Berlin

Elektrokutschen sollen Droschken in der City ersetzen

Grüne und Tierschützer fordern ein Verbot der Pferdefuhrwerke

Nachdem im Senat eine Petition mit 70.000 Unterschriften für ein Pferdekutschenverbot in der Berliner Innenstadt eingegangen ist, wollen auch die Fraktion der Grünen sowie Tierschützer die Droschken verbieten. „Die Tiere stehen in der Gluthitze und im Verkehrsstau“, sagte die für Tierschutz zuständige Sprecherin der Fraktion, Claudia Hämmerling, am Donnerstag. Außerdem seien mehrere Unfälle passiert, bei denen Tiere zu Schaden kamen. Deshalb müsse eine Lösung gefunden werden, die allen gerecht werde. „Die Kutscher sollen ihr Gewerbe dort ausüben, wo es hingehört“, so Hämmerling. Gegen Kremserfahrten im Umland habe sie nichts einzuwenden.

Alternativ könnten zum Beispiel Elektrokutschen als Touristenattraktion eingesetzt werden, sagt die Vorsitzende des Berliner Tierschutzvereins, Ines Krüger. Eine solche Kutsche gebe es bereits, sie sei schon zugelassen. Krüger verwies darauf, dass auch in anderen großen Metropolen wie London und Paris Pferdekutschen in der Innenstadt verboten seien. Seit dem Eingang der Petition für das Pferdekutschenverbot befasst sich der Berliner Senat in verschiedenen Gremien mit dem Thema.

Leitlinien für Pferdekutschen werden nicht eingehalten

Hämmerling kritisiert, dass die Kutscher die vom Senat beschlossenen Leitlinien für Pferdefuhrwerke nicht erfüllen können, ohne eine Ordnungswidrigkeit zu begehen. In den Leitlinien ist festgelegt, dass sich die Pferde an Schattenplätzen mit naturbelassenem Boden ausruhen. Doch an den von den Kutschern angegebenen Ruheplätzen, etwa dem Großen Tiergarten, seien Pferde wegen der empfindlichen Flächen gar nicht erlaubt, so Hämmerling. Sie beruft sich auf Angaben des Grünflächenamts. „Wenn die Leitlinien nicht erfüllbar sind, kann auch kein Kutschbetrieb stattfinden.“ Sie fordert Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) auf, die verkehrlichen Anordnungen für ein Verbot zu treffen.

Vier Kutschen warteten am Donnerstag vor dem Brandenburger Tor auf Kundschaft. Vor jedem Tier stand ein großer Eimer. „Unsere Pferde haben frisches Wasser und Essen“, sagte eine Mitarbeiterin des Kutschenunternehmens Klaus Winkelmann. Sechs Stunden dürfte sie vor dem Brandenburger Tor stehen, mehr als fünf sei sie nie unterwegs. Zur Pause auf dem betonierten Platz gefragt, zeigt sie einen Gummiring zwischen Hufeisen und Huf. „Diese Einlage erleichtert den Pferden das Stehen.“ Auf der Rundfahrt liefen sie zudem nur im Schritt. Sie verstehe die Klagen nicht: „In Spanien ist es noch heißer.“ Außerdem würde sie oft für den guten Zustand ihrer wohlgenährten Pferde gelobt werden. Ein beliebtes Fotomotiv bei jungen Mädchen sind sie auf jeden Fall.