Wedding

Zweifache Mutter überfällt aus Geldnot ihren Stammkiosk

Die 48-Jährige erklärte, sie habe kein Geld mehr gehabt, um ihrem Sohn Essen zu kaufen. Den Überfall beging sie mit einem Küchenmesser.

Frauen sind als Angeklagte vor Großen Strafkammern eher selten anzutreffen. Noch geringer wird die Zahl, wenn es um Gewalttaten wie schweren Raub geht. Und ein Novum ist es, dass sie ein Geschäft ausrauben, in sie seit Jahren Stammkundin sind. So geschehen durch Cumaziye B., die am Montag im Saal 704 des Moabiter Kriminalgerichts auf der Anklagebank saß.

Die 48-Jährige gab vor einer Großen Moabiter Strafkammer zu, am 29. Juni dieses Jahres in der Gottschedstraße in Wedding einen Kiosk ausgeraubt zu haben. Sie ist geschieden. Die 29-jährige Tochter hat schon eine eigene Familie. Der neunjährige Sohn lebt im Wechsel von 14 Tagen mal bei ihr mal beim Vater. Am 29. Juni sollte der Junge wieder zu ihr kommen. Aber das Geld sei mal wieder alle gewesen, so die Angeklagte. Sie habe nachts im Bett gelegen und fieberhaft nachgedacht, wie sie an Geld gelangen könne, weil sie dem Sohn doch was zu Essen kochen wollte. Und dann sei sie auf die fatale Idee mit dem Kiosk gekommen.

"Ich wusste noch nicht einmal, ob es ein Mädchen oder ein Junge ist“

Cumaziye B. musste nicht weit laufen. Ihre Wohnung befindet sich nur zwei Etagen über dem Kiosk. Sie wickelte um ihren Kopf ein Tuch, nahm einen Küchenmesser mit und machte sich auf den Weg.

Die 20-jährige Amina K.* erinnert sich vor Gericht, dass sie gerade in einem Nebenraum gestanden und gegen 5.15 Uhr die Klingel an der Eingangstür gehört habe. Dann sei alles sehr schnell gegangen. Sie habe die Gestalt gesehene und die Stammkundin zunächst noch nicht erkannt. „Sie war ja vermummt. Ich wusste noch nicht einmal, ob es ein Mädchen oder ein Junge ist“ , so die Zeugin. Das änderte sich, als es bei einem Handgemenge das Tuch verrutschte und sie das Gesicht der Räuberin sehen konnte.

Amina K. erlitt bei der Rangelei eine Verletzung an der Hand; und ihr wurde ein Büschel Haare ausgerissen. Sie habe große Angst gehabt, sagt sie unter Tränen. Die Räuberin hatte ja immer noch das Messer in der Hand. „Ich habe ihr gesagt, ich habe eine kleine Tochter, und dass sie sich das Geld nehmen könne.“ Als Cumaziye B. den Kiosk mit 190 Euro verlassen hatten, rief Amina K. weinend ihren Bruder Kerim* an und sagte ihm: „Ich bin überfallen worden, es war die Nachbarin.“

Cumaziye B. öffnete nicht und drohte nur von innen: Sie werde die Polizei rufen

Kerim K., Inhaber des Kiosk, wohnt nur wenige Auto-Minuten von seinem Geschäft entfernt. Er kam sofort und sah Cumaziye B. , wie sie oben aus dem Fenster schaute. Als er in den Hausflur ging, entdeckte er einen Zehn-Euro-Schein, den die Räuberin bei der Flucht in ihre Wohnung offenbar verloren hatte. Er klopfte gegen die Tür, aber Cumaziye B. öffnete nicht und drohte nur von innen: Sie werde die Polizei rufen.

Die kam dann auch wirklich. Allerdings, um Cumaziye B. abzuholen. Seitdem sitzt sie in Untersuchungshaft. Der Prozess wird am 25. Oktober fortgesetzt. (*Namen geändert)

Hinweis: In einer früheren Version hieß es, die Stammbäckerei der Angeklagten sei ausgeraubt worden. Dies wurde geändert.