Flüchtlinge am Lageso

Psychologin: Helfer war "übermotiviert" und "ausgebrannt"

Ein Ehrenamtlicher erfindet einen Syrer, der an den Folgen des Wartens am Lageso verstorben sei. Eine Psychologin erklärt sein Motiv.

Kerzen brennen am Lageso für einen toten Flüchtling, den es dann doch nicht gab

Kerzen brennen am Lageso für einen toten Flüchtling, den es dann doch nicht gab

Foto: imago stock&people / imago/Christian Mang

Auf Facebook berichtet ein Flüchtlingshelfer vom Tod eines Asylbewerbers in Berlin. Später stellt sich heraus: Der Mann hat alles nur erfunden. So ein Verhalten ist allerdings nicht ungewöhnlich, wie Isabella Heuser, Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Charité, im Interview erklärt.

Warum denkt sich ein Helfer so eine Geschichte aus?

Isabella Heuser: Das ist ein Phänomen, was recht gut bekannt ist - etwa bei freiwilligen Helfern bei Katastropheneinsätzen. Das sind in der Regel übermotivierte Menschen, die entweder ausbrennen oder eben so etwas erfinden.

>>>Angeblich toter Syrer: Helfer soll betrunken gewesen sein<<<

Das Berliner Bündnis „Moabit hilft“ sieht darin auch eine psychologische Reaktion auf die Arbeit. Teilen Sie die Einschätzung?

Offensichtlich hat er das wegen der natürlich auch chaotischen Umstände am Lageso gemacht. „Moabit hilft“ hätte so einen übermotivierten Helfer aber auch entlasten müssen.

Wie kann es sein, dass jemand die Folgen so einer Lüge offensichtlich ausblendet?

Das ist der Drang zur Befriedigung von einem Geltungsbedürfnis. Da setzen der kühle Verstand und das Nachdenken aus. Wir werden immer von Gefühlen bewegt. Die meisten von uns können diese Emotionen aber gut regulieren.

Der Helfer hat sich zunächst völlig abgeschottet und wollte sich nicht äußern. Ist das eine typische Reaktion?

Das ist eine normale Reaktion. Wenn die Menschen auffliegen und erkennen, was sie getan haben, reagieren sie oft mit einer tiefen Depression. Man sollte ihn daher jetzt nicht allein lassen. Ich denke, dass man ihm einem Psychiater vorstellen wird. Das ist mehr als nur ein völlig übermotivierter Mensch. Da spielt auch ein übersteigertes Geltungsbedürfnis eine Rolle.