Tierischer Nachwuchs

Lippenbär im Berliner Zoo erkundet erstmals Außengehege

Noch etwas tapsig und schüchtern war der kleine Lippenbär im Gehege unterwegs. Schon bald soll er auch einen Namen bekommen.

Der kleine Lippenbär im Zoo Berlin: Kralle, Balou oder Schnute?

Mo, 27.03.2017, 17.19 Uhr

Der kleine Lippenbär im Zoo: Kralle, Balou oder Schnute?

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Alle Augen sind gespannt auf das kleine Tor im Felsen gerichtet. Langsam schiebt es sich nach oben, die Spannung steigt. Wird das kleine Lippenbär-Jungtier es wagen, erstmals sein Außengehege zu erkunden? Eine helle Nase schiebt sich durch die Öffnung, ein dicker Körper hinterher. Bärenmutter Kaveri geht voran, checkt die Lage und blickt sich um, so als wollte sie sagen: "Kannst kommen". Und tatsächlich huscht ein plüschtiergroßer Bär hinterher, mit flinken Pfoten und zunächst immer im Körperkontakt mit der Mutter.

Video von der Erstuntersuchung Ende Februar:

Der kleine Lippenbär – eine Bärenart, die an ihren langen, gut beweglichen Lippen zu erkennen ist – wurde am Heiligabend geboren. Mit gut drei Monaten war es jetzt an der Zeit, die Wurfhöhle zu verlassen. Im Vergleich zu seiner massigen Mutter ist er noch ein Winzling, höchsten acht Kilogramm schwer, schätzt Zoo- und Tierparkdirektor Andreas Knieriem. Ein Winzling, der aber schon ganz schön frech ist, ergänzt Bären-Tierpfleger Marcus Röbke. Wenn er zum Füttern komme, sei der Kleine zuerst da und verteidige seinen Napf vor der Mutter. Die lasse ihr Junges natürlich gewähren. Lippenbären, die vom indischen Subkontinent stammen, fressen am liebsten Termiten und Mehlwürmer, aber auch Früchte, Blüten und Honig.

Draußen ist der Kleine erst einmal unsicher. Er riecht am Gras, hängt an einer Felsstufe und rutscht wieder ab und verschwindet auch schon wieder unter dem Bauch seiner Mutter. Doch mit der Zeit wagt er sich immer ein paar Schritte weiter weg, zu groß ist die Neugierde, was sich unter dem Mulch oder der knochigen Wurzel befindet.

Noch hat der kleine Bär, der ein Junge ist, keinen Namen. Den wollen der Zoo und die Stadtwerke, die die Patenschaft für das Tier übernommen haben, gemeinsam mit den Berlinern suchen. Die Kollegschaft hätte schon eine Vorauswahl getroffen und sich auf drei Namen geeinigt, sagt Andreas Irmer, Geschäftsführer der Berliner Stadtwerke GmbH. Zur Auswahl stehen Kralle, Schnute und Balou. Jeder Name hat seine Berechtigung: Kralle ist ein Hinweis auf die langen Krallen und damit auf ein wichtiges Bärenwerkzeug, Balou heißt der populäre Artgenosse im Dschungelbuch und Schnute passt zu dem Tier wegen seiner charakteristischen Schnauze. Dass die Stadtbärin im Köllnischen Park in Mitte auch so hieß, ist für Andreas Knieriem kein Hinderungsgrund. Es sei ein guter Name, den auch ein anderes Tier tragen könnte, sagt er. Eine Woche lang können die Berliner auf Facebook über die drei Namen abstimmen über www.facebook.com/zooberlin und www.facebook.com/BerlinerStadtwerke.

Ein bisschen Wehmut liegt noch über dem ersten Ausgang des Lippenbärchens. Der kleine Eisbär Fritz hätte jetzt auch sein Gehege im Tierpark Friedrichsfelde erkunden sollen. Doch Fritz ist tot, überraschend gestorben vor drei Wochen. Von den ersten Krankehitsanzeichen bis zum Herzstillstand waren es gerade 24 Stunden. "Wir wissen noch nicht, woran der kleine Eisbär gestorben ist", sagt Andreas Knieriem. Die Untersuchungen laufen noch. Eine Infektionserkrankung konnte mittlerweile ausgeschlossen werden, "aber sonst tappen wir noch im Dunklen", so Knieriem. Das Problem sei, dass es bei einem solchen akuten Krankheitsverlauf keine sichtbaren Zeichen am Körper gebe. Ein bis zwei Wochen, schätzt der Direktor, würde es noch dauern, bis es gesicherte Erkenntnisse über die Todesursache des gerade einmal vier Monate alten Eisbären gebe.

Eisbärenmutter Tonja geht es gut. Das ist für Knieriem ein Zeichen dafür, dass die Krankheitsursache von Fritz nicht im Stall zu suchen ist. "Sonst hätte Tonja es auch bekommen", sagt der Zoddirektor. Sie habe sich auch mit dem Tode des Jungtieres schnell arrangiert. Der Milchfluss werde sofort eingestellt und damit seien auch die Muttergefühle nach einiger Zeit weg. "Tonja genießt das Leben und den Frühling und würde sich wohl schon wieder bestens mit Wolodja verstehen", sagt Knieriem. Er spielt darauf an, dass sie auch wieder paarungsbereit sei. Doch erst wenn sicher ist, woran Fritz gestorben ist, wird Wolodja, der zurzeit im Zoo ist, in den Tierpark zu Tonja umziehen – und vielleicht für Nachwuchs sorgen.

Ruhe in Frieden, kleiner Eisbär Fritz

Fritz aus dem Tierpark Berlin ist tot. Der kleine Eisbär wurde nur vier Monate alt.
Ruhe in Frieden, kleiner Eisbär Fritz

Sicher ist aber schon, dass der Zoo im Sommer zwei neue Bären bekommt. Im Juli ist die Ankunft von zwei Pandabären aus China geplant. "Die Bauarbeiten am neuen Pandagarten sind im Zeitplan", bestätigt Knieriem. Der Innenausbau hat begonnen, die Lüftung und die Elektrik werden derzeit installiert. Doch bis die Berliner für die beiden neuen schwarz-weißen Publikumslieblinge Namen suchen, ist erst einmal der kleine Lippenbär dran. Jetzt braucht er einen Namen.

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