Wie im "Horrorhaus"

Kameruner Straße: Mieter leben in Müll und Chaos

Die Zustände erinnern an das als „Horrorhaus“ bekannt gewordene Gebäude in Schöneberg.

So sah das "Horrorhaus" an der Grunewaldstraße in Schöneberg aus. An der Kameruner Straße in Wedding herrschen mittlerweile ähnliche Zustände (Archivbild)

So sah das "Horrorhaus" an der Grunewaldstraße in Schöneberg aus. An der Kameruner Straße in Wedding herrschen mittlerweile ähnliche Zustände (Archivbild)

Foto: Paul Zinken / dpa

Wedding.  Von außen macht das Wohnhaus an der Kameruner Straße Ecke Lüderitzstraße noch einen einigermaßen gepflegten Eindruck. Doch im Inneren des Eckhauses aus der Gründerzeit herrschen unhaltbare Zustände. Die etwa 120 Mieter in dem Eckhaus aus der Gründerzeit, darunter viele Familien mit Kleinkindern, "leben in prekären Verhältnissen", wie Familienstadträtin Sandra Obermeyer (parteilos/für die Linke) und Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) erklärten. Dies habe eine Begehung der Wohnaufsicht am Mittwoch bestätigt. Das Amt war von Nachbarn auf das Haus aufmerksam gemacht worden.

Die Kontrolleure stellten bei ihrem Rundgang fest, dass der Müll nicht abgeholt wird, dass Wasser durch die Decke tropft und dass das Haus von Ratten befallen ist. Eine Hausverwaltung, an die sich die Mieter wenden können, existiert zudem nicht. Den Mietern droht die Obdachlosigkeit, weil das Haus bald nicht mehr bewohnbar ist.

"Wir erwarten vom Eigentümer Santosh A., alles Erforderliche zu veranlassen, das Objekt in einen bewohnbaren Zustand zu versetzen", so Obermeyer und Gothe. Der Eigentümer, der die Immobilie geerbt hat, ist nach Informationen des Baustadtrates in Berlin bereits bekannt, weil auch in weiteren Wohnhäusern des Mannes chaotische Zustände herrschen. Das Bezirksamt Mitte, so Gothe weiter, habe versucht, mit dem Eigentümer ein klärendes Gespräch zu führen. "Doch diese Bemühungen verliefen bislang erfolglos", sagte der Baustadtrat der Berliner Morgenpost.

Man werde nun alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, die Missstände zu beseitigen. "Die bezirklichen Fachämter, insbesondere die Bau- und Wohnungsaufsicht, das Gesundheitsamt, das Amt für Soziales, das Jugendamt und das Bürgeramt haben eine Zusammenarbeit mit dem Ziel vereinbart, den Wohnraum zu erhalten und die Familien zu unterstützen", teilten Gothe und Obermeyer mit.

Zwangsverwaltung für Problemimmobilien

Unterstützung erhoffen sich die Stadträte dabei auch von der Senatsebene. "Der Senat erarbeitet ja gerade eine Strategie, um Dauerleerstand in Problemimmobilien im Zuge einer Zwangsverwaltung zu beenden", sagte Gothe. So etwas erhoffe er sich auch für Häuser, die zwar nicht leer stehen, aber deutlich verwahrlost seien.

Die hygienischen Zustände im Haus an der Kameruner Straße erinnern an das "Horrorhaus" an der Grunewaldstraße 87 in Schöneberg. Der Eigentümer hatte das sanierungsbedürftige Haus 2015 mit bis zu 200 Wanderarbeitern vor allem aus Bulgarien und Rumänien überbelegt – wohl auch, um die letzten regulären Mieter zu vertreiben. Müll, Lärm und Gewalt waren die Folge. Inzwischen sind die Wanderarbeiter aus dem Haus wieder ausgezogen, die Verhältnisse haben sich beruhigt.

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