Mitte

Windböen bringen „Welt"-Ballon in gefährliche Schieflage

Eine Unwetterfront hat den "Welt"-Ballon in Mitte am Dienstag gefährlich schräg gelegt - in 100 Metern Höhe. 20 Menschen waren an Bord.

Der "Weltballon" unweit vom Checkpoint Charlie hängt schräg in der Luft

Der "Weltballon" unweit vom Checkpoint Charlie hängt schräg in der Luft

Foto: Paul Zinken / dpa

150 Meter über Kreuzberg mit Ausblick auf die ganze Stadt: Der Aussichtsballon nahe dem Checkpoint Charlie ist eine Berliner Touristenattraktion. Am Dienstagnachmittag allerdings wurde die Fahrt für die Passagiere zum Albtraum. Der Ballon geriet bei starkem Wind außer Kontrolle. Augenzeugen berichteten, er habe schräg in der Luft gelegen und stark geflattert. Ein Video zeigte, wie der Ballon sich um die eigene Achse drehte und zur Seite kippte. Erst nach etwa zehn Minuten konnte der Ballon mit 20 Menschen an Bord wieder zum Boden zurückgeholt werden.

Angaben der Feuerwehr zufolge hatten Abwinde den sogenannten Hi-Flyer erfasst. Ein Feuerwehrsprecher sagte, dadurch sei der Ballon „durchgesackt“. Er geriet Beobachtern zufolge in eine starke Schieflage. Das Drahtseil, das normalerweise im 90-Grad-Winkel zum Boden stehen soll, sei bei „vielleicht 30 Grad“ gewesen, sagte der Grünen-Abgeordnete Andreas Otto, der Augenzeuge war, als er das nahe gelegene Abgeordnetenhaus verließ. „Der Ballon flatterte im starken Wind und neigte sich herüber bis fast zur Topographie des Terrors. Ich habe gedacht, er stürzt ab.“

Erst nach einigen Minuten gelang es schließlich, den umherfliegenden Ballon zurück zum Boden zu bringen. Zuvor war er immer wieder in Richtung eines Hauses abgedriftet.

Laut Betreiber Frank Hellberg hatte der Pilot eine Wetterveränderung bemerkt und den Ballon bereits absteigen lassen. Statt auf 150 Meter Höhe, auf die der Ballon eigentlich aufsteigt, war er deshalb etwa 100 Meter hoch, als ihn eine starke Böe erfasste. Nach Angaben Hellbergs habe der Pilot dann den Prozess des Absinkens bewusst unterbrochen, um den Ballon auspendeln zu lassen. Hellberg weiter: „Das war für unsere Passagiere natürlich eine sehr unangenehme Situation, aber exakt die richtige Vorgehensweise.“

"Welt"-Ballon in gefährlicher Schräglage

"Welt"-Ballon in gefährlicher Schräglage
Steffi Dobmeier

Auf den letzten Metern halfen auch Feuerwehr und Polizei dabei, den Ballon wieder zu Boden zu bringen. Der Notruf bei der Feuerwehr war um 17.30 Uhr eingegangen.

Dem Wetterdienst von Meteorologe Jörg Kachelmann zufolge handelte es sich um eine schwache Kaltfront, die Böen bis zu 56 Stundenkilometern brachte. Das entspreche Windstärke 7. Diese Windstärke sei normalerweise kein Problem, könne für einen leichten Ballon allerdings gefährlich werden.

"Welt"-Ballon in Turbulenzen

Hi-Flyer trudelt in starken Windböen

An Bord waren 19 Passagiere und der Fahrer. Auf Anweisung des Fahrers legten sich alle Fahrgäste auf den Boden, Augenzeugen berichteten, sie hätten vor Angst geschrien. Wie ein Sprecher der Feuerwehr sagte, seien die Menschen „ordentlich durchgeschüttelt“ worden. Gleichzeitig bescheinigte er dem Fahrer aber auch ein sehr umsichtiges Verhalten.

Auf dem Boden wurde der Ballon-Notfall zum Großeinsatz für die Feuerwehr: Acht Rettungswagen fuhren mit Blaulicht zum Standort an der Zimmerstraße Ecke Wilhelmstraße und kümmerten sich um die Passagiere, die alle unverletzt geblieben waren, aber teils unter Schock standen. Ein Feuerwehrbus fuhr sie anschließend ins Hotel. Unter den Passagieren waren auch elf Schüler, nach Angaben Hellbergs „etwa im Abiturientenalter“.

Einer der Passagiere berichtete nach dem Rettungseinsatz, er sei ganz ruhig geblieben, weil er auf die Technik vertraut habe. „Wenn mir bewusst wird, was passiert ist, werde ich aber sicher nicht mehr so locker sein“, sagte Peter Widow. Der 60-Jährige, der aus Melbeck bei Lüneburg stammt, war mit Kollegen in Berlin – sie hatten ihm die Fahrt mit dem Ballon zum Geburtstag geschenkt.

Die Zimmerstraße war während des Einsatzes gesperrt, am Abend gegen 18.30 Uhr untersuchten Feuerwehr und Ermittler der Polizei die Gondel. Ballon-Betreiber Frank Hellberg wies Meldungen, wonach eine Unwetterwarnung vorgelegen habe, zurück. Er habe nach dem Zwischenfall die in der Servicestation eingehenden Wettermeldungen geprüft.

Für Berlin und Brandenburg gab es eine Warnung des Deutschen Wetterdienstes, dass in der Zeit von 16.30 bis 18 Uhr Windböen mit einer Geschwindigkeit von bis zu 60 Kilometern pro Stunde auftreten könnten.

Seit 2000 steigt der Ballon über Berlin auf, seit 2006 mit der Zeitung „Die Welt“ als Sponsor unter dem Namen „Welt-Ballon“. Er gilt als einer der größten Fesselballons der Welt. Die Gondel kann bis zu 30 Personen aufnehmen. Eine Fahrt kostet pro Person 19,90 Euro.

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