Alexanderplatz

Niederländer bauen 65 Meter hohen Turm mit 260 Wohnungen

"Grandaire" haben die Bauherren ihr Projekt an der Voltairestraße genannt. Die Kaufpreise beginnen bei rund 5000 Euro je Quadratmeter.

Auf der  Grafik ist zu sehen, wie sich die Gegend rund um den Alexanderplatz in den vergangen Jahren verändert hat

Auf der Grafik ist zu sehen, wie sich die Gegend rund um den Alexanderplatz in den vergangen Jahren verändert hat

Foto: BM

Die Skyline am Berliner Alexanderplatz ist noch immer recht überschaubar. Das 1970 fertiggestellte Hotel „Park Inn“ mit seinen 125 Metern ist das höchste Haus am Platz – obwohl der Hochhaus-Masterplan mittlerweile schon 23 Jahre alt ist. Elf 150-Meter-Türme hatte der Architekt Hans Kollhoff für die „Stadtkrone“ am Alexanderplatz 1993 vorgesehen. Inzwischen wurde die Zahl auf neun reduziert, weil zahlreiche Gebäude aus DDR-Zeiten aufwendig saniert, gut vermietet oder unter Denkmalschutz gestellt worden sind. Wenn auch die großen Wolkenkratzer noch fehlen: Hinter dem Einkaufszentrum Alexa beginnen noch in diesem Jahr die Bauarbeiten für einen 65 Meter hohen Wohnturm.

Wohneigentum ab 5000 Euro pro Quadratmeter

Für rund 60 Millionen Euro ist an der Voltairestraße ein 20-geschossiges Gebäude mit etwa 260 Wohnungen sowie Ladengeschäften im Erdgeschoss geplant. „Grandaire“ haben die niederländischen Bauherren, Dekor Vastgoed und die Reggeborgh-Gruppe, ihr Projekt genannt. Die Entwürfe für das Projekt lieferte das Hamburger Büro Giorgio Gullotta Architekten. Demnach sollen auf dem knapp 4000 Quadratmeter großen, früheren Degewo-Grundstück ein größerer und ein kleinerer Turm entstehen.

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In dem größeren, 65 Meter hohen, sind etwa 160 Eigentumswohnungen auf 18 der 20 Etagen untergebracht. In dem kleineren, 39 Meter hohen, der an der Ecke zur Alexanderstraße entsteht, ist Platz für etwa 100 Mietwohnungen auf zehn der insgesamt zwölf Etagen. Der erste neue Wohnturm in Mitte nach über 30 Jahren wird nach dem Vorbild der Chicagoer Hochhausschule mit einer Natursteinfassade gestaltet.

Die Vermarktung hat das Unternehmen Strategis übernommen. „Die Kaufpreise beginnen bei rund 5000 Euro je Quadratmeter“, so Strategis-Sprecher Michael Elst. Bereits 30 Wohnungen seien vergeben, so Elst. Die Wohnungen sollen ab 2019 bezugsfertig sein. Um Hochhausplanungen am Alexanderplatz den geänderten Realitäten anzupassen, hatte die Senatsverwaltung in einem aufwendigen Workshopverfahren den Masterplan überarbeiten lassen. Das Ergebnis – im wesentlichen die Reduzierung auf neun Türme – wurde im Juni 2016 vom Senat beschlossen.

Von den neun verbliebenen 150-Meter-Türmen sind zwei mittlerweile in festen Händen. Das US-Unternehmen Hines will neben dem Saturn auf dem Alexanderplatz bauen. Die russische MonArch-Gruppe hat sich das Baugrundstück direkt am Einkaufszentrum Alexa gesichert und will an der Gruner- Ecke Alexanderstraße einen Wohnturm mit 475 Appartements verteilt auf 39 Stockwerke errichten. Der Bauantrag wurde bereits am 1. Juli dieses Jahres gestellt. Läuft alles so, wie vom Investor geplant, könnte das Gebäude 2019 bezugsfertig und damit dann das zweithöchste Wohnhochhaus in Deutschland sein.

Der US-Investor Hines dagegen hat nach wie vor mit Einwänden der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) gegen das Bauvorhaben zu kämpfen. „Hines und die BVG arbeiten weiterhin zusammen an der Konzeption der Überbauung“, teilte BVG-Sprecherin Petra Reetz der Berliner Morgenpost mit. Wichtige sicherheitsrelevante Problemstellungen hätten noch nicht abschließend geklärt werden können, so die Sprecherin weiter. Unter dem geplanten Turm verläuft der Tunnel der Linie U5. Bis dieses Problem nicht gelöst ist, können die Amerikaner mit dem Bau nicht beginnen.

Auch in anderen Ortsteilen sind Wohnhochhäuser im Bau. So entstehen an der Mercedes-Benz Arena in Friedrichshain zwei 86 und 95 Meter hohe Wohntürme. In Kreuzberg und Steglitz werden zwei 89 und ein 118 Meter hohe Bürotürme zu Wohnzwecken umgebaut. Das Forschungsinstitut Bulwiengesa hatte in einer Studie Berlin kürzlich „bezüglich der zu realisierenden Hochhauswohnungen an Platz 1“ im bundesweiten Vergleich der Metropolen mit den meisten Hochhausprojekten gestellt. Demnach wurden im vergangenen Jahr sechs Wohnhochhäuser fertiggestellt und 19 weitere sind in Planung.

Neue Koalition will den Bau von Hochhäusern begrenzen

Viele Architekten würden auch an anderen Stellen in der Stadt gerne höher bauen. Doch Berlin bleibt auch in den kommenden fünf Jahren weitgehend flach. Darauf hat sich Berlins neue Rot-Rot-Grüne-Regierungsriege verständigt. „Die Koalition erarbeitet einen Hochhausentwicklungsplan, mit dem die stadträumliche Verteilung reguliert und die Zahl von Hochhausstandorten beschränkt werden soll“ heißt es in dem Koalitionsvertrag, auf den sich die Parteien verständigt haben. „Wir wollen Hochhäuser stadtentwicklungspolitisch begrenzen und nicht immer mehr davon haben“, bekräftigt die designierte neue Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke). Diese Leitplanung solle im Benehmen mit den Bezirken in entsprechende Bebauungspläne umgesetzt werden.

>>>Hoch hinaus - Berlin hat das Hochhaus-Fieber gepackt<<<

Unter der Rubrik „Stadtentwicklung in Berlin – intelligent, nachhaltig und partizipativ“ heißt es im Koalitionsvertrag zu Berlins meistfrequentiertem Platz, den jeden Tag rund 360.000 Menschen passieren: „Zur Berliner Mitte als Wohnort gehört eine ausreichende soziale Infrastruktur, insbesondere dann, wenn am Alexanderplatz mehrere Wohnhochhäuser entstehen.“ Die Neukonzeption der Hochhausentwicklung unter Berücksichtigung der Baudenkmale solle nun schrittweise angepasst und planungsrechtlich umgesetzt werden. Und mit dem Budenzauber soll Schluss sein: „Der Platz ist von übermäßiger kommerzieller Nutzung zu entlasten.“

Zudem soll auf dem Platz ein Ort des Gedenkens eingerichtet werden. „An die Demonstration am 4. November 1989 soll sichtbar erinnert werden“, heißt es im Koalitionspapier. „Wie genau dieses Denkmal aussehen könnte dazu gebe es noch keinen Entwurf“, so Lompscher.