Europacity

In Mitte entsteht ein Park mit Zugang zum Wasser

Am Nordhafen wird eine alte Grünanlage umgestaltet. Sie ist Teil der neuen Europacity, die an der Heidestraße errichtet wird.

Die Treppen zum Wasser hin bieten auch Sitzgelegenheiten an der neu gestalteten Grünanlage am Nordhafen

Die Treppen zum Wasser hin bieten auch Sitzgelegenheiten an der neu gestalteten Grünanlage am Nordhafen

Foto: relais Landschaftsarchitekten

Startschuss für die Neugestaltung einer alten Grünanlage in Mitte: Im Rahmen des Bauvorhabens "Europacity" an der Heidestraße wird jetzt nach Angaben der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung in den kommenden 14 Monaten als erster Bauabschnitt der nördliche Teil des Nordhafen-Parks umgestaltet und erneuert.

Die etwa 6300 Quadratmeter große Grünanlage liegt zwischen dem Nordhafen sowie der Heide-, Seller- und Fennstraße in Wedding unweit der Fennbrücke. Die Freifläche geht ursprünglich auf eine von dem bedeutenden preußischen Gartenkünstler Peter-Joseph Lenné (1789–1866) konzipierte Hafenanlage zurück. Sie wurde bereits in den 50er-Jahren zu einem Park umgewidmet.

Neue Bäume und Sträucher werden gepflanzt

Die neue Gestaltung der bestehenden Grünanlage nach dem bereits aus einem Wettbewerb im Jahr 2011 ausgewählten Siegerentwurf des in Berlin beheimateten Büros von "relais Landschaftsarchitekten" ist allerdings eher nüchtern und reduziert geplant.

Laut einer Pressemitteilung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung sollen die Grün- und Freiflächen durch die Nutzung der "bestehenden Situation" und durch "bewusst zurückhaltende gestalterische Eingriffe" an die "geplanten stadträumlichen Gegebenheiten" angepasst werden. Die derzeitige Vegetation werde straßenseitig ergänzt. So werden 22 Bäume neu gepflanzt (Silberahorn, Purpur-Erle und Platanen).

Zur Aufwertung der Grünanlage sind zudem Sträucher wie Felsenbirne, Liguster, Gartenjasmin, vielblütige Rosen, Kugel-Purpurweide, Prachtspiere und Flieder sowie Stauden, Gräser und Bodendecker geplant. Die an der Wasserseite stehenden Sträucher werden durch eine niedrige Bepflanzung ersetzt, wodurch der Park zum Nordhafen hin geöffnet wird.

Landschaftstreppen als optische Verbindung

Wesentliches Gestaltungselement der Planer ist die Sanierung und Neugestaltung dreier Landschaftstreppen, von denen die Besucher der Freifläche direkt ans Wasser geführt werden. Auch am gegenüberliegenden Ufer im östlichen Nordhafen-Park sind solche Landschaftstreppen vorgesehen. Sie sollen optisch eine Verbindung zwischen den beiden Arealen schaffen. "Die zukünftige Gestaltung des Parks wird dabei an die erhaltenswerten Bäume angepasst", heißt es in der Mitteilung der Verwaltung.

Neben den Treppen sollen auch alte gestalterische Elemente wie Mauern oder Gehölzstrukturen erhalten bleiben oder wiederhergestellt werden, heißt es weiter. Im zuständigen Landschaftsarchitekturbüro "relais" war am Dienstag keiner der Projektbeteiligten zu erreichen. Grundlage ihres Konzepts ist laut der Präsentation auf der Internetseite von "relais Landschaftsarchitekten" "die Schaffung einer exponierten, ,steinernen' Uferkante entlang des Berlin-Spandauer Schifffahrtskanals", die als Ergänzung des grünen Nordhafen-Parks aufgefasst wird.

Möglichkeiten zum Verweilen am und auf dem Wasser

Innerhalb der Uferpromenade stelle der so neu gestaltete Stadthafen topografisch nach Angaben der Planer eine Zäsur dar. Durch die Fassung des Terrains mit Rampen, Sitzstufen und Treppen entständen dort vielfältige Aufenthaltsmöglichkeiten und Zugänge zum Wasser.

Im Nordhafen-Park sollen zudem auch Holzstege durch die Uferbepflanzung geführt werden und so Möglichkeiten schaffen, sich nicht nur am Ufer, sondern vielmehr quasi auch auf dem Wasser selbst aufhalten zu können.

Der südliche Teil des Parks wird durch die Anlage von Schilfterrassen neu gestaltet, die als spezielle sogenannte "Retentionsbodenfilter" im Entwässerungskonzept der Europacity dienen. Die Kosten für alle Bauabschnitte inklusive der zukünftigen Promenade, dem Nordhafen-Park oder auch der Brücke über den Spandauer Schifffahrtskanal betragen insgesamt 18 Millionen Euro.

Nordhafen wurde am 4. Oktober 1858 eröffnet

Der Nordhafen selbst hat als ehemaliger Binnenhafen am Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal eine lange Geschichte. Er wurde nach zweijähriger Bauzeit bereits am 4. Oktober 1858 eröffnet und diente unter anderem zur Versorgung des Industrieareals um Hamburger und Lehrter Bahnhof herum.

Das etwa 250 Meter lange und 130 Meter breite Hafenbecken umfasste eine Wasserfläche von insgesamt 35.000 Quadratmetern. Zu Hochzeiten konnten hier bis zu 38 Schiffe mit einer Tragfähigkeit von immerhin 200 Tonnen be- und entladen werden, auch wenn das Löschen der Fracht wegen der hohen Uferbefestigung mitunter mühsam gewesen sein soll. Dazu kam, dass auch die Be- und Entladeeinrichtungen am Ufer eher unzureichend waren, sodass die Schiffe zunehmend auf den besser ausgestatteten Humboldthafen weiter südlich auswichen.

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