Wohnturm in Berlin

Am Alexanderplatz entsteht Berlins höchster Wohnturm

| Lesedauer: 4 Minuten
Isabell Jürgens
150 Meter hoch, 39 Geschosse, internationale Kundschaft: Der Capital Tower am Alexanderplatz soll in Berlin neue Maßstäbe setzen

150 Meter hoch, 39 Geschosse, internationale Kundschaft: Der Capital Tower am Alexanderplatz soll in Berlin neue Maßstäbe setzen

Der Bauantrag ist gestellt: Bis 2019 baut ein russischer Investor am Alexanderplatz den Capital Tower. Er soll 150 Meter hoch werden.

Im Wettlauf um den Bau des höchsten Turmes auf dem Alexanderplatz in Mitte haben aktuell die Russen die Nase vorn. Am 1. Juli hat der Investor, die russische MonArch Group, den Bauantrag für den Bau des 150 Meter hohen Tower mit rund 475 Wohnungen gestellt. Das teilte die mit der Vermarktung der Wohnungen beauftragte Bewocon am Montag mit.

Nach Angaben des Alleinvermarkters liegen für ein Drittel der Wohnungen bereits Kaufangebote vor. Der US-amerikanische Investor Hines dagegen hat nach wie vor mit Einwänden der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) gegen ein von ihm geplantes, ebenfalls 150 Meter hohes Gebäude zu kämpfen.

„Wir sind optimistisch, dass die Baugenehmigung zügig erteilt wird und der erste Spatenstich noch in 2016 erfolgen kann“, sagte Karl Jürgen Zeller, Geschäftsführer der Bewocon (Berliner Wohnbau Consult GmbH). Ende 2019 könnte der „Capital Tower“, so der Name des Turms, den das Berliner Architekturbüro Ortner & Ortner entworfen hat, bezugsfertig sein.

39 Geschosse soll Berlins höchster Wohnturm haben, davon vier unter der Erde. In den ersten drei Etagen entstehen Geschäfts- und Gewerbeflächen, darüber sind Kino, Fitness-Studio, Konferenzräume und Restaurant geplant. Ab dem sechsten Stockwerk aufwärts entstehen etwa 24.000 Quadratmeter Wohnfläche.

Vor allem internationale Anleger zeigen Interesse

Bis zu 17 Wohnungen sollen pro Etage in dem Turm untergebracht werden. Die Größe der Wohnungen wird zwischen 30 und 300 Quadratmeter liegen. Der Kaufpreis für die Wohnungen soll sich von Etage zu Etage nach oben staffeln. Die Appartements in den unteren Etagen sind dabei für etwas mehr als 5000 Euro je Quadratmeter zu haben. Wer ganz weit oben wohnen will, muss mit 15.000 Euro je Quadratmeter rechnen.

Für rund 300 der Wohnungen gibt es laut Bewocon schon Vorbestellungen. Auf Interesse stößt das Projekt, darauf lassen zumindest die Adressen der bisherigen Interessen schließen, vor allem auf internationaler Ebene. Insbesondere Asiaten, darunter vor allem Hong-Kong-Chinesen, aber auch Russen hätten sich auf die Liste gesetzt. Dagegen gebe es bislang kaum regionale Voranfragen.

Kein Wunder – denn für Berliner ist das Wohnen im Hochhaus noch immer eher mit den tristen Wohnsilos am Stadtrand verbunden. Als Prestige-Adresse erscheint es vielen, anders als in asiatischen und amerikanischen Metropolen, noch gewöhnungsbedürftig. Doch das will die Monarch-Gruppe jetzt ändern, zumal die Idee des schicken Wohnturmes sich auch in der deutschen Finanzmetropole Frankfurt am Main bereits durchgesetzt hat.

„Der Capital Tower wird das zweithöchste Wohnhochhaus in Deutschland, nach dem Frankfurter Grand Tower“, sagte Zeller weiter. Zum Investitionsvolumen wollte die Bewocon am Montag noch keine Angaben machen. Noch gebe es zu viele Unwägbarkeiten, hieß es dazu als Begründung. Zum Zeitpunkt des Baustarts könne man mehr sagen.

Amerikanisches Projekt liegt auf Eis

Der Turm der MonArch-Gruppe soll direkt neben dem Haupteingang des Einkaufszentrums Alexa entstehen. Anders als der nur wenige Meter weiter von den Amerikanern geplante Tower, der direkt an das Geschäftshaus „Die Mitte“ mit dem Hauptmieter Saturn anschließen soll, steht er weit genug von den unter dem Platz verlaufenden U-Bahn-Röhren entfernt, um deren Standfestigkeit nicht zu beeinträchtigen.

Die Pläne für den Bau eines Hotel- und Wohnturmes hatte das amerikanische Unternehmen Hines bereits vor rund zweieinhalb Jahren präsentiert. Sie liegen jedoch noch immer auf Eis, weil die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) Bedenken gegen den Bau haben. Denn dieser soll unmittelbar neben dem Tunnel der U-Bahn-Linie 5 entstehen. „Die BVG befindet sich noch in Abstimmung mit Hines“, teilte BVG-Sprecher Markus Falkner am Montag auf Nachfrage der Berliner Morgenpost mit.

Es müsse gewährleistet werden, dass eine Havarie auf der Baustelle nicht zu Betriebsausfällen auf der Linie führe, so der Sprecher weiter. Erst, wenn eine Einigung zwischen Hines und der BVG erzielt wurde, wird jedoch der Senat die erforderlichen Arbeiten am Bebauungsplan fortsetzen.

Sollte die Monarch-Gruppe ihren Turm tatsächlich 2019 fertig stellen, wäre es er erste, der nach dem Anfang der 1990er-Jahre entwickelten Hochhausplan für den Alexanderplatz tatsächlich entsteht. Zehn 150 Meter hohe Türme hatten Kollhoff und seine Kollegin Helga Timmermann 1993 in ihrem Masterplan vorgesehen. Bis heute ist kein einziger von ihnen tatsächlich entstanden.