Alexanderplatz

Putzaktion: Berliner sollen die Stadt auf Vordermann bringen

Bürgermeister und Gewerbetreibende wollen Bürger für mehr Sauberkeit gewinnen. Viel zu putzen gab es am Montag ausnahmsweise nicht.

Aufräumaktion am Alexanderplatz: Falk-Willy Wild, Schauspieler; Gabriele Maessen, Regional Director Azure Hotels; Beate Ernst, Vorsitzende von wirBERLIN e.V.

Aufräumaktion am Alexanderplatz: Falk-Willy Wild, Schauspieler; Gabriele Maessen, Regional Director Azure Hotels; Beate Ernst, Vorsitzende von wirBERLIN e.V.

Foto: Anikka Bauer

Berlin-Alexanderplatz – ein Ort, der sonst nicht durch seine Sauberkeit glänzt, präsentierte sich am Montagmorgen bei der Aufräumaktion "Welcome und Picobello" von seiner besten Seite. Während Mittes Bürgermeister Stephan von Dassel (Grüne), das Management und die Mitarbeiter des umliegenden Gastgewerbes sowie Mitglieder des Vereins "wirBerlin" symbolisch den Platz fegten, schlenderten Passanten mit kleinen Einkaufstüten und großen Kaffeebechern über das noch menschenleere Areal.

Viel zu putzen gab es für die rund 15 Teilnehmer an diesem Morgen nicht, das erledigten bereits die Mitarbeiter der Berliner Stadtreinigung (BSR). Dass der zentrale Platz in Mitte auch anders aussehen kann, weiß die Vorsitzende des Vereins "wirBerlin", Beate Ernst. "Natürlich ist es die Aufgabe der Politik, für ein sauberes und gepflegtes Stadtbild zu sorgen", sagte Ernst.

Doch bei dieser Mammutaufgabe komme es auch auf das Engagement der Bürger an. So sei es nur wenig hilfreich, Steuergeld für Reinigung der öffentlichen Plätze auszugeben, wenn nur wenige Minuten später Passanten ihren Müll rücksichtslos auf die Straße werfen, so wie es am Alexanderplatz oft der Fall sei. "Wie viel Steuergeld sollten wir denn noch zahlen? Wie oft sollte die BSR noch über den Platz fahren, um diesen Umstand auszugleichen?", fragte die Vereinsvorsitzende.

Neben Sauberkeit spielt auch Sicherheit eine große Rolle

Seit sieben Jahren engagiert sich der gemeinnützige Verein mit verschiedenen Kampagnen, Aktionstagen und Veranstaltungen für ein sauberes Berlin. Dabei appellieren sie an Bürger jeden Alters, Verantwortung für die Sauberkeit in ihren Kiezen, in Grünanlagen und auf öffentlichen Plätzen zu übernehmen. "Vor allem an einem so beliebten Anlaufpunkt wie dem Alexanderplatz glauben wir, dass die Anwohner mit guten Beispiel vorangehen können", so Ernst.

Dass der Alexanderplatz nicht nur mit dem Thema Sauberkeit zu kämpfen hat, weiß Bürgermeister von Dassel. "Mir ist bewusst, dass dieser Ort derzeit nicht mit positiven Schlagzeilen glänzt", sagte von Dassel bei der gemeinsamen Putzaktion am Montag. Neben der Sauberkeit spiele die Frage der Sicherheit eine große Rolle.

Die Anzahl der Gewaltdelikte, der Diebstähle und anderer Straftaten haben auf und um den Alexanderplatz trotz der erhöhten Polizeipräsenz in den vergangenen Jahren nicht abgenommen. "Wir planen die Anzahl der eingesetzten Beamten weiterhin zu verstärken", so von Dassel. Eine sogenannte Kombiwache von Berliner Polizei, Bundespolizei und Ordnungsamt mit einem 24-Stunden-Betrieb soll im Herbst dieses Jahres eröffnet werden, so der Grünen-Politiker.

Neue Konzepte kündigt der Bezirksbürgermeister auch bei der Pflege des Alexanderplatzes an. In Zusammenarbeit mit der BSR soll ein effizienterer Arbeitszyklus entwickelt werden. Neue Reinigungsmaschinen, die zunächst testweise zum Einsatz kommen, sollen die Arbeiten erleichtern.

Hoteliers wollen ein Zeichen gegen Verschmutzung setzen

Eine große Herausforderung sei aber die mangelnde Kommunikation zwischen Anwohnern und Gewerbetreibenden, so von Dassel. "Denkbar wäre ein Forum, das als Plattform zum Austausch zwischen den Bürgern, den wirtschaftlichen sowie den politischen Akteuren dienen könnte." Hierbei sei der Bezirk aber auf die Mitarbeit der Gewerbetreibenden angewiesen, so von Dassel. Umso mehr freue er sich über Initiativen wie "Welcome und Picobello".

Organisiert wurde der Aktionstag von der Hotelgruppe Azure, dem Betreiber des Hotels Indigo, des Holiday Inn und des One80° Hostels am Alexanderplatz. Als Gastgeber sei es dem Unternehmen wichtig, ein Zeichen gegen die Verschmutzung der Stadt zu setzten. Mit der Aufräumaktion wolle man nicht nur das Erscheinungsbild des Ortes verbessern.

"Wir glauben, wenn es uns gelingt, bei unseren Gästen, den Mitarbeitern sowie den Anwohnern ein größeres Bewusstsein im Umgang mit der Sauberkeit zu vermitteln, dass dann auch ein anderes Sicherheitsgefühl entstehen kann", so die Regionaldirektorin der Azure Hotels, Gabriele Maessen.

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