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Zalando macht sich hübsch für's Kosmetik-Geschäft

Der Internethändler wagt sich nun an den Verkauf von Cremes und Schminke. Ein neues Kosmetik-Geschäft entsteht in Mitte.

Der Beauty-Store von Zalando in der Berliner Weinmeisterstraße soll im Sommer eröffnen

Der Beauty-Store von Zalando in der Berliner Weinmeisterstraße soll im Sommer eröffnen

Foto: Zalando

Berlin. Um zu zeigen, wie akribisch Zalando den Start des neuen Geschäftsbereiches vorbereitet hat, hält Claudia Reth einen durchsichtigen Beutel in die Höhe. „Beauty“ steht auf der Verpackung aus Luftpolsterfolie. Die neue Umhüllung, die Reth mit ihren Mitarbeitern entwickelt hat, soll verhindern, dass Produkte auslaufen oder kaputtgehen. Aber nicht nur mit der Verpackung geht der Berliner Internet-Versandhändler neue Wege: Seit März verkauft Zalando über seine Plattform auch Cremes, Seifen und Schminke. Die Kategorie „Beauty“ ist der erste neue Produktbereich seit sechs Jahren und soll dem Zalando-Geschäft im Kampf gegen den Giganten Amazon weiter Flügel verleihen.

Die Beauty-Produkte ergänzten auf natürliche Weise das Zalando-Sortiment, sagt Reth, während sie den Beutel wieder herunternimmt und in ihre Handtasche steckt. „Wir freuen uns darauf, unseren Kunden die Möglichkeit zu bieten, ihren Look mit den richtigen Beauty-Produkten zu vervollständigen“, erklärt die Zalando-Managerin. Damit das neue Geschäft ein Erfolg wird, muss Zalando aber zunächst die Schulbank drücken. Zwar hat sich der Onlinehändler Hilfe geholt: So sollen in den vergangenen Monaten etwa Manager des deutschen Parfüm-Krösus Douglas in den Berliner Zalando-Büros angefangen haben. Doch der zentrale Baustein der „Beauty“-Strategie ist eine Ladenfläche an der Weinmeisterstraße in Mitte. Das Geschäft soll in den kommenden Wochen umgebaut werden – und dann im Sommer als gewissermaßen neuartiger Kosmetiksalon eröffnen. Hier will Zalando Kontakt zur Zielgruppe aufnehmen.

Spiegel, Tische, Präsentationsflächen und Sitzecken sollen dann vor allem die junge Kundschaft anlocken. In dem Geschäft sollen aber nicht nur Kosmetika über den Ladentisch gehen. Zalando will auch Serviceleistungen wie Nagelpflege anbieten, dazu Schmink-Workshops und Gesprächsreihen mit Make-up-Experten.

Markt für Kosmetikprodukte ist 80 Milliarden Euro schwer

Den Weg über das stationäre Geschäft schlägt Zalando auch ein, weil der Verkauf von Kosmetikprodukten im Internet bislang noch recht unerschlossen ist. Das Berliner Unternehmen verspricht sich deswegen viel vom neuen Geschäftsbereich, immerhin ist der Markt rund 80 Milliarden Euro schwer. Langfristig sieht Zalando ein Umsatzpotenzial von mehreren Hundert Millionen Euro. Die Berliner reagieren mit dem neuen „Beauty“-Bereich auch auf den Druck von Amazon, dem mächtigen US-Rivalen mit weltweit rund 300 Millionen Kunden. Für Zalando, etwa 24 Millionen Kunden in Europa, werde es immer wichtiger, sich zu differenzieren, sagt Rubin Ritter, einer der Geschäftsführer des Internethändlers.

Amazon hatte zuletzt angekündigt, auch in Europa den Bereich Mode stark ausbauen zu wollen. Innerhalb der Branche wird der Schritt als ein Frontalangriff auf Zalando angesehen. Momentan sind die Berliner im europäischen Online-Modemarkt noch Marktführer. Derzeit gebe es auch kaum Überschneidungen zwischen den Sortimenten von Zalando und Amazon, sagt Ritter. Um die Führungsposition in Europa weiter auszubauen, haben Ritter und seine Kollegen ehrgeizige Ziele formuliert: Bis 2020 soll Zalando seinen Umsatz auf bis zu zehn Milliarden Euro verdoppelt haben.

Für die Aktionäre bedeutet das: Auch zehn Jahre nach der Gründung von Zalando wird es keine Dividende geben. Die Wachstumspläne sind teuer: Etwa 350 Millionen Euro will Zalando allein in diesem Jahr für neue Logistikzentren, den Vertrieb und Technik ausgeben. Auch bei diesen Themen gibt Amazon den Takt vor: Im vergangenen Jahr hatten die Berliner als Reaktion auf das Amazon-Angebot „Prime“ Zalando „Zet“ eingeführt. Bei dem Service, den Zalando Kunden in Berlin, Leipzig, Frankfurt und Hannover anbietet, werden die Waren zum Teil noch am Tag der Bestellung geliefert und Retouren abgeholt. Dabei arbeitet Zalando auch daran, die Zahl der Rücksendungen zu redzieren.

Die kostenlosen Retouren würden zwar Teil des Geschäftes bleiben, sagt Rubin Ritter. Allerdings fressen die Rücksendungen jedes Jahr einen Teil des Zalando-Gewinns auf. Handels­experten zufolge kostet jede Retoure fünf bis zehn Euro. Eine Lösung hat sich die Entwicklungsabteilung des Internethändlers bereits überlegt: Um den Kunden bessere Empfehlungen bei dem Kauf von Schuhen machen zu können, probieren jeden Tag mehrere Zalando-Mitarbeiter verschiedene Modelle an. Michele Mariane zieht so jeden Tag etwa 140 Paar Schuhe an und trägt danach ein, ob die Modelle von der tatsächlichen Größe abweichen.

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