Wedding

Tödlicher Streit zweier Clans: 7 Verdächtige vor Gericht

| Lesedauer: 2 Minuten
Ein Mitarbeiter der Spurensicherung in der Hochstädter Straße in Wedding

Ein Mitarbeiter der Spurensicherung in der Hochstädter Straße in Wedding

Foto: Paul Zinken / dpa

Prozessauftakt. In der Hochstädter Straße griffen Mitglieder eines Familienclans eine andere Familie an. Ein Mann starb.

Nach einem Streit zwischen zwei Großfamilien mit einem Toten und drei Schwerverletzten stehen sieben mutmaßliche Mörder unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen vor dem Berliner Landgericht. Die Angeklagten – drei Brüder und deren Söhne – haben zu Prozessbeginn am Dienstag geschwiegen. Sie sollen vier Mitglieder einer bis dahin befreundeten Familie aus Rache für Beleidigungen angegriffen haben – mit einer Pistole, zwei Messern und einem Hammer. Bei dem Vorfall im Stadtteil Wedding starb ein 31-Jähriger.

Die Staatsanwaltschaft geht von einem heimtückischen Mord sowie von drei Mordversuchen aus. Gemeinschaftlich hätten die Brüder und deren Söhne am 26. Dezember 2015 die arglosen Geschädigten angegriffen, heißt es in der Anklage. Die Opfer - zwei Brüder, deren Vater und ein Cousin - seien von einer Aussprache ausgegangen, um den Streit zwischen den bosnischen Familien beizulegen. Die Angeklagten seien aus Fahrzeugen gesprungen, hätten die Opfer umkreist und attackiert.

Ein 31-Jähriger erlitt eine Schussverletzung sowie einen Stich in den Rücken. Er verblutete am Tatort. Die weiteren Opfer – 36, 44 und 56 Jahre alt – wurden durch Messerstiche lebensgefährlich verletzt. Einer der Geschädigten ist bis heute auf einen Rollstuhl angewiesen. Der Staatsanwalt sagte, er habe „ein derartiges Missverhältnis zwischen Anlass und Tat noch nicht erlebt“. Nach dem Eindruck von Zeugen hätte der Schütze auch versucht, auf die drei Schwerverletzten zu schießen. „Die Pistole soll blockiert haben.“

Der Streit zwischen den Familien, die aus demselben Ort im heutigen Bosnien-Herzegowina stammen, soll laut Ermittlungen zwei Wochen zuvor in einer Sportsbar im Stadtteil Reinickendorf begonnen haben. Der 46-jährige Angeklagte habe grundlos eine Flasche in Richtung eines Mitgliedes der anderen Familie geworfen. Dieser Mann sei an der Hand erheblich verletzt worden. Weil sich der Werfer nicht entschuldigte, sei es zu gegenseitigen Beleidigungen genommen.

Es wird mit einem monatelangen Prozess gerechnet. Bereits zu Beginn zeichneten sich Spannungen ab. Verteidiger verhinderten, dass ihre Mandanten vor Prozessbeginn im Gerichtssaal gefilmt und fotografiert werden konnten. Die Befragung von Zeugen soll am 24. Juni beginnen.

( dpa/BM )