Berlin

Verschönerungspläne sollen City West mehr Leben geben

Kinos, Gärten oder Märkte sollen Aufenthaltsqualität an Steinplatz, Bundesplatz, Olivaer Platz oder auch Mierendorffinsel verbessern.

Der Steinplatz in Charlottenburg wird umgestaltet

Der Steinplatz in Charlottenburg wird umgestaltet

Foto: joerg Krauthoefer#

Seit Monaten ist der Steinplatz von Baustellen an Hardenbergstraße gebeutelt. Doch auch sonst ist er kein Ort, an dem ein Aufenthalt in positiver Erinnerung bleibt. Selbst ohne Baugruben wirkt die Grünanlage abgeschottet und verwahrlost. Das stört auch Charlottenburg-Wilmersdorfs Stadtrat für Stadtentwicklung, Oliver Schruoffeneger (Grüne). Gemeinsam mit Anwohnern und anliegenden Geschäftsleuten hat er einen Plan entwickelt, der dem Platz ab Oktober ein neues Gesicht geben soll.

"Zur Hardenbergstraße hin werden die Sträucher sichtbar entholzt", sagt der Stadtrat, damit soll sich der Platz auch optisch zur gegenüberliegenden Universität der Künste (UdK) öffnen. Vorstellbar sei, dass der Platz dann auch von der UdK "bespielt" würde, sagt Schruoffeneger. Vielleicht mit wechselnden Skulpturenausstellungen oder mit Theater oder Konzerten, meint er. Ob eine kleine Bühne geplant sei? Schruoffeneger schüttelt den Kopf, an so etwas sei erst zu denken, wenn der Platz auch wirklich als kultureller Open-Air-Standort angenommen würde.

Größer und transparenter soll die Anlage werden. Die 16 Parkplätze, die bislang noch entlang der östlichen Seite wie eine Bucht in die Anlage ragen, werden im Herbst verschwinden, um dem Platz die gleichmäßige Form eines abgerundeten Rechtecks zu geben. Die neu entstehende Freifläche soll auch gastronomisch genutzt werden. Vielleicht in Kooperation mit dem Café "Filmbühne". Dass dafür über die Straße hinweg bedient werden müsste, sieht Schruoffeneger nicht als Problem: "Das wird ja Unter den Linden auch so gemacht." Neben einer kulturellen Nutzung soll der umgestaltete Platz mit einer Tischtennisplatte und Trimm-Geräten auch Möglichkeiten zur aktiven Freizeitgestaltung bieten.

Kino auf der Mittelinsel des Bundesplatzes

Der Steinplatz ist nicht einzige Stadtplatz, für den sich der Stadtrat mehr Leben wünscht. Der Bundesplatz hat durch das stete Bohren der örtlichen Bürgerinitiative bereits einige Veränderungen erfahren. Der "Angstraum" Parkplatz unter der Autobahn hat eine Beleuchtung bekommen und der Verkehr auf den Spangen ist seit einigen Monaten auf Tempo 30 reduziert worden. Im nördlichen Bereich auf Höhe der Tübinger- und Mainzer Straße sollen nach dem Abschluss der Sanierung des Straßentunnels im Frühjahr 2018 sogenannte Gehwegvorstreckungen die Querung für Fußgänger komfortabler machen. "Wir denken da vor allem auch an die Bewohner des Caritas-Seniorenwohnhauses, die sicherer auf den Platz in der Mitte gelangen können." Auf der ungenutzten Fläche im nördlichen Teil der Mittelinsel wollen Schruoffeneger und die Initiative Stadtgärten anlegen. "Wir sind glücklich über alles, was mehr Leben auf den Platz bringt", sagt die Sprecherin der Initiative, Sabine Pentrop.

Ein weiteres ihrer Wunschprojekte kündigt sich schon an: Stromkästen wurden aufgestellt, die Markthändler aus der Mainzer Straße wissen Bescheid. Am 7. September wird der Wochenmarkt erstmals auf der Mittelinsel des Bundesplatzes stattfinden. Doch Schruoffeneger will die Insel über dem Straßentunnel auch in den Abendstunden beleben. "Ich denke da an Open-Air-Filmvorführungen in Zusammenarbeit mit dem Bundesplatz-Kino. Ich habe da so ein Bild im Kopf, wie da Leute mit Kopfhörern in Liegestühlen sitzen und sich Filme ansehen", sagt er.

"Das Publikum hier ist anspruchsvoll", sagt Kino-Chef Peter Latta

Für Kino-Chef Peter Latta ist diese Vision zwar neu. "Mit uns hat der Stadtrat zwar noch nicht geredet", aber begeistern könne er sich durchaus für die Idee. Blockbuster stellt er sich für ein solches Angebot indes eher nicht vor, "das Publikum hier ist anspruchsvoll", sagt er. Man müsse erst einmal nachdenken, aber ihm schwebe für so ein Angebot eher gutes Arthouse-Kino vor.

Auch für den Rundweg rund um die Mierendorffinsel, der seit einigen Wochen mit Informationstafeln zu historischen und kulturellen Highlights des Viertels bestückt ist, hat Schruoffeneger Verschönerungspläne. "Das wird nicht in einem Jahr fertig sein, das kann sich in den nächsten zehn Jahren Stück für Stück entwickeln", sagt der Grünen-Politiker unbeeindruckt von der begrenzten Zeit einer Wahlperiode. Er will Künstler aus dem Ausland einladen, die den rund 3,5 Kilometer langen Rundweg in Etappen gestalten. Das könne auch in Kooperation mit der Jugendkunstschule geschehen, die ihren Sitz auf der Mierendorffinsel hat.

Nach Jahren des Planens und Streitens beginnt am Mittwoch, 2. August, nun der Umbau des Olivaer Platzes um 15.30 Uhr mit einem symbolischen Spatenstich. Ab Ende Oktober 2017 wird das Straßen- und Grünflächenamt die Grünanlage nach einem Entwurf des Dresdener Büros Rehwaldt Landschaftsarchitekten umgestalten. Er sieht vor, weite Teile des Platzes abzureißen und mit Wiesen und Sichtachsen neu zu gestalten.

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