Mitte

Warum eine Schule seit acht Jahren auf die Sanierung wartet

Seit acht Jahren ist für die Charlotte-Pfeffer-Schule ein Neubau geplant, doch die Schüler lernen in Baucontainern.

Grund für die Verzögerung des Umbaus ist eine juristische Auseinandersetzung mit einem Architektenbüro

Grund für die Verzögerung des Umbaus ist eine juristische Auseinandersetzung mit einem Architektenbüro

Foto: Reto Klar

Lange haben die behinderten Kinder der Charlotte-Pfeffer-Schule in Mitte gemeinsam das Lied gesungen "Wir bauen uns ein Haus", in Vorfreude auf den Neubau, der neben der baufälligen Schule entstehen sollte. "Seit fünf Jahren singen wir das nicht mehr", sagte die Schulleiterin Monika Fürnkranz-Kluge der Berliner Morgenpost.

Die knapp 100 geistig behinderten und teilweise schwerst mehrfach behinderten Schüler der Förderschule haben die Hoffnung auf das neue Haus aufgegeben. Die Umsetzung der Neubaupläne kommt nicht voran, stattdessen ist seit einem Jahr ein Großteil der Schüler in Baucontainern untergebracht. Nun wird das Provisorium zum Dauerzustand, denn derzeit steht nach Angaben des Bezirks noch nicht einmal fest, wann die seit acht Jahren geplanten Baumaßnahmen beginnen können.

Unterdessen spitzen sich die Bedingungen für die Schüler zu: Die Container stehen auf einem völlig verrotteten Sportplatz, dessen verschimmelter Kunststoffbelag gefährliche Wellen schlägt. Die Schüler mit ihren Gehhilfen und Rollstühlen gelangen nur über einen schmalen Streifen aufgeschütteten Asphalt zu ihren provisorischen Unterrichtsräumen. Im Haupthaus an der Berolinastraße können sie nicht unterrichtet werden, weil das baufällige Gebäude nicht behindertengerecht ist. Auch die kleine Sporthalle können die Kinder im Rollstuhl nicht nutzen, da der Weg dorthin nur über eine Treppe führt. Die maroden Gebäudeteile sind mit Bauzäunen abgesperrt.

Hilferuf an die Bildungssenatorin

In einem Hilferuf haben sich die Eltern der Schule nun an die Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) gewandt. "Wir können nicht verstehen, warum man unsere Kinder so sehr vergessen hat", schreiben die Eltern in dem Brief. "Wir bitten Sie inständig darum, uns zu helfen eine seit Jahren andauernde, zutiefst deprimierende und diskriminierende Situation endlich zu beenden", heißt es weiter.

Vor Kurzem hat sich der Bezirksschulstadtrat Carsten Spallek (CDU) in der Schule ein Bild gemacht. Immerhin ist das Gebäude nur einen Steinwurf vom Rathaus in Mitte entfernt. "Der Stadtrat konnte uns allerdings nur sagen, was derzeit alles nicht geht", sagte die Elternvertreterin Christina Ulrich.

Die Geschichte ist tatsächlich verfahren. Grund für die Verzögerung des Umbaus ist eine juristische Auseinandersetzung mit dem Architektenbüro Numrich Albrecht Klumpp, das den Umbau geplant hatte. Nach Auseinandersetzungen mit dem Bezirk hatte das im Schulbau versierte Büro vor mehr als einem Jahr schließlich die Segel gestrichen und den Vertrag gekündigt. Begründet wurde die Kündigung mit der ungewissen Dauer des Vorhabens. Nun sei eine gerichtliche Auseinandersetzung mit ungewisser Dauer nicht auszuschließen, so Spallek.

Und wie geht es in der Zwischenzeit mit den Kindern der Charlotte-Pfeffer-Schule weiter? Der Schulstadtrat ist ratlos. Einen modularen behindertengerechten Ergänzungsbau würde das Stadtplanungsamt nicht genehmigen, da die Schule sich im Gebiet einer sogenannten Erhaltungssatzung befinde. Ziel dieser Verordnung ist es, dass Viertel ihren städtebaulichen Charakter nicht verlieren. Der Stadtrat schlägt vor, nun erst mal weitere Container auf das Gelände zu stellen. Auch die Bildungssenatorin Scheeres hat sich inzwischen ein Bild von den Zuständen gemacht. Zusätzliche Baucontainer sind aus ihrer Sicht keine Lösung. Für den Schulbetrieb seien diese Räume nicht geeignet. Sie fordert den Bezirk auf, die Situation durch einen mobilen Ergänzungsbau zu entschärfen und so auch die nötigen Schulplätze zu schaffen.

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