Amtssitz eine bewegte Geschichte: Erbaut wurde das Schloss 1785/86 im Auftrag des jüngsten Bruders von Friedrich II., Ferdinand von Preußen, der es als Lustschloss nutzte. Während des Zweiten Weltkriegs wurde Bellevue im April 1941 von Bomben getroffen und brannte aus. Von 1954 bis 1959 wurde es schließlich als Amtssitz des Bundespräsidenten wieder aufgebaut. Jedoch kam nun die Teilung Deutschlands dazwischen – und erster Amtssitz des Bundespräsidenten wurde die Villa Hammerschmidt in Bonn. Erst nach der Wiedervereinigung und der Rückverlegung der Bundeshauptstadt zurück nach Berlin wurde Bellevue 1994 unter Richard von Weizsäcker wieder zum ersten Amtssitz des Staatsoberhauptes.

Bellevue ist nicht der Wohnsitz des Bundespräsidenten

„Roman Herzog war aber der einzige Präsident, der jemals dort gewohnt hat“, erzählt Eva Bender. Denn eigentlich lebt das Staatsoberhaupt in einer Dienstvilla im Südwesten Berlins. Begeistert war Bender vor allem auch von dem weitläufigen Schlossgarten, den die Gruppe ebenfalls besichtigen durfte. Sie erinnert sich, dass die Schlossführerin erklärte, dass der Park extra in Grün gehalten wurde – ohne Blumen. „Aber Frau Herzog legte schon Wert auf Blumen, ein paar gibt es also doch“, verrät Eva Bender.

Und noch ein Detail ist der Falkenseerin im Gedächtnis geblieben: „Die Fahne am Schloss ist immer gehisst, wenn Steinmeier in Deutschland ist und nicht nur, wenn er in Berlin ist. So hatte ich das eigentlich im Kopf.“ Einzige Ausnahme: Wenn der Bundespräsident auf seinem zweiten Amtssitz in der Villa Hammerschmidt ist – dann weht in Bonn die Fahne, und nicht in Berlin.

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