1900 neue Pädagogen

Jeder dritte neue Lehrer in Berlin ist ein Quereinsteiger

Zum neue Schuljahr wurden 1900 Lehrer eingestellt. Bildungssenatorin Scheeres: Quereinsteiger eine Bereicherung für Berliner Schulen.

Mit Beginn des neues Schuljahres am kommenden Montag werden in Berlin 1900 neue Lehrkräfte ihre Arbeit aufnehmen. Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) ist es somit gelungen, den Bedarf zu decken, den die Schulen angemeldet haben. 667 dieser neuen Pädagogen, und damit so viele wie nie zuvor, sind aber keine ausgebildeten Fachlehrer, sondern Quereinsteiger. Diese haben zwar ein Hochschulstudium absolviert, aber keine pädagogische Ausbildung. Insgesamt sind in Berlin 33.127 Lehrer tätig.

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Die Quereinsteiger, von denen etwa die Hälfte an Grundschulen eingesetzt wird, werden 19 Stunden pro Woche unterrichten (Teilzeit 13 Stunden) und berufsbegleitend 18 Monate lang ihr pädagogisches Rüstzeug erwerben.

Insgesamt hat Bildungssenatorin Scheeres in diesem Kalenderjahr 3000 neue Lehrkräfte eingestellt. 1100 von ihnen hatten bereits im Februar ihren Dienst aufgenommen, darunter etwa 330 Quereinsteiger. Scheeres: „Die Quereinsteiger sind keine Lehrer zweiter Klasse, sie haben alle ein abgeschlossenes Studium und Berufserfahrung, zum Teil als Hochschullehrer.“ Sie seien daher eine Bereicherung für die Berliner Schulen.

15 Prozent aller Berliner Lehrer sind Quereinsteiger

Tom Erdmann, Vorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), sagte indes, oberstes Ziel müsse sein, Fachpädagogen einzustellen. Quereinsteiger könnten zwar eine Bereicherung für die Schulen sein, das dürfe aber nicht zur Entwertung der vollen Lehrerausbildung führen. „Inzwischen sind bereits 15 Prozent aller Berliner Lehrkräfte Quereinsteiger“, sagte Erdmann. Die meisten seien zudem an Schulen in sozialen Brennpunkten eingestellt worden, da diese Bildungseinrichtungen große Schwierigkeiten hätten, genügend Pädagogen zu bekommen. Erdmann bezeichnete diese Tatsache als äußerst problematisch. „Den Quereinsteigern fehlt die pädagogische Ausbildung, um mit besonders herausfordernden Kindern umzugehen“, sagte er. Berlin müsse mehr Pädagogen ausbilden als bisher. „Gegenwärtig werden jährlich 1600 Referendare fertig. Wir brauchen aber doppelt so viele“, so der GEW-Chef.

12.200 Kinder an Berliner Schulen aus Flüchtlingsfamilien.

Berlin wächst und benötigt auch deshalb mehr Lehrer. Im Vergleich zum Vorjahr werden im neuen Schuljahr 6200 Schüler mehr in den Klassenzimmern sitzen – insgesamt rund 428.550 Mädchen und Jungen. Für die kommenden fünf Jahre geht Bildungssenatorin Scheeres von einem weiteren Schülerzuwachs aus. 12.240 neue Plätze sollen an Grundschulen geschaffen werden, 5500 an Sekundarschulen. Gymnasien will die Senatorin nicht schließen, auch wenn es dort zurzeit rund 4600 freie Plätze gibt.

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12.200 der Kinder an Berliner Schulen stammen aus Flüchtlingsfamilien. Für sie sind inzwischen 1004 Willkommensklassen eingerichtet worden, in denen sie Deutsch lernen sollen. Allein für diese Klassen wurden seit 2011/12 rund 1000 Lehrer neu eingestellt. Die Mittel hat Berlin in diesem Jahr noch einmal aufgestockt. Damit Kinder und Jugendliche aus Syrien, dem Irak oder Afghanistan den Sprung ins reguläre Schulsystem schaffen, gibt die Hauptstadt 2016 fast 64 Millionen Euro aus. Weitere 1,5 Millionen Euro sind vorgesehen, um an Regelschulen zusätzlichen Deutschunterricht für Flüchtlingskinder anzubieten.