Architekur

Grüner schlägt Holz-Hochhaus für Alexanderplatz vor

Ein „leichtes“ Hochhaus soll den Konflikt zwischen Investor Hines und der BVG entschärfen, die ihren Tunnel gefährdet sieht

Auch Hamburg hat Pläne für eine 64-Meter-Holzkonstruktion. Sie würde in der Hafen-City entstehen

Auch Hamburg hat Pläne für eine 64-Meter-Holzkonstruktion. Sie würde in der Hafen-City entstehen

Foto: Störmer Murphy and Partners

Mit ihrem Hochhausprojekt am Alexanderplatz hatte die amerikanische Immobiliengruppe Hines bislang wenig Glück. Erste Pläne für den 150-Meter-Tower, der direkt an das Saturn-Kaufhaus anschließen soll, präsentierte Hines vor fünf Jahren. Nach einem Entwurf des Star-Architekten Frank O. Gehry sollte der Bau des 39-stöckigen Turms bereits 2015 beginnen. Doch daraus wurde nichts, weil die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) Bedenken anmeldeten, denn das Gebäude soll unmittelbar neben dem Tunnel der U-Bahnlinie 5 entstehen. Seitdem liegen die Pläne auf Eis.

Um Bewegung in die festgefahrenen Verhandlungen zu bringen, hat der grüne Abgeordnete Andreas Otto mit dem Berliner Architekten Tom Kaden einen innovativen Vorschlag unterbreitet: Ein Holzhochhaus. Ein Gebäude, das statt aus Stahl und Beton zu einem großen Anteil aus Holz besteht, ist signifikant leichter“, begründet der Politiker seinen Vorschlag. „Durch den Einsatz von Holz ist eine Reduzierung des Gebäudegewichts von einem Viertel bis einem Drittel möglich“, ergänzt Architekt Kaden, der in Berlin zahlreiche Holzhäuser gebaut hat – allerdings nicht höher als sieben Etagen.

Aktuell baut Kaden in Heilbronn ein zehngeschossiges Haus in Holzhybridweise, das rein formal bereits als Hochhaus gilt. „Aber nach dem gleichen Konstruktionsprinzip sind auch 150 Meter hohe Gebäude denkbar“, bestätigt Volker Schmid vom Institut für Bauingenieurwesen der TU Berlin. In Wien ist ein solches Hochhaus mit 24 Geschossen und 84 Meter Höhe bereits in Bau, in Hamburg steht in der Hafen-City ein 64 Meter hoher Holzturm mit 18 Stockwerken in den Startlöchern.

„Leuchtturmprojekt für das Bauen mit Holz“

„Das Holzhochhaus am Alexanderplatz könnte ein Leuchtturmprojekt für das Bauen mit Holz werden“, hofft Otto, der nach eigener Aussage bereits mit den Geschäftsführern des Unternehmens gesprochen hat. Diese seien zumindest „nicht abgeneigt“. Otto berichtet, dass es zwischen Hines und der BVG bereits den Entwurf einer Vereinbarung über Sicherungsmaßnahmen und Schadensersatz gibt, sollte im Falle von Rissbildungen der U-Bahnbetrieb in Bauphase und Anfangsjahren gestört werden. „Doch bisher ist noch nichts unterzeichnet, weil die Risikoeinschätzungen auseinandergehen“, sagt Otto.

Entscheidend für Setzungen und Rissbildungen sei, wie stark das neue Gebäude auf einen alten, im Erdboden eingebauten Betonsockel drücke. „Dieses Fundament war in den 30er-Jahren für ein zehnstöckiges Haus errichtet worden“, sagt Otto. Insofern sei bereits ein Fundament vorhanden. Von den Kosten her würde sich durch ein Hochhaus aus Holz nicht viel ändern. „Die Preiskategorie ist in etwa die gleiche“, sagt Kaden. Allerdings müsste man sich wohl von dem Entwurf des Star-Architekten Gehry verabschieden.

Erst im April hat die rot-rot-grüne Koalition die Genehmigungspraxis für Holzgebäude in der Berliner Bauordnung vereinfacht. „Holz ist ein nachwachsender Rohstoff, während Stahl und Beton nicht unendlich verfügbar sind“, sagt Otto, der nun auch das Gespräch mit der BVG suchen will.

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